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neurologisch 02/11

Morbus Parkinson: Nicht immer leicht zu diagnostizieren

Degenerative Parkinson-Syndrome lassen sich prinzipiell in zwei Hauptgruppen einteilen: idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS) und die atypischen Parkinson-Syndrome (APS). Letztere umfassen seltenere Varianten mit einem häufig, jedoch nicht immer L-Dopa-refraktärem Parkinson-Syndrom, wie die Multisystematrophie (MSA), progressive supranukleäre Paralyse (PSP), Demenz mit Lewy-Körperchen (DLK), kortikobasales Syndrom (CBS).

Die Queen-Square-Kriterien eines Parkinson-Syndroms beinhalten Akinese/Bradykinese (d.h., eine Verlangsamung und Verarmung von Bewegungen wie z.B. ein reduzierter Armschwung beim Gehen oder verminderte Mimik im Gesicht bzw. auch Schwierigkeiten, eine Bewegung zu initiieren) sowie eine rigide Muskeltonuserhöhung und Ruhetremor. Die Prävalenz der Parkinson-Syndrome steigt mit dem Alter (14% der 65–74-Jährigen, 52% der über 85-Jährigen1.
Eine genaue Differenzierung zwischen IPS und APS stellt eine wesentliche Herausforderung für den Kliniker dar, da abhängig von der genauen Diagnose große Unterschiede in Therapie und Prognose bestehen. So ist bei IPS-PatientInnen von einer normalen Lebenserwartung auszugehen, während diese bei APS wesentlich reduziert ist (zumeist weniger/mehr? als 10 Jahre), außerdem bieten IPS-PatientInnen nach den Queen-Square-Parkinson-Kriterien ein sehr gutes nachhaltiges Ansprechen auf die dopaminerge Therapie, während dies bei APS-PatientInnen zumeist sehr limitiert ist; zudem demaskieren sich APS-PatientInnen zumeist in den ersten Jahren nach Krankheitsbeginn durch rasche Progredienz mit erhöhtem pflegerischem/sozialmedizinischem Aufwand sowie charakteristischen Warnsymptomen (Red Flags). Rezente Studien haben gezeigt, dass sich selbst für den Spezialisten die genaue Unterscheidung im Einzelfall sehr schwierig darstellen kann2.

Diagnosestellung IPS

Für die klinische Diagnose eines IPS wurden verschiedene diagnostische Kriterien vorgeschlagen, unter denen die Queen-Square-Parkinson- Kriterien aufgrund hervorragender Validitätskennzeichen eine führende Rolle spielen3,4.
Schritt 1 beinhaltet die Feststellung eines Parkinson-Syndroms durch das obligate Vorhandensein von Akinese/Bradykinese, assoziiert mit Rigidität, Ruhetremor (4–6 Hz) oder posturale Instabilität (Tab. 1). Im zweiten Schritt sind Exklusionskriterien, die zumeist auf ein APS hinweisen, zu beachten. Im dritten Schritt sollten mindestens 3 unterstützende Kriterien für die Diagnose eines IPS vorliegen, z.B. ein sehr gutes Ansprechen auf die Therapie mit Levodopa und ein insgesamt asymmetrischer bzw. unilateraler Beginn der Parkinson-Symptome.

Tab. 1: „Queen Square IPS“-Diagnose-Kriterien

1. Schritt: Diagnose Parkinson-Syndrom

  • Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungsinitiierung und progressive Reduktion von Geschwindigkeit und Amplitude repetitiver Bewegung) sowie zumindest eines der nachfolgenden Kriterien
  • rigide Muskeltonuserhöhung
  • Ruhetremor (4–6 Hz)
  • posturale Instabilität (nicht verursacht durch primär visuell, vestibulär, zerebellär, propriozeptive Störungen)

