Apotheker Krone 01/12
Aus dem Gleichgewicht …
Ist die physiologische Balance der bakteriellen Besiedelung in der Vagina gestört, so können pathogene Keime eindringen und zu folgenschweren Infektionen führen.
Juckreiz, Brennen, Trockenheit, Schmerzen beim Sexualverkehr, bakterielle Infektionen: Das sind die häufigsten Probleme im Scheidenbereich, mit denen Frauen den Arzt, aber auch die Apotheke aufsuchen. Den genannten Beschwerden können zwei verschiedene Ursachen zugrunde liegen: einerseits eine Störung der Scheidenflora, andererseits eine Scheidenatrophie.
Laktobazillen schaffen ein saures Milieu
Wie der Darm so ist auch die Vagina mit verschiedenen Bakterien besiedelt, die in entsprechender Zusammensetzung das gesunde Scheidenmilieu (Scheidenflora) bilden. Zwischen Pubertät und Klimakterium besteht die Besiedelung der Scheide vor allem aus verschiedenen Arten von Laktobazillen, den Döderlein-Stäbchen, die ein saures Milieu schaffen. Eine Aufrechterhaltung dieses sauren Milieus (pH-Wert 3,5 bis 4,5) bietet Schutz gegen andere, pathogene Mikroorganismen und ist daher wesentlich für die Gesundheit der Frau.
Ist die Scheidenflora gestört (z.B. durch aggressive Reinigung, häufige Vaginalspülungen), und besteht ein Mangel an Laktobazillen, so funktioniert auch die Abwehr gegen einwandernde pathogene Keime nicht ausreichend, und folglich werden Infektionen begünstigt.
Dysbalance und Atrophie durch Hormonmangel
Aber auch die bereits oben angesprochenen hormonellen Veränderungen, z.B. in den Wechseljahren, die mit einem Östrogenmangel einhergehen, können eine Dysbalance der Vaginalflora fördern. Darüber hinaus ist eine Scheidenatrophie eine häufige Folge niedriger Östrogenspiegel. Die trockene Scheidenoberfläche wird empfindlicher gegenüber mechanischen Reizen, es kommt zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Die Atrophie macht die Scheide aber auch empfänglicher für Krankheitskeime, die Infektionen auslösen.
Die häufigsten Infektionen
Sowohl Pilze als auch Bakterien können überhandnehmen, wenn die Abwehr im Scheidenmilieu gestört ist.
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Pilzinfektionen werden durch übermäßige Vermehrung von Candid-Pilzen in der Scheide ausgelöst. Charakteristische Symptome sind Rötung, Juckreiz und topfenähnlicher Ausfluss. Die Behandlung erfolgt mit Antimykotika.
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Bakterielle Vaginose wird in erster Linie durch Bakterien wie Gardnerella vaginalis verursacht. Typisch ist Ausfluss mit fischartigem Geruch. Es können aber auch Unterbauchschmerzen auftreten. Behandelt wird die Infektion mit Antibiotika.
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Trichomonaden-Infektion: Die Übertragung des Erregers Trichomonas vaginalis erfolgt einerseits durch Geschlechtsverkehr, andererseits aber auch durch Kontaktinfektion mit dem Keim wie z.B. im Schwimmbad. In warmem Wasser können Trichomonaden mehrere Stunden überleben. Eine Infektion kann sich durch dünnen grünlichen Ausfluss zeigen, manchmal aber auch völlig symptomfrei verlaufen.
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Chlamydien, insbesondere der Erreger Chlamydia trachomatis, zählen zu den häufigsten Auslösern einer Scheideninfektion. Die charakteristischen Anzeichen Unterbauchschmerzen, Ausfluss und zeitweise erhöhte Temperatur treten meist erst Wochen nach der Infektion auf. Behandelt wird mit Antibiotika.
Prophylaxe und frühzeitige Behandlung besonders wichtig
Da bakterielle Scheideninfektionen einerseits zu Verklebungen der Eileiter und somit zur Unfruchtbarkeit führen, andererseits während einer Schwangerschaft eine Frühgeburt auslösen können, sind die rasche und effiziente Therapie sowie auch die Vorbeugung von großer Bedeutung. Eine Wiederherstellung des bakteriellen Gleichgewichts der Scheidenflora und damit der Abwehrfunktion gegen pathogene Keime ist vorbeugend die wichtigste Maßnahme. Es sollte alles vermieden werden, was das saure Milieu in der Scheide stören kann (aggressive Reinigung etc.), zudem ist es sinnvoll, fehlende Laktobazillen zuzuführen. Eine hormonell bedingte Scheidenatrophie, die ebenfalls Ursache für Infektionen sein kann, lässt sich am besten durch lokale Anwendung von Östrogenen (Salben, Zäpfchen) oder auch Phytoöstrogenen (Isoflavone) verhindern bzw. beseitigen.
Hannelore Mezei
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