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klinik 05/11

Dermatologie: EADV 2011 – Neueste Erkenntnisse aus der Dermatologie

Mehr als 7.000 Hautärztinnen und Hautärzte informierten sich im Rahmen des 20. Kongresses der European Academy for Dermatology and Venerology vom 20. bis 24. Oktober 2011 in Lissabon über aktuelle Entwicklungen ihres Fachs. Zu den Top-Themen zählten unter anderem neue Erkenntnisse bezüglich onkogener Viren oder neue therapeutische Ansätze bei genetisch bedingten Hauterkrankungen.


Onkogene Viren


„Zwischen den Jahren 2000 und 2009 hat sich die Inzidenz von nichtmelanozytären Hauttumoren in den Niederlanden verdoppelt. Es gibt Hinweise darauf, dass humane Papillomaviren mitverantwortlich für diese Entwicklung sind“, berichtet Prof. Axel zur Hausen, Pathologe an der Universitätsklinik Maastricht (NL). So konnte jüngst ein onkogenes Virus identifiziert werden, das maßgeblich für das Entstehen des seltenen, jedoch hoch aggressiven Merkelzellkarzinoms verantwortlich sein dürfte. Wie die aktuelle Forschung zeigt, ist das so genannte Merkelzell-Polyomavirus (MCPyV) bei 80% der Merkelzellkarzinome nachweisbar. Das MCPyV verwandelt eine gesunde Zelle in eine Tumorzelle, indem es sich, ähnlich wie andere Tumorviren, etwa HPV, in die DNA integriert. Die Viren kodieren mit ihrem Genom mehrere Proteine, unter anderem das „Large-T-Antigen“, das den Lebenszyklus des Virus und den Zellzyklus der Wirtszelle reguliert.
Darüber hinaus gelang es der Arbeitsgruppe um zur Hausen, einen Zusammenhang zwischen MCPyV und der chronisch lymphatischen Leukämie, die häufig bei Patienten mit Merkelzellkarzinom entsteht, herzustellen. „Es gelang uns damit, die Rolle des MCPyV für die Tumorgenese definitiv nachzuweisen und die wahrscheinliche Beziehung zwischen Merkelzellkarzinom und chronisch lymphatischer Leukämie zu erklären“, so zur Hausen. Laut zur Hausen explodiert das Forschungsinteresse bezüglich Polyomaviren derzeit förmlich. 1971 wurde das erste Polyomavirus identifiziert, heute sind neun bekannt. Allerdings konnte noch nicht für jedes bislang bekannte Virus auch die dazugehörige Erkrankung gefunden werden. „Viel Forschung bleibt noch zu betreiben, um zu sehen, welche Rolle diese Viren in der Entstehung von Tumoren, insbesondere nichtmelanozytären Hauttumoren, spielen“, sagt zur Hausen. Bisher konnte erst für zwei Viren ein klarer Zusammenhang mit der Onkogenese von nichtmelanozytären Hauttumoren hergestellt werden. So ist das MCPyV für die Entstehung des Merkelzellkarzinoms und das humane Herpesvirus Typ 8 (HHV-8) für das Kaposi-Syndrom verantwortlich.
Zur Hausen vermutet, dass unterschiedliche Viren, die beispielsweise in der Haut gefunden werden, zu einem gemeinsamen Phänotyp führen. „Das bedeutet, dass die Haut nur eingeschränkte Möglichkeiten hinsichtlich ihrer onkogenen Reaktionen hat.“

Natürliche Gentherapie


„Genetisch bedingte Hauterkrankungen zählen zu den schwersten Krankheiten, mit denen wir es zu tun haben“, sagt Prof. John McGrath, Leiter der Genetic Skin Disease Group, King’s College, London (GB). In den vergangenen Jahren ist es gelungen, den molekularen Hintergrund einer Reihe von erblich bedingten Hauterkrankungen zu identifizieren. So konnten bis Oktober dieses Jahres mehr als 500 einzelne Genveränderungen mit einem Hautphänotyp charakterisiert werden. „Die Kenntnis der exakten, krankheitsassoziierten DNA-Veränderungen hilft, die Diagnostik und die genetische Beratung in Zusammenhang mit pränataler Diagnostik zu verbessern. Darüber hinaus stellt die Erforschung der patientenspezifischen Molekularpathologie die Plattform für translationale Forschung, inklusive der Entwicklung neuer gen-, protein- oder zellbasierter Therapien dar“, so McGrath.
Als Beispiel führt McGrath Fortschritte in der Zelltherapie der Epidermolysis bullosa (EB) an. Ausgehend von der Beobachtung, dass es bei manchen Patienten im Sinne einer „natürlichen Gentherapie“ zu einer natürlichen Korrektur der betroffenen Hautareale kommt, wird an Therapien geforscht. Dabei werden Patienten, bei denen es zu dieser – als revertant mosaicism bezeichneten – natürlichen Korrektur kommt, identifiziert und revertierte Zellen isoliert und selektiert. Derzeit laufen klinische Studien zur dystrophen EB, in denen die Wirksamkeit intradermaler Injektionen allogener Fibroblasten und mesenchymaler Stammzellen, aber auch von Knochenmarkstransplantationen von passenden Spendern geprüft wird.
Die Arbeitsgruppe um McGrath konnte im Mausmodell eine spezifische Subpopulation von epithelialen Vorläuferzellen im Knochenmark identifizieren, die in der Lage sind, die Epidermis zu regenerieren und zu erhalten. „Es ist wahrscheinlich, dass diese Forschungsresultate großen Einfluss auf die zukünftige regenerative Medizin haben werden; nicht nur für Patienten mit dystropher EB, sondern auch für Menschen mit anderen, häufigeren Erkrankungen der Haut und des Gewebes“, ist McGrath optimistisch.

Mag. Harald Leitner

Quelle: 20. Kongress der European Academy of Dermatology and Venerology, Pressekonferenz am 21. 10. 2011, Lissabon

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