2. Schritt: Ausschlusskriterien für IPS

  • multiple Schlaganfälle mit schrittweiser Zunahme der Parkinson-Symptome
  • rezidivierende Schädel-Hirn-Traumen
  • Enzephalitis
  • okulogyre Krise
  • Therapie mit Neuroleptika zu Beginn der Symptomatik
  • mehr als ein betroffener Verwandter
  • anhaltende Remission
  • streng einseitige Symptomatik nach 3 Jahren
  • supranukleäre Blickparese
  • zerebelläre Zeichen
  • früh auftretende autonome Störungen
  • früh auftretende Demenz
  • positive Babinski-Zeichen
  • zerebraler Tumor oder Normdruckhydrocephalus im CT
  • fehlendes Ansprechen auf L-Dopa (Malabsorption ausgeschlossen)
  • Exposition mit MPTP

3. Schritt: Unterstützende Kriterien für IPS (für definitive Diagnose IPS werden 3 oder mehr Kriterien gefordert)

  • einseitiger Beginn
  • Ruhetremor
  • progressive Krankheit
  • fortbestehende Asymmetrie eine Seite mehr betreffend
  • sehr gutes Ansprechen auf L-Dopa (70–100%)
  • schwere L-Dopa-induzierte Chorea
  • Ansprechen auf L-Dopa für länger als 5 Jahre
  • klinischer Verlauf über länger als 10 Jahre
  • Hyposmie
  • visuelle Halluzinationen
Übersetzt nach: Lees 2009, Gibb & Lees 19883,4

Hinweisende Kriterien für das Vorliegen eines APS

Der Terminus „atypisches Parkinson-Syndrom“ umfasst sehr unterschiedliche Krankheitsentitäten mit z.T. auch sehr variierender zugrunde liegender Pathophysiologie. Die häufigsten neurodegenerativen atypischen Parkinson-Syndrome wurden z.T. schon in der Einleitung genannt und sollen der Übersicht halber nur grob umschrieben werden, vielmehr ist das Ziel des vorliegenden Artikels, auf mögliche klinische Kriterien, die auf ein atypisches Parkinson-Syndrom hinweisen, einzugehen (Tab. 2).

Tab. 2: Klinische Charakteristika hinweisend auf ein APS

Motorische Symptome:

  • früh im KH-Verlauf auftretende posturale Instabilität/Stürze
  • rasches Fortschreiten der Symptome
  • mangelndes Ansprechen auf Levodopa
  • positive Pyramidenbahnzeichen
  • zerebelläre Symptome
  • früh auftretende Dysarthrie/Dysphagie

Okulomotorik:

  • supranukleäre Blickparese/verlangsamte Sakkaden

Kognition/Verhalten:

  • früh auftretende Demenz
  • visuelle Halluzinationen (nicht durch dopaminerge Therapie induziert)
  • Apraxie
  • sensorischer/visueller Neglect

Autonome Symptome:

  • früh auftretendes autonomes Versagen (unabhängig von dopaminerger Therapie auftretend), wie orthostatische Hypotension, Impotenz, Dranginkontinenz/Blasenentleerungsstörungen
Übersetzt nach: Litvan 20008

