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NephroScript 03/10

„Gender Medicine“ in der Nephrologie – gibt es das?

Anfang September 2010 bot das Seminar „Gender Medicine in der Nephrologie“ einen Einblick in den aktuellen Wissensstand zu nephrologischen Fragestellungen aus gendermedizinischer Sicht.

Irrtümlicherweise wird Gender Medicine oft noch im Sinne von Frauenmedizin interpretiert. Jedoch handelt es sich bei Gender-Forschung um eine fachübergreifende Forschung, die Fragestellungen zu geschlechtsabhängigen biologischen und psychosozialen Gemeinsamkeiten und Unterschieden nachgeht. Dabei werden komplexe Zusammenhänge physiologischer und pathologischer Prozesse bei Männern und Frauen untersucht. Die Gender Medicine beschäftigt sich nicht nur mit der Krankheitsentstehung, sondern auch mit Gesundheitsverhalten und Krankheitsprävention aus der Geschlechtsperspektive. Sie beleuchtet neben der unterschiedlichen Anatomie die psychosozialen Faktoren, wie Einflusse der Kultur, der Umwelt und der Lebensweisen von Männern und Frauen. So spielt z. B. die emotionale Ebene hinsichtlich der Medikamenten-Adhärenz bei Frauen eine größere Rolle als bei Männern. Pharmakolo gische Untersuchungen wurden häufiger bei Männern durchgeführt, da seit den 1960er-Jahren eine verständliche Angst vor embryonalen oder fötalen Missbildungen bei ungewollten Schwangerschaften während einer Testphase besteht. Erstaunlicherweise bestehen auch erhebliche Unterschiede im Zugang zu bestimmten medizinischen Leistungen.
Alldem Rechnung tragend wurde mit Anfang 2010 an der Medizinischen Universität Wien der österreichweit erste Lehrstuhl für Gender Medicine etabliert, mit deren Leitung Frau Prof. Dr. Alexandra Kautzky betraut wurde.
In Zukunft werden Gender-spezifische Unterschiede auch in unserem klinischen Alltag zunehmend an Bedeutung gewinnen. Offen bleiben die Fragen, ob bereits relevante Erkenntnisse zu nephrologische Themen vorliegen bzw. ob Gender-spezifische Forschung in der Nephrologie interessant und weiterführend wäre. Um diese Punkte näher zu beleuchten, fand am 9. und 10. September 2010 ein Seminar über „Gender Medicine in der Nephrologie“ statt. Neben der Präsentation des Lehrstuhls für Gender Medicine durch Frau Prof. Kautzky konnte für dieses neue Feld eine Reihe renommierter Vortragender aus den Reihen der österreichischen Nephrologie gewonnen werden. Die Präsentation der bislang vorliegenden Daten gab einen Überblick über interessante Erkenntnisse aus verschiedenen nephrologischen und intensivmedizinischen Themengebieten, die hoffentlich zukünftig zur Durchführung von zahlreichen Untersuchungen anregen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Sabine Schmaldienst1, OÄ Dr. Petra Günther2
1 Abteilung für Nephrologie und Dialyse, Klinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien
2 Interne Abteilung, Krankenhaus Oberwart

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