Apotheker Krone 01/12
Nährstoffberatung in der Apotheke
Knallrote Nase, müder Blick, dicker Schal um den Hals und eine Stimme, die Bände spricht: „Jetzt hat es mich innerhalb von 3 Monaten bereits zum 4. Mal erwischt. Seit gestern huste und schnupfe ich schon wieder, obwohl ich erst vor Kurzem erkältet war …“ Der Kunde, der der Apothekerin sein Leid klagt, leidet offensichtlich unter einer geschwächten Körperabwehr.
Das Immunsystem ist kein greifbares Organ wie das Herz oder die Leber. Es setzt sich aus einzelnen Zellsystemen zusammen, wobei jedem System eine ganz bestimmte Aufgabe zufällt. So bilden Haut, Schleimhaut und Darm die ersten Barrieren, die das Eindringen von Fremdkörpern verhindern. Eine Stufe weiter vervollständigen Knochenmark, Milz, Thymus, Lymphbahnen und Blutbahn die Abwehrkräfte.
Stärkung des Immunsystems
Für ein funktionsfähiges Immunsystem benötigen wir ausreichend Bausteine wie Eiweißkörper und Mikronährstoffe. Neben einer einseitigen Ernährung sind Diäten oder Essstörungen gleichermaßen Ursache einer Mangelversorgung. Umgekehrt kann die Überernährung mit einer kalorienreichen, jedoch nährstoffarmen Ernährung ebenso zu Defiziten in der Immunabwehr führen. Als wichtige Stützen im Immunsystem gelten: Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide, Vitamin B, Zink, Selen, Molybdän, Mangan, Kupfer, Eisen, Lithium, essenzielle Fettsäuren sowie die Aminosäuren Glutamin, Lysin und Arginin.
Teamwork
Antioxidative Nährstoffe arbeiten eng zusammen. Ihre Wirkungsweise hat einen Synergieeffekt, d.h. die Wirksamkeit als Gruppe ist größer als die Summe der einzelnen Aktivitäten – eine goldene Regel, die bei der Beratung immer zu berücksichtigen ist!
Erkältung
Wer im Herbst und Winter zu häufigen Infekten neigt, sollte schon während des gesamten Jahres mit einer ausgewogenen Kost und Nährstoffsupplementen die Abwehrkräfte stärken. Studien zeigen, dass die immunkompetenten Zellen bei Personen, die über die Wintermonate ein Mikronährstoffpräparat einnahmen, kontinuierlich ansteigen und umgekehrt die Entzündungsparameter um mehr als 50% abnehmen. Was jedoch am meisten überzeugt, ist die Reduktion der Krankenstanddauer von durchschnittlich 6,3 auf 1,5 Krankentage!
Vitamin A für die Schleimhaut
Vitamin A hält Haut und Schleimhaut funktionstüchtig. Ist dies nicht der Fall, können Viren und Bakterien die Schleimhautbarriere überwinden und in den Körper eindringen. Untersuchungen an Kindern zeigten beispielsweise, dass bereits ein leichter Vitamin-A-Mangel ein 3-fach erhöhtes Risiko für Infekte der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes zur Folge hat.
Vitamin E als Zellschutz
Als wichtigstes fettlösliches Antioxidans ein Fixstarter in Sachen Immunabwehr. Vitamin E schützt die Membrane von Immunzellen vor freien Radikalen, fördert den Heilungsprozess bei Entzündungen (z.B. Halsweh etc.) und aktiviert die Antikörperbildung.
B-Vitamine gegen Müdigkeit
Infekte und Erkältungen sind kräfteraubend und von schwerer Müdigkeit begleitet. Ein gut dosierter B-Komplex (80–100 mg B-Vitamine) kurbelt den Zellstoffwechsel an, unterstützt die Regeneration und sorgt für raschere Erholung. In die Immunabwehr selbst sind vor allem Vitamin B2, B6, B12 und Folsäure involviert. So zeigt sich ein Mangel an Vitamin B6 in einer verringerten Antikörperproduktion. Ohne Folsäure und Vitamin B12 ist die Neubildung von Abwehrzellen beeinträchtigt, und ein Mangel an Niacin schwächt den Organismus im Allgemeinen. Die Folgen: schwache Abwehr und Erschöpfung. Hilfe bietet in diesem Fall die Einnahme von B-Vitaminen und/oder NADH sowie Coenzym Q10.
