Jump to Content

Content

klinik 05/11

Kinderchirurgie: Kinder haben ein Recht auf Spezialisten

Vom 25. bis 26. November 2011 findet im Wiener Donauspital der Kongress „Akutmedizin im Kindesalter“ statt. Schwerpunkte werden Verbrennungen und Strahlenexposition sowie ein Kinder-Notarzt- Refresher-Workshop mit Simulationstraining sein.


Wenn Ende November der Kongress der Van-Swieten-Gesellschaft zum Thema „Akutmedizin im Kindesalter“ abgehalten wird, so ist es kein Zufall, dass dieser an der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie im Wiener Donauspital stattfindet. Zum einen wird das Programm der diesjährigen Van-Swieten-Tagung von der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie (Vorstand Prim. Univ.-Prof. Dr. Alexander Rokitansky) organisiert. Zum anderen hat sich die Abteilung entsprechend dem KAV-Auftrag zur Zentrenbildung, der wiederum internationalen Erkenntnissen folgt, als das kinderchirurgische Expertenzentrum in Wien etabliert. „Kinder haben ein Anrecht auf die Behandlung durch Spezialisten“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Alexander Rokitansky.

Die Kinder- und Jugendchirurgie hat sich 1994 als eigenes Sonderfach etabliert. Ein Kerngebiet der Kinderchirurgie sind all jene spezifischen kinderchirurgischen Erkrankungen, die bei Erwachsenen üblicherweise nicht vorkommen, sowie die Beschäftigung mit angeborenen Fehlbildungen, insbesondere im Bauchraum, Thorax und im Bereich der ableitenden Harnwege – und das oft auch noch bei Erwachsenen. Darüber hinaus sollten Kinder auch bei klassischen chirurgischen Eingriffen idealerweise von Kinderchirurgen in einem kinderchirurgischen Zentrum behandelt werden.
Denn Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen. Entscheidend ist, dass die Behandlung durch Spezialisten erfolgt, die auf die Kinderbehandlung spezialisiert sind, über die Expertise verfügen und regelmäßig und oft Kinder betreuen. Kinderbehandlung sollte nicht „nebenbei“ mit nur wenigen Fällen pro Monat erfolgen. „Es darf nicht zum Problem der Erfahrungsverdünnung kommen!“, betont Rokitansky. „Kinder sollten idealerweise an einer kinderchirurgischen Abteilung operiert werden.“

Kinderchirurgie – eingebunden in ein Zentrum


Eine solche Abteilung wiederum muss, insbesondere wenn es um Akutmedizin wie thermische Verletzungen oder schwere Operationen bei seltenen Fehlbildungen geht oder wenn intensivmedizinische Behandlungen notwendig sind, in ein Zentrum eingebunden sein. „Kinderchirurgie kann nicht isoliert erfolgen“, betont Rokitansky die Notwendigkeit der interdisziplinären Kooperation innerhalb eines Kompetenzzentrums. Das Donauspital ist das kindermedizinische Zentrum Wiens, das neben Kinderchirurgie und Pädiatrie ein Perinatalzentrum der Stufe IV (der höchsten Stufe) mit einer neonatologischen Station und eine kinderchirurgische Intensivstation einschließt.

Der Kinderchirurg, so Rokitansky, ist primärer Ansprechpartner bei allen chirurgischen Indikationen, wobei die Behandlung je nach Fragestellung in enger Kooperation mit Organspezialisten erfolgt. So werden beispielsweise bei Kopfverletzungen oder Hydrocephalus die Neurochirurgen des Hauses eingebunden, bei schweren Verletzungen des Skeletts und des Stütz- und Bandapparates die Unfallchirurgen.

Kinder-Spezialisierung: auch in der Anästhesie


Entscheidend für ein kinderchirurgisches Zentrum ist darüber hinaus, wie Rokitansky betont, dass eine Kinderintensivstation vor Ort verfügbar ist, ebenso wie Anästhesisten, die auf Kinder spezialisiert sind. Diese Spezialisierung in der Anästhesie kann natürlich auch wieder nur in großen Häusern, wo viele Kinder operiert werden, sinnvoll erfolgen, weil nur dann ausreichende Fallzahlen vorliegen, um die entsprechende Expertise und Routine zu erwerben. „Wir haben am Donauspital eine Anästhesie-Gruppe, deren Kernaufgabe in der Kinderanästhesie liegt“, betont Rokitansky die Notwendigkeit einer kinderanästhesiologischen Spezialisierung.

Mit über 3.400 stationären kinderchirurgischen Patienten, rangiert die Kinderund Jugendchirurgie an vorderster Stelle unter den operativ tätigen Abteilungen des Donauspitals und ist damit zugleich – als überregionaler Ansprechpartner – die größte derartige Einrichtung in Ostösterreich. Dennoch muss nach dem Konzept des KAV nicht jedes Kind sofort ins Donau-spital geschickt werden. Dieses ist Kompetenzzentrum, aber in anderen Häusern soll dennoch eine Satellitenversorgung mit Ambulanzen als Erstanlaufstelle und zur Nachbehandlung aufrecht bleiben. Ziel ist es, durch die Anbindung an die Mutterstation – unter einer Leitung –, Erfahrung zu konzentrieren und Redundanzen der Versorgung zu eliminieren.

Kongress „Akutmedizin im Kindesalter“


Ein Schwerpunkt-Thema der Van-Swieten-Tagung zum Thema „Akutmedizin im Kindesalter“ sind thermische Verletzungen. In Zusammenarbeit mit den Verbrennungsspezialisten der Shriners Hospital in den USA und Experten aus dem deutschsprachigen In- und Ausland wird ein internationaler interdisziplinärer Bogen von der Akutversorgung bei thermischen Verletzungen im Kindesalter über intensivmedizinische Besonderheiten beim Kind bis hin zur Nachbehandlung bzw. den möglichen Korrektur-Operationen gespannt. Neben dem Hauptthema der „kindlichen Verbrennung“ sowie einem Themenblock zum Thema Strahlenexposition wird ein Kinder-Notarzt-Refresherkurs mit einem Simulationsmedizin- Workshop angeboten.

Die Gastgeber präsentieren u.a. das Verbrennungskonzept des Kinderverbrennungszentrums Donauspital Wien (R. Stanek, K. Langanke, A. Rokitansky), das neben der phasengerechten Versorgung und gegebenenfalls notwendigen chirurgischen Abtragung der irreversibel geschädigten Haut, den modernen Strategien des künstlichen Hautaufbaus (Sandwich-Techniken) und mit anschließender Spalthautdeckung, gegebenenfalls ergänzt durch Keratinozyten-Transplantation, auch die intensivmedizinische Behandlung schwerst Brandverletzter sowie die postoperative Nachbetreuung und Physiotherapie umfasst. Die Abteilung ist seit 2008 als Verbrennungszentrum für Kinder und Jugendliche im Wiener Spitalsplan etabliert. Pro Jahr werden ca. 200 Kinder mit thermischen Verletzungen betreut.


Susanne Hinger

Die Beiträge auf dieser Homepage sind ausschließlich für medizinisches bzw. pharmazeutisches Fachpublikum bestimmt.

Ja, ich gehöre diesen Berufsgruppen an

Nein, ich gehöre diesen Berufsgruppen nicht an