Apotheker Krone 01/12
Migräne-Patienten an der Tara
Tipps für Selbstmedikation und Prophylaxe
Arzneimittel gegen Kopfschmerzen zählen zu den am häufigsten verlangten Produkten im OTC-Bereich. Im Kundengespräch ist zunächst die Schmerzsituation genauer zu hinterfragen, um die einzelnen Kopfschmerzformen zu differenzieren. Neben dem Kopfschmerz vom Spannungstyp ist v.a. die Migräne mit ihren typischen Symptomen halbseitiger, starker, pulsierender Schmerz über mehrere Stunden, sehr verbreitet. Seltener tritt der so genannte Clusterkopfschmerz auf, wobei die ebenfalls sehr starken einseitigen Schmerzattacken maximal 3 Stunden dauern, jedoch mehrmals täglich auftreten können.
Die Grenzen der Selbstmedikation
Grundsätzlich ist die Palette an rezeptfreien Arzneimitteln zur Kopfschmerzbehandlung sehr groß. Der Abgabe an der Tara sollte dennoch eine ausführliche Beratung vorausgehen. Wird etwa ein sehr häufiger Schmerzmittelkauf beobachtet, so sollte der/die PatientIn auf die Möglichkeit eines schmerzmittelinduzierten Kopfschmerzes angesprochen werden. Wichtig ist auch die Frage nach Art, Dauer und Häufigkeit des Kopfschmerzes sowie nach etwaigen Begleitsymptomen. Treten die Schmerzen erstmals oder in ungewohnter Stärke auf, so ist jedenfalls zum Arztbesuch zu raten. Eine Selbstmedikation kann bei neurologisch abgeklärtem Krankheitsbild sowohl bei leichter Migräne als auch bei anderen Kopfschmerzformen erfolgen. Schwere Krankheitsformen erfordern eine ärztliche Therapie.
Wirksame Arzneimittel
In allen 3 deutschsprachigen evidenzbasierten Leitlinien wird als Mittel der 1. Wahl die fixe Dreierkombination aus ASS (250– 265 mg), Paracetamol (200–265 mg) und Coffein (50–65 mg) hervorgehoben empfohlen. Die erhöhte Wirksamkeit der Dreierkombination lässt sich durch die kombinierte Wirkung und die unterschiedlichen Ansatzpunkte der 3 Substanzen erklären. Weitere Mittel der 1. Wahl sind Acetylsalicylsäure (ASS) als Tablette und als Brausetablette (900–1000 mg), Ibuprofen (400 mg), Naratriptan (2,5 mg), Paracetamol (1000 mg) und Phenazon (1000 mg). Paracetamol weist gegenüber der ASS eine bessere Magenverträglichkeit auf, kann jedoch bei langfristiger Einnahme bzw. in hohen Dosen leberschädigende Wirkung aufweisen. Um die erwünschte Wirkung erzielen zu können, muss die Resorption des verabreichten Arzneimittels gewährleistet sein. Auf Grund der gastrointestinalen Empfindlichkeit vieler Migräne-Patienten sollte daher eine gut resorbierbare, wenig belastende Galenik gewählt werden. Ideal sind Brausetabletten, die auch einen raschen Wirkungseintritt ermöglichen; bei Paracetamol stehen außerdem Suppositorien zur Auswahl. Für unterwegs sind auch Kau- oder Lyotabletten eine gute Alternative. Vor allem Migräneattacken sind sehr häufig von Übelkeit begleitet, daher wird meist ein Antiemetikum (z.B. Metoclopramid) verordnet, das etwa 15 Minuten vor Einnahme des Analgetikums verabreicht wird. Besonders bei menstrueller Migräne ist die zusätzliche Gabe von Magnesium oft hilfreich.
Prophylaxe
Im Rahmen des Beratungsgespräches sollte auch auf die Vielzahl an nichtmedikamentösen Maßnahmen sowohl zur Behandlung der akuten Migräneattacke als auch zur Prophylaxe hingewiesen werden. Dazu zählen beispielsweise verschiedene Verhaltensmaßnahmen zur Vermeidung auslösender Faktoren (Schlafmangel, Stress, Alkohol, grelles Licht, Lärm etc.). Besonders wirksam scheint eine Kombination aus medikamentöser und nichtmedikamentöser Therapie zu sein. Hilfreich ist das Führen eines Kopfschmerztagebuches, um die individuellen Auslöser besser eruieren zu können.
Mag. pharm. Kornelia Baumgartner
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