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Das Medizinprodukt 03/10

AUSTROMED-Mitglieder setzen auf Mehrwert für Unternehmen und Gesellschaft

Das Prinzip einer nachhaltigen Unternehmensführung setzt sich gegen kurzsichtige Managementansätze wieder vermehrt durch – die aktuelle Krise beschleunigt den Prozess noch.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die uns immer noch im Griff hat, hat wohl viele Väter. Die Ursachenforschung wird noch Generationen von Wissenschaftlern beschäftigen. Eines aber steht heute unbestritten fest: Zur Krise und deren Verschärfung wesentlich beigetragen hat ein Wirtschaftssystem, das immer exzessiver auf Kurzfristigkeit setzte. Aber schon in „guten“ Zeiten, als das System noch gesund war und der grenzenlose, möglichst ungeregelte freie Markt nach dem spektakulären Scheitern des Kommunismus Triumphe feierte, formulierte sich da und dort Unmut über die Entwicklung. Zuerst von Soziologen und Psychologen, die neue Begriffe wie etwa „Entschleunigung“ kreierten oder alte Werte wie „Sinngebung“ wieder en vogue machten. Es folgten Ökonomen, die sich zunehmend kritisch mit möglichen negativen Auswirkungen einer verkürzten Managementsicht und Handlungsweise auf den langfristigen Unternehmenserfolg und damit auf das globale Wirtschaftssystem auseinandersetzten. Ein Ansatz, der beide Aspekte miteinbezog, kam in der Folge immer mehr in den öffentlichen Fokus: Nachhaltigkeit. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff im Bezug auf Unternehmensführung weiter präzisiert, wobei sich schließlich der Begriff Corporate Social Responsibility oder kurz CSR durchsetzte. Die zentralen Merkmale sind die Integration von Nachhaltigkeit in das Kerngeschäft und in die Gesamtstrategie des Unternehmens, eine freiwillige Selbstverpflichtung über gesetzliche Vorschriften hinaus, ein Dialog mit allen Anspruchsgruppen sowie die Schaffung eines Mehrwertes für Gesellschaft und Unternehmen.

Dimensionen von CSR

Der CSR-Managementansatz beruht auf drei Dimensionen, auch Säulen der Nachhaltigkeit genannt: die ökonomische Dimension, das heißt die Sicherstellung von langfristigem wirtschaftlichem Erfolg; zweitens die ökologische Dimension, die darauf abzielt, die Umwelt für die nächsten Generationen zu erhalten und natürliche Ressourcen zu schonen; drittens die soziale Dimension, also die Sicherstellung fairer Arbeitsbedingungen in der gesamten Wertschöpfungskette und das gesellschaftliche Engagement des Unternehmens. Das Kreieren von „Win-win-Situationen“, um einen viel zitierten Managementbegriff zu strapazieren, ist dabei die Herausforderung von CSR.
Nachhaltigkeit darf dabei nicht ausschließlich Aufgabe der Unternehmensführung oder einer spezialisierten Abteilung sein. Einen kritischen Erfolgsfaktor bildet eine breite Verankerung des Systems im Unternehmen. Die Führungskräfte haben die Aufgabe, die Richtung durch ihr Bekenntnis zur und durch ihr Vorleben von Nachhaltigkeit klar vorzugeben: Führungskräfte müssen Nachhaltigkeit als Persönlichkeitsmerkmal verinnerlichen. Sie müssen vom nachhaltigen Wirtschaften überzeugt sein, sich an langfristigen Zielen statt an kurzfristigen Erfolgen orientieren, mit positivem Beispiel vorangehen und das Thema im gesamten Unternehmen vorantreiben. Das erfordert die Fähigkeit zu vernetztem und ganzheitlichem Denken und hilft den Mitarbeitern, das Thema zu verstehen und mitzugestalten.

Die besondere Rolle von Medizinprodukteunternehmen

Obwohl Medizinprodukte in fast alle diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativen Leistungen involviert sind, steht die Wahrnehmung ihres Beitrages im heimischen Gesundheitswesen nach wie vor nicht in einem entsprechenden Verhältnis dazu. Auch die Unternehmen selbst sehen ihre Branche nur bedingt im Lichte der Öffentlichkeit, wie aus einer Studie über die wirtschaftliche Bedeutung von Medizinprodukteunternehmen in Österreich hervorgeht. Die Studie wurde im Auftrag der AUSTROMED, der Vereinigung der Medizinprodukteunternehmen, vom Industriewissenschaftlichen Institut durchgeführt und hat auch die Bedeutung und die Relevanz des Themas Corporate Social Responsibility (CSR) untersucht. Rund 78% der befragten Unternehmen stufen den Stellenwert dieser Thematik (eher) hoch ein, ihre Bedeutung ist des Weiteren in nahezu allen Unternehmen in den letzten 3 Jahren gestiegen oder zumindest konstant geblieben. Besonders CSR-Themen wie Mitarbeiterqualifikation, Sicherheit am Arbeitsplatz, Arbeitsplatz-, Beschäftigungs- und (regionale) Standortsicherung haben einen hohen Stellenwert und gehören auch zu den in den letzten 3 Jahren am häufigsten umgesetzten Maßnahmen in den befragten Unternehmen. In den Krankenanstalten rechnet die Mehrheit der Befragten mit einer zunehmenden Bedeutung des Themas CSR/Nachhaltigkeit und sieht hier auch gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den Medizinprodukteunternehmen in Österreich.
Das Konzept der sozialen Verantwortung ist vielfältig und sollte gerade in „sensiblen“ Branchen – wie eben jener der Medizinprodukteunternehmen, die sich sehr direkt mit der Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung auseinandersetzt – selbstverständlich einen hohen Stellenwert einnehmen.

