Ärzte Krone 01/12
Update zu Netzhauterkrankungen
Auf Einladung der Wiener Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie fand vor Kurzem die internationale artvienna 2011 (advanced retinal therapy) statt, auf welcher der State-of-the-Art in der Netzhautforschung und -klinik präsentiert wurde.
OCT: Solide Diagnose bei Diabetes und AMD
Mit der optischen Kohärenztomografie (OCT), einem modernen bildgebenden Verfahren, das erstmals die Beurteilung der inneren Strukturen der Netzhaut mit hoher Auflösungsgenauigkeit ermöglicht, können die einzelnen Netzhautschichten exakt dargestellt werden. Damit wird eine neue Dimension der Diagnostik erreicht und viele schwerwiegende Erkrankungen des Augenhintergrundes können schon erkannt werden, bevor sie sich in anderen Untersuchungen zeigen. Hilfreich ist diese Untersuchungsmethode auch zur Verlaufskontrolle der Netzhautveränderungen.
Mittlerweile werden weltweit Millionen an OCT-Untersuchungen durchgeführt und OCT hat sich zur wichtigsten Diagnosemethode entwickelt. Es ist jedoch noch nicht in die derzeitige Infrastruktur der augenärztlichen Versorgung eingebettet. Hier besteht ein deutlicher Innovationsbedarf im Gesundheitssystem.
Neue Substanz: Potenziell weniger Injektionen notwendig
In der Therapie von Netzhauterkrankungen stehen fortlaufend neue Substanzen zur Verfügung: Vor Kurzem erhielt VEGF Trap-Eye von der FDA die Zulassung zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Die Zulassung für Europa, Japan, Australien und andere Länder in diesem Jahr wurde beantragt.
Bei VEGF Trap-Eye handelt es sich um eine vollkommen neuartige Medikamentenspezies, ein sogenanntes Fusionsprotein, d.h. ein im Labor designtes Molekül, zusammengesetzt aus den optimal wirksamsten Komponenten.
VEGF Trap-Eye ist ein humanes, lösliches Rezeptorbindungsprotein des Wachstumsfaktors VEGF (vascular endothelial growth factor). Es bindet an sämtliche Formen des VEGF-A sowie zusätzlich an dem verwandten Placenta Growth Factor (PIGF). VEGF ist ein spezifischer hochwirksamer Hemmstoff für diese Wachstumsfaktoren.
In zwei randomisierten, doppelblind durchgeführten klinischen Studien der Phase III (VIEW-1-Studie und VIEW-2-Studie) zeigte VEGF Trap-Eye in allen Dosierungen (0,5 oder 2,0 mg monatlich; 2 mg alle zwei Monate) eine vergleichbare Wirkung gegenüber der aktuellen Standardbehandlung mit Ranibizumab in einer Dosierung von 0,5 mg monatlich.
Minimal-invasive Vitrektomie
Die „endoskopische Augenoperation“ durch Kanülen mit dem Durchmesser von Injektionsnadeln (23 Gauge = 0,6 mm) hat die Vitrektomie in den letzten Jahren revolutioniert. Dies verursacht ein viel kleineres Trauma als der frühere Zugang und hat den Vorteil, dass sich die kleine Wunde beim Entfernen der Trokare am Operationsende selbst aufgrund des Augeninnendruckes verschließt und gar keine Naht erforderlich ist. Damit sind meist keine für die Patienten oft störenden Nähte am Auge mehr notwendig, es kommt zu einer schnelleren Wundheilung, weniger Entzündungsreaktionen und nur geringfügiger Bindehautreizung. Die Patienten sind nach der Operation sofort beschwerdefrei und können nach Hause gehen.
Weiters kann die Vitrektomie durch diesen minimal-traumatischen Operationszugang auch ohne Vollnarkose, nur in lokaler Betäubung durchgeführt werden. Durch den einfacheren Operationszugang und den nahtlosen Wundverschluss sind die Operationszeiten kürzer geworden und damit die Nutzung der Operationssäle effektiver. Insgesamt ist die postoperative Erholung der Patienten viel rascher und die stationären Aufenthalte wurden deutlich kürzer. Mehr Patienten können zeitgerecht und schonender versorgt werden.
Die Erweiterung der Indikationen der Vitrektomie hat dazu geführt, dass mittlerweile fast alle operativen Versorgungen der Netzhautablösung mit der Vitrektomie durchgeführt werden.
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