klinik OP 02/11
13. Jahrestagung der AWA 2011: Wundmanagement – Gemeinsam mehr erreichen
Die diesjährige Jahrestagung der Austrian Wound Association (AWA) stand unter dem Motto „Voneinander lernen“. Damit wurde der Auftakt für ein Schwerpunktjahr eingeleitet, in dem der Informations-, Erfahrungs- und Wissensschatz aller an der Wundversorgung beteiligten Berufsgruppen gebündelt werden soll.
Zena Moore, PhD, Präsidentin der Europäischen Wundmanagementgesellschaft, brachte die Notwendigkeit der multidisziplinären Zusammenarbeit auf den Punkt: „TEAM means – Together Everbody Achieves More“. Nicht nur der Erfahrungsaustausch zwischen unterschiedlichen an der Wundversorgung beteiligten Berufsgruppen, sondern auch auf den verschiedenen regionalen und nationalen Landesebenen muss gefördert werden, um die Versorgung der Patienten noch weiter zu optimieren. AWA-Generalsekretär Univ.-Prof. Dr. Gerald Zöch resümiert die wesentlichen Diskussionen sowie die kommenden Pläne im Anschluss an die Jahrestagung im Gespräch.
Warum ist die multidisziplinäre Zusammenarbeit im Wundmanagement so ein vordringliches Anliegen der AWA?
Univ.-Prof. Dr. Gerald Zöch: Wer miteinander arbeitet, kann auch viel voneinander lernen. In diesem Bereich herrscht gerade in unserer Disziplin noch viel Aufholbedarf, darum werden wir genau dieses Thema auch im kommenden Jahr in den Mittelpunkt unserer Arbeit rücken und auch auf der Europäischen Jahrestagung in Wien neuerlich auf die Agenda setzen. Wir sehen die Teamarbeit sehr weit, da gehören nicht nur Ärzte oder Pflegepersonal dazu, auch Ernährungsspezialisten, Physiotherapeuten und auch Patienten müssen ihren Teil dazu beitragen, dass wir am Ende erfolgreich in Diagnose und Therapie sind.
Wer aus diesem Team muss aus Ihrer Sicht jetzt aktiv werden, um den ersten Schritt in die richtige Richtung zu setzen?
Der Patient, denn schlussendlich gelangen wir auch hier sehr bald an die Frage der Finanzierung. Wenn Patienten nicht sensibilisiert und therapietreu sind, dann können sie leicht zwischen extramuralem und intramuralem Bereich hin- und hergeschickt werden. Patienten wollen nicht wahrhaben, dass die Wundversorgung eine aufwändige Therapie und damit viel eigenes Engagement bedeutet.
Welche Rolle spielt die Aus- und Weiterbildung in diesem Zusammenhang?
In den letzten Jahren hat sich das Angebot deutlich verdichtet, und das Interesse vieler Berufsgruppen hat zu einem durchaus guten Markt auf universitärer und außeruniversitärer Ebene geführt. Auch die Ärztekammer bietet mittlerweile ein Zertifikat für ärztliche Wundbehandlung an, das nicht zuletzt auf das Engagement der AWA zurückzuführen ist. Für Pflegepersonal gibt es eine Reihe von Angeboten an der Donau-Universität Krems, der Wiener Krankenanstaltenverbund hat einen berufsbegleitenden Lehrgang für seine Mitarbeiter, und auch auf europäischer Ebene werden Wundmanagementseminare angeboten. All diesen Angeboten ist gemeinsam, dass sie die Teamarbeit schon massiv in den Mittelpunkt stellen und damit einen wertvollen Beitrag leisten, damit sich auch langsam in der Praxis das Denken in diese Richtung bewegt.
Dann ist Österreich im Vergleich zum Ausland doch gut aufgestellt?
Was die praktische Umsetzung betrifft, sind wir leider eines der Schlusslichter in Europa. Es gibt einzelne Wundteams oder Wundambulanzen, die aber kaum über das Engagement einzelner Personen hinausgehen und bei Weitem nicht ausreichen, um eine flächendeckende Versorgung für alle Patienten zu gewährleisten. Dazu kommt, dass Patienten das Problem generell negieren und aus dieser Spirale der Unterversorgung auch keinen Ausweg suchen. Fehlendes Datenmaterial macht es zudem schwierig, flächendeckende Konzepte aufzustellen. Wir sind jetzt langsam dabei, diese Daten zu erheben, um dann strukturiert vorgehen zu können, aber das wird noch Jahre dauern.
Was wünschen Sie sich persönlich für die Entwicklung des Wundmanagements im kommenden Jahr?
Ich hoffe auf eine verstärkte Mobilisierung der Patienten in Richtung Prophylaxe. Das Problem kann nur dann einer Lösung zugeführt werden, wenn überhaupt ein Bewusstsein vorhanden ist, dass wir hier ein Problem haben. Patienten müssen auch lernen, mehr Selbstverantwortung zu übernehmen und mit Nachdruck Forderungen zu stellen, wenn Angebote dazu nicht ausreichen. Ich bin überzeugt, dass es nicht immer nur ein Thema der Finanzierung ist, wenn keine ausreichende Versorgung gegeben ist. Und hier schließt sich der Kreis zu den multidisziplinären Teams: Wenn alle, und damit meine ich auch die Patienten, in eine Richtung ziehen, dann wird sich durchaus viel Positives bewegen lassen!
Renate Haiden
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