Pneumonie als Notfall

Rund 10 % der Patienten, die mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert werden, sterben daran. Bei Patienten, die mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert werden, liegt die Sterblichkeit heute bei unter 5 %1. „Das liegt unter anderem daran, dass die Lungenentzündung als lebensbedrohliche Erkrankung grob unterschätzt wird“, erklärt Dr. Holger Flick, stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Infektiologie und Tuberkulose der Österreichischen Gesellschaft für Pneumonie (ÖGP).

Engmaschige Kontrolle erforderlich

Auch wenn Patienten, die aufgrund einer Pneumonie ins Krankenhaus eingeliefert werden, vermeintlich nicht unmittelbar lebensbedrohlich erkrankt sind, bedürfen sie – den neuen Erkenntnissen zufolge – im Einzelfall von Beginn an einer intensiven Überwachung und Therapie. „Patienten mit Lungenentzündung scheinen bei der Erstbegutachtung im Krankenhaus oft nicht unmittelbar vital bedroht zu sein und werden daher auf die Normalstation gelegt. Dort aber sind die klinischen Kontrollen unter Umständen nicht ausreichend engmaschig. Der Zustand des Patienten kann sich innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtern. Vor allem ältere Menschen ab 65 Jahren und Patienten mit Vorerkrankungen sind hier besonders gefährdet“, warnt Flick. Während bei einem Herzinfarktpatienten das gesamte Behandlungsteam von Beginn an hoch alarmiert ist und sofort eine genau definierte Abfolge von diagnostischen und therapeutischen Interventionen abläuft, wird die Gefährlichkeit einer Lungenentzündung immer wieder unterschätztDas grundlegende Ziel der neuen Guideline, die erstmalig für Deutschland, Österreich und die Schweiz gemeinsam erarbeitet wurde und bei deren Ausarbeitung Flick als Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie mitgearbeitet hat, ist die Reduktion der Sterbefälle durch eine Verbesserung der Behandlungsqualität. „Es wurden genaue Empfehlungen zur Umsetzung der Leitlinie formuliert, die in jedem Krankenhaus individuell angepasst werden können und sollen. Und auch der Überprüfung der so gesetzten Maßnahmen, Stichwort Qualitätssicherung, wurde in der Leitlinie große Bedeutung beigemessen.“

 

Quelle: ÖGP-Jahrestagung 2016
1 Journal of the American College of Cardiology Vol.56, No.4, 2010 ISSN 0735-1097/doi:10.1016/j-jacc.2010.05.008 „Treatments, Trends and Outcomes of Acute Myocardial Infarction and Percutaneous Coronary Intervention“