CSR basiert auf Freiwilligkeit

Obwohl nur eine sehr geringe Zahl der befragten AUSTROMED-Mitglieder ihr eigenes Unternehmen (eher) stark im Blickpunkt des öffentlichen Interesses sieht, wird der Stellenwert von CSR dennoch bei einer überwiegenden Mehrheit von rund 78% der Befragten als sehr bzw. eher hoch eingestuft. Die Bedeutung bzw. Relevanz des Themas CSR ist bei nahezu allen Unternehmen in den letzten 3 Jahren gestiegen oder zumindest konstant geblieben (36,5% „gestiegen“, 57,1% „konstant geblieben“). Dies lässt vermuten, dass die Motivation gesellschaftlich verantwortlich zu handeln überwiegend im Selbstverständnis der Medizinprodukteunternehmen in Österreich begründet liegt und nur in geringem Maße durch Erwartungen und Druck von außen getrieben ist.
Was den Bedeutungsradius des Begriffs bzw. die Felder des gesellschaftlichen Engagements betrifft, so sind die Befragten der Ansicht, ein Unternehmen solle sich grundsätzlich besonders in folgenden CSR- Bereichen engagieren: Sicherheit am Arbeitsplatz (68,3% der Befragten nennen diesen Bereich), Arbeitsplatz- und Beschäftigungssicherung, Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern (jeweils 66,7%) sowie (regionale) Standortsicherung (65,1%) und Beschäftigung älterer Arbeitnehmer (60,3%).
Die befragten Medizinprodukteunternehmen sehen die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen primär bezogen auf die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern sowie hinsichtlich des Erhalts und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Als inhaltliche Ziele des verantwortungsbewussten Handelns stehen besonders Maßnahmen im Aus- und Weiterbildungsbereich, im Bereich der Gesundheitspolitik sowie der Arbeits- und Arbeitsplatzsicherheit im Vordergrund.

Konzepte schriftlich festgelegt

Viele Unternehmen verfügen über eigene Verhaltenscodizes die firmenspezifische CSR-Leitlinien festlegen. Mit 41 % ungewöhnlich hoch ist der Anteil der befragten Medizinprodukteunternehmen, bei denen im Unternehmen ausformulierte CSR-Leitlinien bzw. ein Verhaltenskodex existieren. Bei weiteren 3% ist ein solcher Schritt in Planung. Bei einer eher geringen Anzahl der befragten Medizinprodukteunternehmen (6%) besteht hingegen eine Mitgliedschaft bei einer nationalen oder internationalen CSR-Initiative oder -plattform. Dieser Schritt wird auch von keinem der übrigen Unternehmen in Zukunft in Erwägung gezogen und geplant. Hier wäre bei den befragten Unternehmen noch Potenzial vorhanden, das gelebte Engagement stärker nach außen zu kommunizieren. Was die Auswahl der Geschäftspartner, Lieferanten etc. hinsichtlich CSR-Kriterien betrifft, so geben 10% der Befragten an, dies nach Möglichkeit zu berücksichtigen, 3% planen dies in Zukunft zu tun. Als schwierig erweist sich gemeinhin die Eruierung des finanziellen Engagements für gesellschaftliche Themen, sprich die Benennung eines jährlichen Budgets für CSR-Aktivitäten, weshalb bei diesem Punkt die Anzahl der Unternehmen, die keine Angaben machen (können), besonders hoch ist (im Falle dieser Befragung liegt der Anteil bei 37% der Unternehmen). Dennoch geben 13% der Befragten an, in ihrem Unternehmen ein jährliches Budget für CSR-Aktivitäten zu haben, wiederum 3% planen dies für die Zukunft.

Webtipps

www.asd.at: Austrian Business Academy for Sustainable Development
www.respact.at: Verein zur Förderung gesellschaftlicher Verantwortung von und in Unternehmen
www.icg.eu.com: Online-Studie zum Thema nachhaltiges Management

Die Beiträge auf dieser Homepage sind ausschließlich für medizinisches bzw. pharmazeutisches Fachpublikum bestimmt.

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