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Apotheker Krone 01/12

Warm-kalt reizt die Haut

Durch Kälte, Wind und mangelnde Luftfeuchtigkeit wird die Hautschutzbarriere geschwächt. Pruritus, Fissuren, Ekzeme sind die Folgen.

Im Winter treten aufgrund von Kälte, Wind und trockener Heizungsluft häufig Hautprobleme auf. Der ständige Wechsel von warmer Zimmer- zu kalter Außenluft führt ebenfalls zu Reizungen. Zudem ist im Winter die Blutzufuhr zur Haut vermindert, da sich bei kalten Temperaturen die Blutgefäße in der Haut zusammenziehen, um die Wärme im Inneren des Körpers zu halten.
Daher gibt die Haut im Winter mehr Feuchtigkeit an die Umgebung ab. Auch die Funktion der Talgdrüsen wird in der kalten Jahreszeit zurückgefahren, ab 8° Grad Celsius wird die Lipidproduktion sogar gänzlich eingestellt. Der dadurch entstehende Mangel an Lipiden schwächt ebenfalls die Hautschutzbarriere.
Juckreiz, Spannungsgefühl, Fissuren und Ekzeme sind die möglichen Folgen. Vor allem Menschen, die zu trockener Haut neigen, leiden jetzt vermehrt unter Hautreizungen. Besonders betroffen sind Neurodermitis- und Psoriasispatienten sowie Diabetiker und Senioren.
Durch eine geschwächte Hautschutzbarriere steigt die Gefahr, dass Krankheitserreger u.Ä. eindringen können. Zudem hat eine Studie der Universität Kyoto (Japan) im Jahr 2009 gezeigt, dass Juckreiz Stress verursacht: Rund 2.200 Erwachsene ohne psychische Vorerkrankung haben das Auftreten von Juckreiz und ihr Stressempfinden dokumentiert. Das Ergebnis der Forscher: Je stärker der Juckreiz, umso intensiver war der psychische Stress bei den Betroffenen.

Hautschutzbarriere reguliert Wasserhaushalt

Die Aufgaben der Hautschutzbarriere sind die Verhinderung struktureller Veränderungen durch chemische, physikalische und mikrobielle Noxen sowie die Regulierung des Wasserhaushaltes. Die Hautschutzbarriere besteht aus der Kombination von Stratum corneum, natürlichem Feuchtigkeitsfaktor (NFF) und Hydrolipidfilm (HLF). Für die Geschmeidigkeit des Stratum corneum, das aus ca. 20 Lagen verhornter Zellen gebildet wird, bedarf es eines Wassergehalts von 10–20%. Sinkt dieser unter 10%, wird die Haut rau und rissig. Verhindert wird der transepidermale Wasserverlust durch den NFF, ein in den oberen Zelllagen befindliches, hygroskopisches Gemisch aus freien Aminosäuren, Pyrrolidoncarbonsäure, Laktaten, Citraten, Harnstoff, Natrium, Kalium, Magnesium- und Kalziumsalzen, Spurenelementen und dem HLF. Letzterer setzt sich aus Talg, ekkrinem Schweiß und Bestandteilen des Stratum corneum wie Keratin, Eiweißspaltprodukten, Hornschicht- bzw. Barrierelipiden und transepidermal abgegebenem Wasser zusammen. Hauptziel der Hautpflege ist die Verhinderung der Austrocknung der Hautoberfläche sowie die Erhaltung des leicht sauren pH-Wertes.

Intensivere Pflege

Generell braucht die Haut im Winter eine intensivere Pflege als im Sommer. Dafür empfehlen sich reichhaltige Pflegeprodukte, d.h. rückfettende Salben, die wenig oder gar kein Wasser enthalten. Diese sorgen für eine geschmeidige Haut, legen sich wie ein Schutzfilm auf die Haut und können so die Kälte abhalten und das übermäßige Verdunsten von Hautfeuchtigkeit verhindern.
Als Wirkstoffen kommen Proteine, pflanzliche Öle (Soja-, Mandel-, Nachtkerzensamen-, Borretschsamenöl, Karité- Butter etc.) und andere pflanzliche Stoffe (Flavonoide) zum Einsatz. Hyaluronsäure, Glycerin und Harnstoff etc. erzielen eine gute Wasserbindung, Vitamin-A-Säure und Fruchtsäuren unterstützen eine beschleunigte Regeneration keratinisierender Epithelien.

Sonnenschutz auch im Winter!

Die kalte Winterluft führt bei vielen dazu, dass sie im Winter keinen Sonnenschutz auftragen. Doch selbst wenn wir subjektiv weniger Sonneneinstrahlung wahrnehmen, spielt der UV-Schutz auch in der kalten Jahreszeit eine wichtige Rolle. Gerade in höheren Lagen ist die Sonneneinstrahlung besonders intensiv, durch Schnee wird zudem UV-Licht reflektiert.

Worauf Wintersportler achten sollten

Um Kälteschäden durch lange Aufenthalte im Freien vorzubeugen, werden vor allem wasserfreie oder wasserarme Cremes wie Hautöle, Lipogele und Fettpasten empfohlen. Schifahrer, Langläufer oder Snowboarder sollten besonders auf einen hohen UV-Filter achten. Tipp: Bei längeren Aufenthalten in beheizten Räumen fettreiche Cremes entfernen, um einer Überwärmung der Haut vorzubeugen.

Winterpflegetipps für Ihre Kunden

Da die Haut im Winter bereits durch die Wetterbedingungen besonders belastet wird, sollten Sie andere Belastungen möglichst reduzieren. Daher: Duschen oder baden Sie im Winter weder zu oft noch zu lang und auch nicht zu heiß.

Aufgrund der Tenside in Shampoo oder Seife verliert die Haut Feuchtigkeit. Deshalb sollte nach der Reinigung unbedingt an die Hautpflege gedacht werden.

Nach dem Waschen die Haut nicht trocken reiben, sondern vorsichtig trocken tupfen, das beugt ebenfalls Reizungen vor.

Die Winterkälte setzt auch den Händen zu, infolgedessen können kleine Risse entstehen. Daher stehen spezielle Pflegeprodukte für den Schutz von Händen und Nägeln zur Verfügung.

Da die Lippen nicht über Talgdrüsen verfügen, können sie besonders leicht austrocknen. Lippenpflege gehört daher gerade im Winter unbedingt mit zum Hautpflegeprogramm!

Um unsere Haut vor der Austrocknung durch trockene Heizungsluft zu schützen, sollten Sie auf eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent im Zimmer achten (z.B. durch Luftbefeuchter, Wasserbehälter auf Heizkörpern etc.).  



Mag. Nicole Gerfertz

Die Beiträge auf dieser Homepage sind ausschließlich für medizinisches bzw. pharmazeutisches Fachpublikum bestimmt.

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