Klinik: So ist die Diagnose IPS eher unwahrscheinlich, wenn die Krankheit generell schnell voranschreitet und schon früh eine posturale Instabilität auftritt. Ein nur mangelndes oder vorübergehendes Ansprechen auf die dopaminerge Therapie lässt ebenfalls die Diagnose IPS anzweifeln, wobei auch bei bis zu 30% der MSA-PatientInnen ein zumindest zu Beginn der Krankheit vorübergehendes Ansprechen auf die dopaminerge Therapie verzeichnet werden kann (üblicherweise nimmt dies schließlich im Krankheitsverlauf ab). Früh im Krankheitsverlauf auftretende (meist visuelle) Halluzinationen – unabhängig von der Therapie oder Vorliegen eines demenziellen Syndroms – sind nicht typisch für IPS und eher hinweisend auf eine Demenz mit Lewy-Körperchen (DLK); prinzipiell ist jedoch derzeit noch unklar, ob es sich bei DLK und IPS wirklich um zwei verschiedene Krankheitsentitäten handelt oder wohl beide zu dem Spektrum „Lewy-Körperchen-Erkrankung“ zu zählen sind, wobei per definitionem für eine DLK das Auftreten des demenziellen Syndroms in der Anamnese zuvor bzw. zugleich mit den Parkinson-Symptomen gefordert wird (Tab. 3).
Eine früh im Krankheitsverlauf auftretende posturale Instabilität ist ein insgesamt nur seltenes Charakteristikum der IPS; bei vorherrschenden Stürzen (zumeist nach hinten) sollte an eine PSP gedacht werden (Tab. 4), wobei auch bei MSA-PatientInnen eine posturale Instabilität bereits früh auftreten kann.
Positive Pyramidenbahnzeichen (wie Babinski-Zeichen) schließen ein IPS nahezu aus, vielmehr sind diese in ca. ein Drittel bis der Hälfte der atypischen Parkinson-Syndrome festzustellen. Zerebelläre Symptome (wie Stand-/Gangataxie, Dysmetrie) sprechen ebenfalls gegen die Diagnose IPS, wobei vor allem im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf eine klinische Differenzierung zwischen Gangstörung aufgrund der ausgeprägten posturalen Instabilität oder (eventuell auch zusätzlich bestehenden) zerebellären Ataxie schwierig sein kann.
Ein weiteres für die klassische IPS untypisches Symptom sind Myoklonien im Bereich der Extremitäten oder Gesichtsmuskulatur – vielmehr werden diese bei bis zu 30% der MSA-PatientInnen beobachtet und können sogar noch häufiger bei der CBS oder DLK auftreten.
Das Vorliegen einer vertikalen Blickparese bzw. Verlangsamung der Sakkaden stellt hingegen nahezu ein diagnostisches Kriterium für die PSP dar.
Auch ist sowohl eine ausgeprägte Dysarthrie und/oder Dysphagie eher untypisch für IPS, obwohl dies im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auch bei IPS-PatientInnen auftreten kann.
Darüber hinaus sind autonome Symptome speziell für eine MSA charakteristisch, wie z.B. eine früh auftretende Dranginkontinenz oder Blasenentleerungsstörung bzw. erektile Dysfunktion sowie auch kardiovaskuläre Regulationsstörungen wie eine ausgeprägte orthostatische Hypotension (auch mit orthostatisch bedingten vasovagalen Synkopen); insgesamt spricht auch hier deren frühes Auftreten im Krankheitsverlauf eher gegen IPS und für ein atypisches Parkinson-Syndrom wie die MSA, jedoch können aufgrund der Beteiligung autonomer Zentren auch bei der IPS die autonomen Symptome nicht mit endgültiger Sicherheit zwischen IPS oder atypischen Parkinson-Syndrom differenzieren (Tab. 5).

Tab. 3: DLK Diagnosekriterien (übersetzt nach McKeith 2005)10

1. Zentrales Kriterium „Central feature“ (Voraussetzung für mögliche oder wahrscheinliche DLK

  • Demenz definiert als eine progressive Verschlechterung kognitiver Funktionen, sodass bei Alltagsaktivitäten Einschränkungen bestehen.
  • Vorherrschendes oder persistierendes Gedächtnisdefizit muss nicht von Beginn an bestehen, tritt jedoch im Verlauf der Erkrankung auf.
  • Besonders vorherrschen können Defizite bei Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen, visuospatiale Funktionen.

2. Kernkriterien „Core features“ (2 oder mehrere für „wahrscheinliche DLK“, 1 für „mögliche DLK“)

  • Fluktuierende Kognition mit variierenden Defiziten bei Aufmerksamkeit und Wachheit
  • Rezidivierende visuelle Halluzinationen
  • Spontan auftretende Parkinson-Symptome

3. Kriterien, die auf die Diagnose „Suggestive features“ hinweisen (1 oder mehr plus 1 Kernkriterium für „wahrscheinliche DLK“, 1 oder mehr ohne Kernkriterium für „wahrscheinliche DLK“)

