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Apotheker Krone 01/12

Husten – akut oder chronisch?

Sitzt das Sekret in den Bronchien fest, besteht die Gefahr einer Chronifizierung.

Ein akuter Husten gilt als banale Erkrankung; auch wenn er sich über mehrere Wochen hinziehen kann. Knackpunkt beim Husten ist immer der Auswurf. Sekret muss fließen. Sitzt der bei einer Bronchitis vermehrt gebildete zähe Schleim fest, behindert er die bronchiale Selbstreinigung, und die Gefahr einer Chronifizierung entsteht.

Bronchialschleim – wichtige Funktionen

Eingeatmete Partikel und Schadstoffe werden im Rahmen des körpereigenen Selbstreinigungssystems von Bronchialschleim eingehüllt, in Richtung Rachen abtransportiert und dort verschluckt. Damit diese mukoziliäre Clearance funktioniert, besteht das Bronchialsekret aus einer eher flüssig-lockeren Sol-Schicht und einer darüber liegenden zähflüssigen, mukösen Gel-Phase. In der Sol-Schicht sitzen die Flimmerhärchen und ragen mit ihren Spitzen in das gelartige Sekret hinein. Mit schlagenden Bewegungen transportieren sie den mukösen Schleim oralwärts. Bemerkenswert bei dieser Selbstreinigung ist auch Surfactant, eine oberflächenaktive Substanz, die in den Lungenbläschen gebildet wird und die Atemwege mit einem Anti-Klebe-Effekt versorgt.

Zähes Sekret – Abwehrfunktion kommt ins Stocken

Bei einer akuten Entzündung der Atemwege wird dieses Selbstreinigungssystem empfindlich gestört, da ja vermehrt zäher Schleim gebildet wird. Dadurch verkleben die Zilien regelrecht; gleichzeitig nimmt aber auch die Höhe der Solphase ab, und das Surfactant aggregiert, sodass der Surfactant-Schaumteppich auf dem Epithel nicht mehr gleichmäßig verteilt ist. Eine wirksame, koordinierte Zilienarbeit, die den Schleim weiterbewegen soll, wird somit unterbunden. Als Ersatzmechanismus für die Reinigung der Atemwege beginnt der Körper nun mit produktivem Husten, damit Sekret und Keime wieder irgendwie gelöst werden können.

So wird der Husten chronisch

Bronchialsekret muss immer im Fluss bleiben; kommt es zu lange ins Stocken, wandern infolge der ständigen Irritation der Bronchialschleimhaut immer mehr Entzündungszellen ein. Ein chronischer Prozess entsteht, bei dem schließlich die Bronchialwand auch fibrotischen Umbauvorgängen unterliegt, was die Atemwege zunehmend einengt. Der Atemfluss wird limitiert, die Luft gestaut – Husten, Auswurf und Atemnot werden chronisch.

Sekretolytika an 1. Stelle

Das Faktum, dass Mukolytika einen Beitrag zur Elimination des Sekrets leisten und sich positiv auf die entzündlichen Prozesse auswirken, gilt nicht nur für die akute Bronchitis, sondern steht auch in den internationalen Leitlinien zur COPD-Therapie. In einem Cochrane Review aus dem Jahr 2010 wurden 28 Studien mit über 7000 COPD-Patienten ausgewertet. Das Ergebnis hat gezeigt, dass Sekretolytika wie Ambroxol und Acetylcystein sowie pflanzliche Arzneimittel in der Lage sind, akute Exazerbationen um 20 bis 25 Prozent zu reduzieren. Ambroxol, Cineol und Myrtol haben zusätzlich ein antientzündliches und antioxidatives Potenzial. So gibt es experimentelle Untersuchungen, die zeigen, dass Phospholipase A2, das Schlüsselenzym des Arachidonsäurezyklus, gehemmt wird. Der Einsatz auch bei chronischer Bronchitis ist daher gerechtfertigt.

Salzinhalationen für leichteres Durchatmen

Inhalationen mit Salzwasser erleichtern immer das Durchatmen. Sole bewirkt nämlich unter anderem, dass die Flimmerhärchen wieder besser arbeiten können, weil die Sol-Schicht, in der sich die Flimmerhärchen bewegen, verbessert wird. Der zähe Schleim wird außerdem durch die Flüssigkeit, die zugeführt wird, verdünnt und kann besser abgehustet werden. Meer- und Mineralsalze bieten zusätzlich den Vorteil, dass sie auch Kalzium enthalten, das entzündungshemmend wirkt, sodass sich die geschwollene und entzündete Schleimhaut entspannt.  

Mag. pharm. Dr. Isabella Gazar

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