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Apotheker Krone 01/12

Es muss nicht immer Erkältung sein

Allergische Rhinitis zeigt sich durch teils idente Symptome. Gezielte Befragung betroffener KundInnen über die Umstände der Schnupfenattacken hilft bei der Unterscheidung und Empfehlung entsprechender Selbstmedikation.

Eine rinnende Nase kann viele Gründe haben. In erster Linie denkt man beim Schnupfen an eine virale Infektion im Rahmen einer banalen Erkältung. Dann sollte die Schnupfennase aber auch innerhalb von 14 Tagen wieder auskuriert sein. Dauert die Rhinitis hingegen länger an, muss man auch nach anderen Ursachen suchen.

Banale Erkältungsviren

Heute sind mehr als 200 Viren bekannt, die Schnupfen auslösen können. Die größte Schlagkraft auf dem Sektor Husten und Schnupfen besitzen aber zweifelsohne Rhinoviren. Fast die Hälfte aller Erkältungen geht auf ihr Konto. Durchschnittlich zwei- bis viermal im Jahr legen sie uns so durch die ausgelöste Erkältung lahm. Entkommen gibt es kaum; ein starkes Immunsystem kann aber den Virenangriff zumindest abschwächen.

Histaminausschüttung durch Immunreaktion

Sobald sich Viren in den Epithelien des Nasen-Rachen-Raums und der Bronchien einnisten und mit der Replikation beginnen, setzt der Körper alle Hebel in Bewegung, um den Feind so rasch wie möglich zu vernichten. Gewinnt der Eindringling, treten nach kurzer Inkubationszeit die typischen Erkältungssymptome auf. Dabei richten die Viren selbst weniger Schaden an als vielmehr die permanenten Attacken des Immunsystems. Die infizierten Zellen senden Signale aus, die zahlreiche Botenstoffe wie Zytokine, Histamin, Prostaglandine und Leukotriene in den Schleimhäuten der Atemwege anlocken. Die Folgen: Entzündung, Schwellung und starke Sekretproduktion.

Schnupfen durch Histaminintoleranz

Histamin gilt also als einer der Auslöser für die rinnende Nase. Das biogene Amin ist Hauptvermittler der unangemessenen Immunreaktion. Tritt der Schnupfen z.B. immer wieder im Zusammenhang mit dem Essen auf, sollte man daher auch an eine Histaminintoleranz (HIT) denken. Ein gerötetes Gesicht, rinnende Nase und eventuell in späterer Folge auch Durchfall nach der Nahrungsmittelaufnahme können typische Anzeichen einer HIT sein, die aber gerne übersehen werden. Meistens liegt eine verminderte Konzentration des histaminabbauenden Enzyms Diaminooxidase vor. Histaminreiche Lebensmittel sollten am besten vermieden werden. Zu den prominentesten Beispielen zählen Salami, Sauerkraut, viele Käse- und Fischsorten, Rotwein und Sekt. Aber auch Produkte, die reich an anderen biogenen Aminen wie Serotonin, Tyramin oder Phenylalanin sind, können eine HIT-Reaktion begünstigen. Sie werden nämlich ebenfalls von der Diaminooxidase abgebaut, zu der sie in der Regel eine höhere Affinität haben als Histamin. Daher können auch Bananen, Walnüsse, Schokolade und Sojaprodukte Schnupfenattacken auslösen.

Vorsicht bei Erkältungsmedikamenten!

Da die Histaminintoleranz oft nicht erkannt wird, können manche Arzneimittel gegen Schnupfen und Husten die Symptome noch verschärfen. Beispielsweise fördern Opioide die Histaminfreisetzung, weshalb HIT-Patienten kein Codein zum Hustenstillen erhalten sollten. Auch die Schleimlöser Acetylcystein und Ambroxol sowie Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Metamizol zählen zu den Histaminliberatoren, und können daher die Beschwerden noch verstärken. Das histaminabbauende Enzym kann aber mittlerweile – ähnlich wie Laktase bei Laktoseintoleranz – in Tablettenform substituiert werden.

Allergischer Schnupfen

Die allergische Rhinitis ist ebenfalls eine histaminvermittelte Reaktion des Immunsystems. Allerdings handelt es sich dabei auch um einen übersteigerten Entzündungsprozess, der sich, einmal in Gang gesetzt, selbstständig fortsetzt und die Symptomatik immer wieder anfacht. Besonders bei wiederholter Allergenprovokation sorgen in der Nasenmukosa verbleibende Entzündungsmarker dafür, dass immer geringere Allergenmengen in der Lage sind, eine allergische Reaktion auszulösen. Dieser Priming-Effekt macht die Nasenschleimhaut zunehmend empfindlicher, so, dass sie selbst auf unspezifische Reize wie kalte Luft oder Rauch mit Niesreiz reagiert. Reine Antihistaminika können diesen Dauerschnupfen kaum beseitigen. Mittel der Wahl sind hier topische Kortikoide, die regelmäßig über einen längeren Zeitraum angewendet werden müssen. Falls die Nase zu sehr zugeschwollen ist, sollten besser zusätzlich abschwellende Nasentropfen als -sprays empfohlen werden, da sie die Schleimhäute weit weniger reizen.

Antihistaminika: Wechselwirkungen beachten!

Antihistaminika werden gerne im OTC-Bereich verkauft. Trotzdem sollte man das Wechselwirkungsprofil nicht außer Acht lassen: Die orale Einnahme von H1-Antihistaminika kann bekanntlich die Wirkung zentral wirksamer Arzneistoffe verstärken, vor allem anticholinerg wirkender Substanzen wie trizyklischer Antidepressiva und Neuroleptika sowie von Hypnotika. Zudem verstärkt Alkohol den sedierenden Effekt der Antihistaminika.

Indoor-Allergene

Frühmorgendliche Niesattacken und Hustenanfälle müssen ebenfalls nicht Symptome einer Erkältung sein; vielmehr sollte man eine allergische Reaktion auf Haustaubmilben in Betracht ziehen. Die kleinen Spinnentiere leben bevorzugt in Matratzen, wo sie sich von menschlichen Hautschuppen ernähren.
Ausgelöst wird die Reaktion der Betroffenen durch eine Überempfindlichkeit gegen Eiweißstoffe im getrockneten Kot der Tiere. Die Hausstaubmilbe gilt mittlerweile als wichtigstes, ganzjährig vorhandenes Indoor-Allergen. Erste Maßnahme ist die Meidung des Allergens beispielsweise durch Umhüllung von Matratzen mit Schutzüberzügen, so genannten Encasings. Akarizide und pflanzliche Milbenmittel sollen der Hausstaubmilbe ebenfalls den Garaus machen.

Mag. pharm. Dr. Isabella Gazar

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