  • REM-Schlaf-Verhaltenstörung
  • Ausgeprägte Empfindlichkeit auf Neuroleptika
  • Herabgesetztes Dopamintransporter-Bindungspotenzial in den Basalganglien im SPECT oder PET

4. Unterstützende Kriterien „Supportive features“ (in der klinischen Routine häufig auftretend, dzt. ohne bewiesene diagnostische Spezifität)

  • Rezidivierende Stürze und Synkopen
  • Unklare transiente Bewusstlosigkeit
  • Schwere autonome Dysfunktion (OH, Inkontinenz)
  • Andere (nicht visuelle) Halluzinationen
  • Wahnhafte Störungen
  • Depressionen
  • Relative Erhaltung des med. Temporallappens im CT/MRT
  • Pathologisches myokardiale MIBG-Szintigraphie
  • Prominente Verlangsamung im EEG mit temporal eingelagerten Spitzen

5. Die Diagnose. DLK ist weniger wahrscheinlich bei:

  • Zerebrovaskulärer Ursache fokal neurologischer Störungen
  • Andere, die klinische Präsentation erklärende zerebrale Pathologie
  • Auftreten von Parkinson-Symptomen erst im fortgeschrittenen Stadium der Demenz

6. Zeitlicher Zusammenhang der Symptome

  • Auftreten der Demenz vor oder zeitgleich mit Parkinsonsymptomen
  • Der Begriff „Parkinson-Demenz“ sollte verwendet werden, wenn ein demenzielles Syndrom im Verlauf einer klassischen Parkinson-Krankheit auftritt
  • Die verschiedenen klinischen Phänotypen können unter dem Oberbegriff „Lewy-Körperchen-Krankheit“ oder „Alpha-Synukleinopathie“ kategorisiert werden.
Übersetzt nach: McKeith 200510

Klinisches Spektrum der Tauopathien: Während die klinische Präsentation der Alpha-Synucleinopathien DLK und MSA homogen erscheint, hat sich in den letzten Jahren eine zunehmende Heterogenität der Tauopathien PSP und CBS gezeigt. Neben der klassischen Richardson-Variante der PSP, die oben beschrieben wurde, existieren offenbar als Ausdruck unterschiedlicher Tau-Läsionslast und Verteilung mindestens 3 weitere seltenere Varianten. Diese umfassen eine IPS-ähnliche Präsentation mit passagerem L-Dopa-Respons und verzögertem Auftreten von Blickparese und Sturzneigung (PSP-Parkinson-Typ)5, die so genannte pure akinesia and gait freezing (wurde zunächst in Japan beschrieben und von Williams et al. 20076 in westlichen PatientInnenpulationen dokumentiert) sowie das kortikobasale Syndrom als Kombination eines therapierefraktären Hemiparkinson/-dystonie-Syndroms mit einer ideomotorischen Apraxie und progredienten Demenz7. Interessanterweise ist eine kortikobasale Degeneration nur für 30% der CBS-Fälle verantwortlich, führend ist dagegen eine PSP-Pathologie. Eine Überarbeitung der PSP-Diagnosekriterien erscheint angesichts dieser phänotypischen Erweiterung des klinischen Spektrums als unumgänglich.

Tab. 4: PSP Diagnosekriterien (übersetzt nach Litvan 1996)11

1. Mögliche PSP: progrediente Erkrankung mit Beginn nach dem 40. Lebensjahr

  • Vertikale Blickparese und/oder verlangsamte vertikale Sakkaden und ausgeprägte posturale Instabilität mit Stürzen im 1. Jahr der Erkrankung
  • Keine andere bestehende Krankheit, die o. g. Kriterien erklären könnte (s. a. Ausschlusskriterien)

2.Wahrscheinliche PSP: progrediente Erkrankung, Beginn im 40. Lebensjahr oder später

  • Vertikale Blickparese und ausgeprägte posturale Instabilität mit Stürzen im 1. Jahr der Erkrankung
  • Keine andere bestehende Krankheit, die o. g. Kriterien erklären könnte (s. a. Ausschlusskriterien)

