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Das Medizinprodukt 04/10

GESUNDHEIT 2.0

Die Zukunft hat begonnen. Schritt für Schritt – aber deswegen nicht minder wirkungsvoll – revolutioniert E-Health das österreichische Gesundheitswesen.

Seitens der ELGA GmbH sieht Geschäftsführerin Dr. Susanne Herbek die E-Medikation als einen ersten Schritt in Richtung Elektronischer Gesundheitsakte: „Die Pilotierung der E-Medikation ist die erste Pilotierung einer ELGA-Anwendung. Relevante, mitunter lebenswichtige Informationen zur medikamentösen Therapie der Patienten werden systematisch, zeit- und ortsunabhängig und zielgerichtet auf elektronischem Weg allen behandelnden Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung gestellt.“ Die E-Medikation ist aufgrund des Pilotstartes in aller Munde, aber bei Weitem nicht der einzige Meilenstein, den das heimische Gesundheitswesen auf dem Sektor des elektronischen Gesundheitsmanagements zu bieten hat.

E-Health: Zwischen Kunst und Wirklichkeit

Ein umfassender Überblick über die vielen laufenden Initiativen gestaltet sich schon aufgrund des Terminus E-Health komplex: Als Sammelbegriff für das Zusammentreffen von Internet und Medizin tauchte E-Health im Zuge des dotcom-Booms zuerst 1997 in Wirtschaftsmagazinen und Studien von Unternehmensberatungen auf. Erst um das Jahr 2000 war der Begriff E-Health schließlich auch in medizinischen Fachjournalen vertreten. Fest steht, über die Definition des relativ jungen Kunstbegriffs besteht keine Einigkeit. Er umfasst sowohl Anwendungen der Telemedizin, wenn sie sich auf die Internet-Infrastruktur oder -Technik stützt, als auch Vernetzungsbestrebungen im Gesundheitssystem, wie zum Beispiel die elektronische Patientenakte, oder generelle IT-getriebene Infrastrukturinitiativen. Unabhängig davon, ob das Kind einen Namen hat – letzten Endes profitieren alle von den Ergebnissen: Arzt, Patient, die Pflege und das Gesundheitssystem. Und auf der Hand liegt auch, dass umfassende Projekte mitunter länger als eine Legislaturperiode dauern, bis sie für die breite Bevölkerung „sichtbar“ umgesetzt sind.

Aus Teilen wird ein Ganzes

In Österreich startete nach der Einführung der e-card die elektronische Gesundheitsakte ELGA, deren österreichweiter Roll out zwar noch ansteht, aber mit heftigen Strohfeuern von sich reden macht. So hat mit Jahresbeginn die ELGA GmbH ihren operativen Betrieb aufgenommen und kann auf umfangreiche Vorarbeiten aufbauen. Die Eigentümer – der Bund, die Länder und der Hauptverband – haben schon vor Gründung des Unternehmens in Sachen ELGA eng zusammengearbeitet und die Verantwortung für die Errichtung einzelner Basiskomponenten bestimmten Unternehmen und Institutionen zugewiesen. Im Jahr 2009 wurde die Einrichtung des Patientenindex an den Hauptverband vergeben, der bereits im Vorjahr erste Planungsarbeiten durchgeführt hat. „Über den Sommer wurde gemeinsam mit Interessenten die Pilotierung finalisiert, die das Zusammenspiel zwischen zentralen und lokalen Indizes evaluieren soll. Große Krankenhausanbieter, die ihre Patientenregis ter mit einem künftig zentralen Index harmonisieren, haben sich bereit erklärt gemeinsam zu testen“, gibt Herbek Einblick. Unterschiedliche Softwaresysteme, eine ausreichende Zahl an Patientenkontakten und die reibungslose technische Zusammenarbeit gilt es abzustimmen, bis ein Rollout – geplant 2011 – über die Bühne gehen kann.
Ebenfalls im Jahr 2009 wurde die Ausarbeitung eines Gesundheitsindexanbieters an das Gesundheitsministerium vergeben. Bis Jahresende sind Ergebnisse zu erwarten. Die ELGA GmbH selbst arbeitet intensiv an den Berechtigungssystemen und der Protokollierung – zwei besonders heikle Themen, die immer wieder die Datenschutzdiskussion aufflammen lassen. Der Plan ist auch hier, im Laufe des Jahres 2011 ein fertiges System zur Verfügung zu stellen.

Das System lebt durch die Anwendung

Und last but not least gilt es, die organisatorischen Abläufe auf ihr Zusammenspiel zu prüfen, etwa ob die Verordnungsdatenbank auch mit der Medikationsdatenbank „richtig“ kommuniziert. „Langfristig werden alle ELGA-Komponenten für eine österreichweite Nutzung im Echtbetrieb laufen“, ist Herbek überzeugt. ELGA steht im Vollausbau als zeit- und ortsunabhängiges Informationssystem zur Verfügung. Die zentrale Aufgabe ist es, medizinische Dokumente den berechtigten Gesundheitsdienstleistern (GDA) zur Verfügung zu stellen und dem Patienten selbst über ein Internetportal Zugang zu den eigenen Daten zu ermöglichen. „Die Dokumente liegen aber nicht alle in einer zentralen Datenbank, das wäre zu umfangreich, sondern dort, wo die Dokumente jeweils erstellt wurden. Dann müssen Links kreiert werden, so entsteht ein Link-Registernetzwerk, in dem dann gezielt nach einem Patienten und seinen Identifizierungsmerkmalen gesucht werden kann“, gibt die Expertin Einblick in den technischen Ablauf.
Die Kernstücke des System mit den nötigen Basiskomponenten werden bis 2011 vorhanden sein, „lebendig“ wird ELGA aber erst durch seine Nutzung: „Indem unter gesicherten Bedingungen, protokolliert und mit Berechtigungssystem versehen die GDAs und Patienten Dokumente suchen, finden und nutzen können oder der Zugang zur E-Medikation ermöglicht wird“, betont Herbek. Notwendig dazu sind noch eine Reihe von Standardisierungs- und Harmonisierungsarbeiten sowie die Abstimmung mit bestehenden Einzellösungen. Parallel dazu arbeitet das Gesundheitsministerium auf Hochtouren an einer Rahmengesetzgebung, die ELGA in die Gesundheitstelematikregelung einbettet und die Rechte der Bürger und Patienten sichert.
Trotz des Umfangs und der vielen Einzelprojekte scheint „alles auf Schiene“ zu sein. Wo liegen nun noch große Herausforderungen für die flächendeckende Umsetzung eines E-Health-Konzeptes in Österreich? „Die Projekte gehen gut voran, es wird laufend Organisations- und Finanzierungsfragen geben, die es zu klären gilt. Ein Roll-out ist immer ein zentraler Meilenstein. Die konfliktreichen Themen liegen aus meiner Sicht hinter uns, vor uns liegen aber natürlich noch große Aufgabenblöcke, die es abzuarbeiten gilt“, resümiert Herbek.

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