klinik 05/11
Serie: Patient Blood Management, 7. Teil*: „Blutmanagement“ in Tirol
Im folgenden Beitrag wird auf die Entwicklung des Gesamtprozesses Blutmanagement in Tirol, mit Schwerpunkt Landeskrankenhaus Innsbruck (LKI) eingegangen.
„Blutmanagement“ besteht in Tirol aus den Subprozessen
- Blutaufbringung mit dem Schwerpunkt „Spendermedizin“ und
- optimale Anwendung von Blutkomponenten („Optimal Blood Use“) mit der Nachverfolgung des Transfusionserfolges (Hämovigilanz).
Blutaufbringung und „Spendermedizin“
Schon seit dem Jahr 1950 besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Blutspendedienst Tirol des ÖRK (verantwortlich für die Aufbringung der Blutspenden) und dem Zentralinstitut für Bluttransfusion und Immunologische Abteilung (ZIB) des LKI (verantwortlich für die Präparation, Testung, Verteilung der Blutkomponenten an die Blutdepots). Der Institutsvorstand des ZIB ist auch Blutspendereferent des Roten Kreuz (RK) Tirol. Durch diese Konstellation ist eine verbrauchsgesteuerte Aufbringung von Blutkonserven gewährleistet, was sich vor allem bei Großschadensereignissen bewährt hat, sich aber auch in einer niedrigen Verwurfsrate von Blutkomponenten widerspiegelt. Die Blutaufbringung ist durch das Arzneimittelgesetz geregelt, unterliegt dementsprechend detaillierten Vorgaben und regelmäßigen behördlichen Inspektionen. Das ZIB wurde schon 1997 als erste große Blutbank in Europa ISO-9001-zertifiziert, um diesen Forderungen gerecht zu werden.
Optimale Anwendung von Blutkomponenten
Seit mehreren Jahren konzentrieren sich die Innsbrucker Aktivitäten vermehrt auf die optimale Indikationsstellung/Anwendung von Blutkomponenten. Konzeptgrundlage sind u.a. Ergebnisse und Publikationen aus den EU-Projekten „Sanguis“ und „Optimal Blood Use“, aber auch der österreichischen Benchmark-Studien. Hierbei wird nach folgendem Motto vorgegangen: Nach „richtiger“ Indikationsstellung die „richtige“ Blutkomponente zum „richtigen“ Patienten, zur „richtigen“ Zeit im „richtigen“ Zustand auf der Basis von „Richtlinien“.
Transfusionskommission. Um die entsprechenden Ergebnisse zu erzielen – das Krankenanstaltengesetz gibt ja mit Ausnahme des Punktes „Blutdepot“ keine speziellen Vorgaben – wurde 2010 mit Unterstützung der kollegialen Führung des LKI eine Transfusionskommission etabliert. Diese hat als Vorsitzenden den Transfusionsverantwortlichen und als Mitglieder die von jeder Klinik benannten Transfusionsbeauftragten. Aufgabe der Transfusionskommission ist die Erarbeitung von Vorgaben für die Sicherstellung der Einhaltung und Durchführung von Gesetzen, Verordnungen, Richt- und Leitlinien sowie Empfehlungen für die Qualitätssicherung des Transfusionsprozesses. Sie soll die kollegiale Führung des LKI bei der Etablierung und Fortentwicklung der Qualitätssicherung bezüglich des Transfusionsprozesses beraten, Vorschläge für entsprechende Dienstanweisungen erarbeiten und den organisatorischen Umgang mit Blut und Blutprodukten regeln. Die Transfusionskommission hat dafür zu sorgen, dass einrichtungs- und fachspezifische Regelungen zur Anwendung von Blut- und Blutprodukten auf dem Boden entsprechender Leitlinien erstellt werden. Weiters gehören auch die Erstellung von Verbrauchsstatistiken, die Fortbildung im ärztlichen und pflegerischen Bereich sowie für biomedizinische AnalytikerInnen auf dem Gebiet der Hämotherapie zu ihrem Aufgabenbereich. Eine Koordination mit der Arzneimittelkommission des Krankenhauses ist ebenfalls vorgesehen.
Leitlinien Indikationsstellung. Seit der Etablierung der Transfusionskommission wurde ein Leitlinienentwurf zur Indikationsstellung und Anwendung von Blutkomponenten erstellt, der kurz vor der Freigabe ist. Weiters beschäftigt sich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit der Erstellung einer Leitlinie und eines Algorithmus für Massenblutungen, eine weitere war und ist mit der Anwendung von Fibrinogen oder/und Frischplasma befasst.
Ausbildung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Ausbildung: Im Frühjahr 2011 wurde der erste Teil der Transfusionsbeauftragten gemeinsam mit Blutdepotbeauftragen anderer Tiroler Krankenhäuser in einem zweitägigen In-House-Seminar nach dem Muster der deutschen Transfusionsbeauftragtenausbildung geschult.
Schwerpunkte der kommenden Arbeit der Transfusionskommission sind:
- Freigabe des Leitlinien-Entwurfs
- Komplettierung der Ausbildung der Transfusionsbeauftragten
- Etablierung und Auswertung von indikationsbezogenen Kennzahlen zum Blutverbrauch
- Integration des Konzepts „Patient Blood Management“ in das Tiroler Blutmanagement-Projekt
Prim. Univ.-Doz. Dr. Harald Schennach Transfusionsverantwortlicher des LKI, Institutsvorstand Zentralinstitut für Bluttransfusion und Immunologische Abteilung (ZIB), TILAK-Universitätskliniken – Landeskrankenhaus Innsbruck
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