Apotheker Krone 01/12
Mit orthomolekularer Medizin immer gut beraten
Haut, Zunge und Nägel liefern wichtige Hinweise auf Krankheitsursachen.
Der Erhaltung der Gesundheit wird in der orthomolekularen Medizin mindestens genau so viel Bedeutung zugemessen wie der Behandlung von Krankheiten. Letztere beginnt bei der Suche nach den Krankheitsursachen. Viele äußerliche Zeichen wie das Erscheinungsbild der Haut, der Zunge, der Nägel, aber auch die Lebensumstände liefern wichtige Hinweise auf die Auslöser.
Nährstoffdefizite haben typische Gesichter.
Wenn wir über längere Zeit einen bestimmten Nährstoff nur ungenügend aufnehmen, so treten Mangelerscheinungen auf. Bei einem schweren Mangel entwickeln sich bereits nach Wochen eindeutige Symptome. Geringfügige Mängel lassen erst nach längerer Zeit, mitunter sogar nach Jahren, Hinweise erkennen, die nur selten mit der Fehlernährung in Zusammenhang gebracht werden. Dennoch zeigen beinahe alle Mikronährstoff-Defizite – egal ob latenter oder akuter Mangel – typische Symptomenbilder, die aus ihrer biochemischen Funktion im Stoffwechsel abgeleitet werden. Untersuchungen im Blut, Urin, Stuhl, Speichel, Schweiß und an der Haarwurzel können teilweise hilfreich sein, deren Interpretation erfordert jedoch Erfahrung und Fingerspitzengefühl.
Vitalstoffe sind keine Einzelkämpfer.
Mikronährstoffe agieren als unabkömmlicher Bestandteil im Zellgeschehen. Als Cofaktor oder Coenzym ermöglichen sie den reibungslosen Ablauf jedes einzelnen Stoffwechselschrittes. Das induziert ein beispielloses Zusammenspiel der Nährstoffe, da Substanzen in unzähligen Schritten ab-, auf- und umgebaut werden. Dabei wird das „Packerl“ (Ausgangssubstanz) quasi „weitergeschupft“, bis es schließlich beim letzten Glied in der Kette landet, der das gewünschte Endprodukt in der Hand hält. Jeder kann sich vorstellen, was passiert, wenn ein Kumpel ausfällt und seinen Job nicht erledigen kann. Damit liegt der Schluss nahe, dass zuerst alle Posten besetzt werden müssen. Diese Idee wird mit einem Multivitamin, Multimineralstoff- Präparat oder einem B-Komplex verfolgt. Erst nachdem die lückenlose Besetzung garantiert ist, dürfen einzelne Stellen aufgestockt werden – ein klarer Fall für hoch dosierte Monopräparate.
B-Komplex als Basis
Besonders gut sehen wir das Zusammenspiel bei den B-Vitaminen. Diese sind in ihrer Wirkung voneinander abhängig und sollten stets in ihrer Gesamtheit supplementiert werden. Sie bestimmen das Stoffwechselgeschehen wie kaum andere Nährstoffe und wandeln dennoch stets am Rande der Unterversorgung. Kein Wunder, dass zusätzliche Ergänzungen rasch Erfolg bringen und bei Müdigkeit, Stimmungstief und Reizbarkeit gerne empfohlen werden.
Antioxidantien gut kombiniert
Ein weiteres Beispiel der Teamfähigkeit sind Antioxidantien-Komplexe, die mehrere Anforderungen erfüllen sollen. Zum einen die Löslichkeit der Nährstoffe: Ziel ist das lückenlose Zusammenspiel zwischen Antioxidantien in der fettlöslichen Membranen, jenen im wasserlöslichen Zytosol und jenen in der Übergangsphase. Zum anderen das Redoxpotenzial, sprich: die Stärke der Antioxidantien. Hier gilt es den Elektronentransport zum Schutz vor freien Radikalen zu ermöglichen. Zu guter Letzt sind zwei Verteidigungslinien des Körpers zu berücksichtigen. Die Abwehr bedient sich dabei antioxidativer Enzymsysteme (Glutathionperoxidase, Katalase, Superoxiddismutase) sowie antioxidativer Verbindungen (Vitamin E, Glutathion, Coenzym Q10 etc. …). Bei beiden Systemen sind Nährstoffe involviert, da wir wissen, dass Enzyme stets durch ihre Cofaktoren aktiviert werden. In diesem Fall durch Selen, Eisen, Zink, Mangan und Kupfer. Sind alle Aspekte berücksichtigt, erhalten wir einen Antioxidantien-Komplex, der lauten könnte: Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin, Selen, Zink, Bioflavonoid und gegebenenfalls Alpha-Liponsäure oder Glutathion. Wird dieses wertvolle Zusammenspiel missachtet, bleibt der oxidative Stress bestehen und kann sich sogar potenzieren.
