klinik OP 02/11
Hygiene: Zukunft von Desinfektion und Antiseptik
Die Herausforderungen von Desinfektion und Antiseptik für die Zukunft wurden in einer Podiumsdiskussion bei dem von der ÖGHMP* veranstalteten DOSCH-Symposium Ende Mai in Bad Ischl diskutiert.
Instrumentendesinfektion – womit?
Dazu sprach Prim. Dr. Christoph Aspöck, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, St. Pölten, zwei aus Anwendersicht relevante Probleme an: Die laufende Weiterentwicklung medizinischer Geräte bringt immer empfindlichere Oberflächen mit sich, die durch fast alle zur Verfügung stehenden Substanzen beschädigt werden können, worauf die Hersteller auch hinweisen. Der Anwender sitzt hier zwischen 2 Stühlen, wenn er für ein Mehrweg-High-Tech-Gerät keine spezifischen Desinfektionsmittel zur Verfügung hat.
Eine Gratwanderung für Anwender ist auch die Notwendigkeit, der Zunahme umwelttoleranter Erreger wie Noroviren und Clostridium dificile durch vermehrten Einsatz oder höhere Konzentrationen starker Desinfektionsmittel Rechnung tragen zu müssen. Dies kann bei Mitarbeitern zu einer vermehrten Belastung von Augen, Atemwegen und Haut, gefolgt von einer deutlichen Ablehnung führen.
DI Michael Richter, Austromed, wies auf die Auswirkungen des Biozidgesetzes der EU (1998) hin, das die Registrierung sämtlicher aktiver Substanzen in jedem EU-Land und das Vorlegen umfangreicher Dossiers erfordert. All diese Auflagen würden dazu führen, dass künftig in den EU-Ländern weniger Produkte verfügbar seien und Europa als Forschungsstandort zur Entwicklung neuer innovativer Wirkstoffe für die Industrie zunehmend unattraktiv werde.
Renaissance der Desinfektion?
Dr. Jürgen Gebel, Bonn, Geschäftsstellenleiter der Desinfektionsmittelkommission im Verbund für angewandte Hygiene (VAH), ging auf die internationale Renaissance der regelhaften Flächendesinfektion ein, die noch vor einer Generation im deutschsprachigen Raum üblich, dann aber in Verruf geraten waren. Grund dafür ist die Zunahme umwelttoleranter und antibiotikaresistenter Mikroben und Viren als nosokomiale Infektionserreger.
Wundantiseptikum (Arzneimittel) oder Wundspülmittel (Medizinprodukt)?
Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, Wien, sprach ein rechtliches Thema mit möglicherweise massiven medizinischen Implikationen an: Aufgrund der Annahme, dass Produkte nach dem Medizinproduktegesetz (MPG) leichter und schneller in Verkehr gebracht werden könnten, werden zunehmend Produkte als Medizinprodukt deklariert, deren Inhaltsstoffe auch eine pharmakologische Wirkung haben. Assadian fürchtet hier negative Auswirkungen auf die Patientensicherheit, insbesondere wenn dabei neue Wirkstoffe zum Einsatz kommen, zu denen es noch unzureichend Erfahrung gibt und deren Risiko nicht nach den Grundsätzen der Arzneimittelprüfung analysiert wurde. Als Beispiel nennt er antimikrobielle Wirkstoffe, die sowohl als Wundantiseptikum (Arzneimittel) als auch als Wundspülmittel (Medizinprodukt) eingesetzt werden.
Neuerungen beim Expertisenverzeichnis der ÖGHMP
Das Expertisenverzeichnis der ÖGHMP, in dem zur Desinfektion geeignete Mittel gelistet sind, wird ab 2012 auch um die Produkte und Verfahren zur Lebensmittelhygiene und Veterinärmedizin sowie um Instrumentendesinfektionsmittel erweitert, wie DI Dr. Miranda Suchomel erläuterte.
* Österreichische Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin
Susanne Hinger
Im Interview:Em. Univ.-Prof. Dr. Walter Koller, Klinisches Institut für Krankenhaushygiene, Medizinische Universität Wien Für die immer empfindlicheren Geräte gibt es kaum noch passende Desinfektionsmittel. Wie beurteilen Sie das diskutierte Problem der Gerätedesinfektion? Als Folge des Biozidgesetzes könnten künftig weniger Produkte verfügbar sein? Tatsächlich ein Defizit oder nur Marktbereinigung? |
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