3. Gesicherte PSP

  • Klinisch mögliche oder wahrscheinliche PSP und histopathologisch nachgewiesene PSP-Veränderungen

4. Ausschlusskriterien

  • Enzephalitis
  • „Alien-Limb-Syndrom“
  • Halluzinationen unabhängig von dopaminerger Therapie
  • Typische Symptome für Alzheimer-Demenz (s. NINCDS-ADRA-Kriterien)
  • Ausgeprägte zerebelläre oder autonome Störungen
  • Ausgeprägte asymmetrische Parkinson-Symptome
  • Neuroradiologisch strukturelle Veränderung
  • Mb. Whipple

5. Unterstützende Kriterien

  • Symmetrische Akinese oder Rigidität, proximal betont
  • Mangelndes oder fehlendes Ansprechen auf L-Dopa
  • Früh auftretende Dysphagie oder Dysarthrie
  • Früh auftretende kognitive Störungen (inkl. mindestens 2 der Folgenden: Apathie, abstraktes Denken, reduzierter Wortfluss, frontale Zeichen)
Übersetzt nach: Litvan 199611

Diagnosestellung: Die Diagnose von IPS und APS bleibt primär klinisch, und der Stellenwert von Zusatzuntersuchungen wie Bildgebung oder Neuropsychodiagnostik wurde bislang ausschließlich bei klinisch bereits gesicherten Fällen untersucht. Jeder/jede Parkinson-PatientIn sollte aber zum Ausschluss von sekundären Ursachen bzw. zum Nachweis verschiedener APS-spezifischer Veränderungen mittels zerebralem MRT untersucht werden (MSA: rim sign, hot cross bun sign, OPCA-Atrophie-Muster; PSP: Mickey Mouse sign, humming bird sign, Mittelhirn- sowie frontale Atrophie; DLK: relative Verschonung des mesialen Temporallappens; CBS: einseitig betonte frontoparietale Atrophie).
Weitere Untersuchungen sind von der klinischen Präsentation abhängig zu machen (z.B. Kipptischuntersuchung bzw. Urodynamik bei Verdacht auf autonomes Versagen im Rahmen von MSA oder DLK, Neuropsychodiagnostik bei Verdacht auf kognitive Einschränkung im MMSE-Screening, DAT SPECT bei Verdacht auf nichtdegeneratives Parkinson-Syndrom, FDG PET zum Nachweis von Basalganglien, Hirnstamm oder Kleinhirnpathologie bei Verdacht auf MSA, DLK oder PSP/CBS).

Tab. 5: Diagnosekriterien MSA

1. Wahrscheinliche MSA
Eine sporadische, progressive, im Erwachsenenalter beginnende Erkrankung, charakterisiert durch:

  • autonomes Versagen mit Inkontinenz (mit ED bei Männern) oder orthostatischen Blutdruckabfall innerhalb 3 min Stehens (zumindest 30 mmHg systolisch oder 15 mmHg diastolisch) und
  • ein mangelhaft auf L-Dopa ansprechendes Parkinson-Syndrom (Bradykinese und Rigidität, Tremor oder posturale Instabilität) oder
  • ein zerebelläres Syndrom (Gangataxie und zerebelläre Dysarthrie, Extremitätenataxie, oder zerebelläre okulomotorische Störung)

2. Mögliche MSA
Eine sporadische, progressive, im Erwachsenenalter beginnende Erkrankung, charakterisiert durch:

  • Parkinson-Syndrom (Bradykinese und Rigidität, Tremor oder posturale Instabilität) oder
  • ein zerebelläres Syndrom (Gangataxie und zerebelläre Dysarthrie, Extremitätenataxie, oder zerebelläre okulomotorische Störung) und
  • zumindest ein Kriterium für autonomes Versagen (anderweitig nicht erklärbare Drangsymptomatik oder Blasenentleerungsstörung, ED bei Männern oder signifikanter orthostatischer Blutdruckabfall, der die Kriterien für „wahrscheinliche MSA“ nicht erfüllt) und
  • zumindest eines der zusätzlichen Kriterien (s. 3.)