Nicht ohne Vitamin C
Trotz teilweise schlechter Presse nach wie vor einer der bestimmenden Mikronährstoffe im Immungeschehen. Unumstritten ist die Wirkung von Vitamin C im Rahmen eines Antioxidantienkomplexes. Besonders gut wirkt die Kombination mit Bioflavonoiden, wie sie in Acerola-Extrakten, Sanddornsäften oder Johannisbeersaft vorkommt. Wird gleich bei den ersten Erkältungsanzeichen stundenweise hoch dosiertes Vitamin C eingenommen (aufgeteilt rund 6 g/Tag), wird der Krankheitsverlauf drastisch verbessert und die Erkältungsdauer verkürzt. Dennoch darf auf den Synergieeffekt mit weiteren Antioxidantien nicht vergessen werden!
Neuigkeiten vom Vitamin D
Neue Studien zeigen eindrucksvoll, dass unter einem Vitamin-D-Mangel die Anfälligkeit für Infektionen der oberen Atemwege erheblich steigt. Vitamin D senkt nicht nur die Infektiosität von Erkältungsviren, sondern aktiviert gleichzeitig die körpereigenen Abwehrzellen. Vor allem in den Wintermonaten darf auf die zusätzliche Vitamin-D-Dosis nicht vergessen werden!
Zink und Selen, ein bewährtes Duo
Bei Zinkmangel sind sämtliche Parameter des Immunsystems deutlich reduziert. Die Folge sind vermehrte virale und allergisch bedingte Erkrankungen. Die direkte antivirale Wirkung von Zink macht das Spurenelement vor allem bei Erkältungen interessant. So hemmt es in vitro die Virusreplikation von Rhinoviren direkt an der Schleimhaut. In der akuten Phase sind Lutsch- oder Brausetabletten zu empfehlen. Als Prophylaxe eignen sich hingegen Zinksalze mit hoher Bioverfügbarkeit (Orotate, Aspartate). In verschiedenen Studien wurde nachgewiesen, dass in der akuten Phase hohe Zinkgaben (30–50 mg/Tag) die Erkältungsdauer um Tage verkürzen können. Voraussetzung ist, ähnlich wie beim Vitamin C, das rasche Reagieren, sobald die ersten Erkältungsanzeichen zu spüren sind. Ähnlich wie Zink wirkt das Selen als essenzieller Kofaktor in antioxidativen Enzymsystemen. Das gut untersuchte Selen sollte stets fixer Bestandteil eines Anti-Oxidantien-Komplexes sein. Auch hier machen hohe Dosierungen in der Prävention wenig Sinn. Entscheidender ist vielmehr das Zusammenspiel mit weiteren antioxidativen Nährstoffen.
Eisen – ja oder nein?
Unter einem Eisenmangel leidet die Aktivität der körpereigenen Fresszellen sowie die Antikörperbildung. Eine hohe Eisenzufuhr hingegen kann das Wachstum von Bakterien wiederum unterstützen. Hoch dosierte Eisensupplemente (> 15 mg/Tag) sollten daher nur auf Basis eindeutiger Laborwerte empfohlen werden.
Bioflavonoide
Frisches Obst und Gemüse sind die besten Lieferanten für Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Das Wirkspektrum der verschiedenen Bioflavonoide (Polyphenole im Soja, Sulfide im Knoblauch, Carotinoide in der Tomate …) ist äußerst breit, hat jedoch eine gemeinsame Komponente: das antioxidative Potenzial und die immunstimulierende Wirkung.
Das sollten Ihre Kunden essen:
Besonders empfehlenswert ist der Verzehr von Obst und Gemüse in Form von Rohkost. Weitere exzellente Vitamin- und Mineralstoffquellen sind Nüsse, Bierhefe, Weizenkeime, Keimlinge, Sojabohnen und Pflanzenöle. Abzuraten ist gerade bei Infektanfälligkeit von einseitigen Diäten und Fast-Food- Ernährung.
Mag. Larissa Grünwald
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