Synergismus, Antagonismus
Genauso wie der Synergismus der Nährstoffe in der orthomolekularen Medizin berücksichtigt wird, verhält es sich mit den negativen Wechselwirkungen. So können hoch dosierte Zinkgaben über längere Zeit auf Kosten der Kupferresorption gehen, da beide den gleichen Transporter ins Blut nutzen. Ähnlich hemmen hohe Kalziumgaben die Eisenresorption etc. ... Abhilfe schafft ein Multimineralpräparat, das derartige sekundäre Nährstoffmangel verhindert, sowie der zeitliche Abstand zwischen Multimineralpäparat und Monosubstrat.
Natürlich oder synthetisch?
Tatsache ist, dass Vitamin E oder Beta-Carotin aus natürlichen Quellen besser aufgenommen werden. Natürliches Vitamin E wird vom Körper stets bevorzugt und zeigt eine ca. 2–3-fach höhere biologische Aktivität. Es ist an der Bezeichnung D-Alpha-Tocopherol zu erkennen, künstliches Vitamin E wird als Dl-Alpha-Tocopherol ausgewiesen. Ähnlich verhält es sich bei Beta-Carotin. Hier punktet die natürliche Quelle mit der Vielfalt verschiedener Carotinoide (Beta-Carotin, Lykopin, Lutein …) und einem breiteren Wirkspektrum, während die künstliche Quelle nur den Aspekt eines einzelnen Carotinoids abdeckt. Bei den B-Vitaminen und bei Vitamin C gibt es keine chemischen Unterschiede. Hier regiert das Schlüssel-Schloss-Prinzip. Ähnlich interessant ist die Aufnahme von Mineralstoffen und Spurenelementen. Nach ihrer Bindungsart werden sie in anorganische, organische oder proteingebundene Verbindungen eingeteilt. Generell zeigen organische und porteingebundene Spurelemente die bessere Bioverfügbarkeit.
Balance
In einem Supplement sollten die enthaltenen Nährstoffe in einem Verhältnis zueinander stehen, das die physiologischen Bedürfnisse des Körpers widerspiegelt. So gilt für Kalzium und Magnesium das Verhältnis 2–3 : 1, für Zink und Kupfer das Verhältnis 5–6 : 1 als Maßstab. Einseitig hohe Einnahmen über lange Zeit können dieses physiologische Verhältnis stören und bis zur Resorptionshemmung anderer Nährstoffe führen.
Hoch oder niedrig dosiert?
Moderat dosierte Multivitamin- und Multimineralsupplemente sind im Allgemeinen ausreichend für die langfristige Ergänzung gesunder Personen. Oft sind Vitamin C, Kalzium und Magnesium in derartigen Produkten aus Platzgründen zu gering dosiert – die Tablette/Kapsel würde andernfalls zu groß werden. Daher speziell auf diese Nährstoffe achten. Bei einem erhöhten Bedarf oder einem bestehenden Stoffwechsel- Ungleichgewicht muss dementsprechend höher dosiert werden, nicht jedoch ohne die Basisversorgung zu vergessen.
Konsequent sein
Die Korrektur eines bestehenden Stoffwechsel-Ungleichgewichts dauert in der Regel einige Wochen bis Monate. Die Dauer hängt von Resorption, Ursache, Lebensumständen, Ernährungsgewohnheiten usw. ab. Selbst wenn nach kurzer Zeit eine Besserung spürbar ist, heißt das nicht, dass die Mangelzustände bereits korrigiert sind!
Fazit: Das Erkennen ernährungsbedingter Ursachen von Erkrankungen ist ein effizienter Weg, zahlreiche Beschwerden durch Ausgleich der Nährstoffdefizite nachhaltig zu korrigieren. Ein wesentlicher Vorteil: dabei ist es egal, ob der Kunde pharmakologisch, homöopathisch oder energetisch behandelt wird. Die ernährungsmedizinische Therapie kann begleitend zu bestehenden Therapien empfohlen werden. Die Behandlung mit orthomolekularen Substanzen gehört dennoch stets in die Hand eines erfahrenen Experten, um einen größtmöglichen Therapieerfolg zu gewährleisten.
Mag. Larissa Grünwald
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