3. Zusätzliche Kriterien
mögliche MSA-P oder MSA-C

  • Babinski-Zeichen und Hyperreflexie
  • Stridor mögliche MSA-P
  • rasch fortschreitendes Parkinson-Syndrom
  • schlechtes Ansprechen auf L-Dopa
  • posturale Instabilität innerhalb von 3 Jahren nach Beginn der motorischen Symptome
  • Gangataxie, zerebelläre Dysarthrie, Extremitätenataxie, zerebelläre okulomotorische Dysfunktion
  • Dysphagie innerhalb von 5 Jahren nach Beginn der motorischen Symptome
  • im MRT Atrophie des Putamens, Kleinhirnstiels, Pons, Cerebellums
  • Hypometabolismus im FDG-PET im Bereich des Putamens, Hirnstamms, Pons, Cerebellums mögliche MSA-C
  • Parkinson-Syndrom (Bradykinese und Rigidität)
  • im MRT Atrophie des Putamens, Kleinhirnstiels, Pons
  • Hypometabolismus im FDG-PET im Bereich des Putamens
  • präsynaptische Denervation im nigrostriatalen Dopaminsystem im SPECT oder PET
Übersetzt nach: Gilman 20089

Fact-Box

Die Diagnose der verschiedenen Parkinson- Syndrome bleibt eine klinische Diagnose, wobei die endgültige Differenzierung nur post mortem möglich ist. Jedoch ist eine frühe und möglichst akkurate Diagnose wegweisend hinsichtlich adäquater Führung des/der PatientIn und reduziert zudem unnötige und womöglich kostenintensive Zusatzdiagnostik. Außerdem wirkt sich eine angemessene Therapie (sowohl medikamentös als auch physikalisch und neurorehabilitativ) entscheidend auf die Symptomkontrolle aus; auch hat sich gezeigt, dass angemessen therapierte IPS-PatientInnen eine nahezu normale Lebenserwartung erreichen können.  

Dr. Susanne Dürr, Univ.-Prof. Dr. Gregor Wenning, MSc
Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Innsbruck

1 Wenning GK et al., Prevalence of movement disorders in men and women aged 50–89 years (Bruneck Study cohort): a population-based study. Lancet Neurol 2005; 4(12):815–20
2 Hughes AJ et al., The accuracy of diagnosis of parkinsonian syndromes in a specialist movement disorder service. Brain 2002; 125(Pt 4):861–70
3 Gibb WR, Lees AJ, The relevance of the Lewy body to the pathogenesis of idiopathic Parkinson's disease. J Neurol Neurosurg Psychiatry 1988 Jun; 51(6):745–52
4 Lees AJ, Hardy J, Revesz T, Parkinson’s disease. Lancet. 2009;13; 373(9680):2055–66
5 Williams DR et al., Characteristics of two distinct clinical phenotypes in pathologically proven progressive supranuclear palsy: Richardson’s syndrome and PSP-parkinsonism. Brain 2005; 128(Pt 6):1247–58
6 Williams DR et al., Pure akinesia with gait freezing: a third clinical phenotype of progressive supranuclear palsy. Mov Disord 2007; 15; 22(15):2235–41
7 Wenning GK et al., Natural history and survival of 14 patients with corticobasal degeneration confirmed at postmortem examination. J Neurol Neurosurg Psychiatry 1998; 64(2):184–9
8 Litvan I et al., Research goals in progressive supranuclear palsy. First International Brainstorming Conference on PSP. Mov Disord 2000; 15(3):446–58
9 Gilman S, Wenning GK et al., Second consensus statement on the diagnosis of multiple system atrophy. Neurology 2008 Aug 26; 71(9):670–6
10 McKeith IG et al., Diagnosis and management of dementia with Lewy bodies: third report of the DLB Consortium. Neurology 2005 27; 65(12):1863–72
11 Litvan I et al., Accuracy of clinical criteria for the diagnosis of progressive supranuclear palsy (Steele-Richardson-Olszewski syndrome). Neurology 1996; 46(4):922–30

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