Apotheker Krone 01/12
Zu viel gegessen?
So erholsam uns die Weihnachtsfeiertage erscheinen mögen – für unseren Verdauungstrakt bedeuten sie Dauerstress.
Mehrmals täglich übermäßige, fettreiche Mahlzeiten, kombiniert mit Alkohol- und Nikotinkonsum, belasten Magen, Darm und Leber. Typische Beschwerden nach einem Zuviel an kulinarischen Genüssen sind Sodbrennen und Gastritis, Leber- und Gallenbeschwerden sowie Beschwerden im Darmbereich. Nach einigen kalorienreichen Tagen haben die meisten Menschen das Bedürfnis, weniger und leichtere Speisen zu sich zu nehmen. Der Körper verlangt sozusagen nach einer kulinarischen Schonzeit. Auch Sport tut dem Körper gut – nicht nur nach reichlichem Essen. Regelmäßige Bewegung, wozu auch ausgedehnte Spaziergänge zu zählen sind, kurbelt die Darmmotilität an und unterstützt somit die Verdauung.
Tricks aus der Küche
Mit der richtigen Auswahl an Beilagen und Gewürzen kann man bereits beim Kochen die Bekömmlichkeit vieler Speisen erhöhen. So sollte auf möglichst schonende und fettarme Zubereitung der Speisen geachtet werden. Gedämpftes oder Gedünstetes ist fettreichen, frittierten Gerichten vorzuziehen. Durch die reichliche Verwendung von Gewürzkräutern wie beispielsweise Petersilie, Majoran, Thymian, Estragon, Kerbel, Kümmel oder Koriander, die ja vielfach auch als Heilkräuter Verwendung finden, kann die Produktion von Magensaft, Gallen- und Pankreasflüssigkeit bereits während der Mahlzeit gesteigert werden. Übrigens hat auch ein Aperitif verdauungsanregende Wirkung und kann daher durchaus empfohlen werden.
Bei Völlegefühl nach dem Essen sind bitterstoffhältige Arzneidrogen (z.B. Tausendguldenkraut, Kalmus-, Löwenzahn oder Enzianwurzel) bzw. deren verdünnte Extrakte sehr hilfreich. Sie fördern den Speichelfluss, regen die Magensaftproduktion und die Tätigkeit der Magenmuskulatur an und unterstützen somit den natürlichen Verdauungsablauf. Amara können weiters bei Gallenbeschwerden, gestörter Fettverdauung, Appetitlosigkeit bzw. mangelnder Magensäureproduktion verwendet werden. Auch Präparate mit Verdauungsenzymen wie etwa Pankreatin, Bromelain oder Papain sind sehr hilfreich.
Wenn der Magen drückt
Bei empfindlichen Personen schlägt sich übermäßiges Essen und/oder Alkoholkonsum sprichwörtlich auf den Magen. Die Folgen sind Magenschmerzen und Sodbrennen. Neben magenschonender Kost (nichts Fettes, nichts Saures, kein Alkohol) können Protonenpumpenhemmer rezeptfrei empfohlen werden. Antazida eignen sich zur Neutralisation der überschüssigen Magensäure. Hier kommen alkalische Verbindungen wie CaCO3, MgCO3 oder Speisesoda (NaHCO3) zum Einsatz, die jedoch den Nachteil der CO2-Bildung aufweisen (Blähungen!). Al(OH)3, Mg(OH)3 und Sucralfat wirken ebenfalls säurebindend und bilden außerdem einen viskösen Schutzfilm über die empfindliche Magenschleimhaut. Bewährte Arzneipflanzen bei Magenbeschwerden sind Kamillenblüten, Käsepappel- und Melissenblätter. Vor allem bei Reizmagen- und Reizdarmbeschwerden kann ein Extrakt der Bitteren Schleifenblume, kombiniert mit weiteren Arzneipflanzen (u.a. Angelikawurzel, Süßholzwurzel, Kamille etc.) empfohlen werden. Bei anhaltenden Beschwerden ist jedoch jedenfalls zum Arztbesuch zu raten.
Mariendistel und Artischocke
Fettes Essen und reichlich Alkohol belasten auch Leber und Gallenblase sehr stark. Die Gallenflüssigkeit ist hauptverantwortlich für die Fettverdauung, insbesondere die darin enthaltenen Gallensäuren. Unterstützend wirken Extrakte aus Artischockenblättern (Cynara scolymus), welche choleretische und dyspeptische Wirkung haben. Außerdem wurde auch ein lipidsenkender Effekt nachgewiesen, wobei sowohl der Triglycerid- als auch der Gesamtcholesterinspiegel gesenkt werden konnte. Auch Bitterstoffe und Aetherolea finden bei Gallenbeschwerden breite Anwendung. Neben den bereits genannten Bitterstoffdrogen kommen hier beispielsweise auch Enzianwurzel, Wermut, Bitterklee, Bitterorangenschale und Pfefferminze zum Einsatz.
Extrakte der Mariendistelfrüchte (Fructus Cardui Mariae) haben hepatoprotektive Wirkung. Verantwortlich dafür ist Silymarin, ein Gemisch aus Flavonolignanen mit den Hauptkomponenten Silybin (Silibinin), Silychristin und Silydianin.
Hilfe für den Darm
Nicht zuletzt leidet auch der Darm unter übermäßigen Mahlzeiten, wobei die Beschwerden individuell ganz unterschiedlich sein können. Ein häufiges Problem, das vor allem bei mangelnder Bewegung auftritt, ist die Obstipation. Hier können nichtresorbierbare Ballaststoffe, wie etwa Leinsamen, Flohsamen und Weizenkleie, oder die löslichen Ballaststoffe Inulin, Oligofruktose, Pektine und Guar sehr hilfreich sein. Letztere dienen außerdem als wertvolle Nährstoffe für die Darmflora (Präbiotika) und begünstigen durch das saure Milieu das Wachstum von nützlichen Bifidobakterien und Laktobazillen. Laxantien sollten eher zurückhaltend eingesetzt werden. Zu bevorzugen sind milde Osmolaxantien wie Laktose, Laktulose oder Macrogol.
Ein häufiges Problem sind auch Blähungen. Neben synthetischen Entschäumern wie etwa Dimeticon sind Arzneitees sehr beliebt. Neben Kamille und Melisse kommt hier den karminativ wirkenden Drogen Kümmel, Fenchel und Anis eine besondere Rolle zu. Diese sollten vor Verwendung im Mörser leicht zerstoßen werden, um eine optimale Wirkungsentfaltung der ätherischen Öle zu ermöglichen. Darmproblemen liegt häufig eine gestörte Darmflora zugrunde. Die physiologische Bakterienflora ist für eine funktionierende Verdauung von wesentlicher Bedeutung. Zur Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der Darmflora werden neben den genannten Präbiotika auch Probiotika erfolgreich eingesetzt. Diese enthalten lebende Mikroorganismen, die das Wachstum pathogener Keime im Darm verhindern.
Mag. pharm. Kornelia Baumgartner
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