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PharmAustria 03/11

Diskussion Frauenforum: Wiener Spitalskonzept 2030

Die Herausforderungen an das Wiener Gesundheitswesen sind groß. Der Anteil älterer Patienten steigt, der niedergelassene Bereich ist zu wenig versorgungswirksam. Medizinische Innovationen werden von den Spitälern alleine getragen – und diese sind zum Großteil rund 80 Jahre alt. Handlungsbedarf ist evident. Die Stadt Wien entwickelt daher eine Gesundheitsstrategie für die nächsten 20 Jahre.

Das Wiener Spitalskonzept 2030 ist ein ambitioniertes Projekt der Gesundheitsstadträtin Mag. Sonja Wehsely, über das wir seit einigen Wochen intensiv informiert werden. Die Netzwerkerinnen des von MEDahead veranstalteten „Frauenforums“ hatten bei ihrem letzten Treffen am 17. Mai 2011 exklusiv die Gelegenheit, das Projekt mit der Initiatorin persönlich zu diskutieren.
„Die Lobby“ – neutrale Meeting-Räumlichkeit der Public und Business Relations Agentur ACCEDO in der Löwelstraße 20 im 1. Bezirk – ist gut besucht. Das Thema interessiert und hat rund 50 Netzwerkerinnen angelockt. Unter dem Motto „Vieles wird neu“ stellt Wehsely dann auch mit viel Enthusiasmus und unverkennbarer Überzeugung das Konzept vor.

Der langfristig angelegte Plan sei sicherlich ehrgeizig, aber das Gesundheitswesen stehe vor massiven Herausforderungen und erfordere daher dringenden Handlungsbedarf, so Wehsely.
„Damit wir auch 2030 sagen können: Wir haben das beste Gesundheitssystem der Welt, müssen wir jetzt die Weichen stellen“, betont die Stadträtin und fasst die größten Herausforderungen zusammen:

  • Die demografische Entwicklung verlangt nach einer stetigen, rollierenden Planung.
  • Der niedergelassene Bereich hat für die gesundheitliche Versorgung der Wienerinnen und Wiener nicht jene Rolle, die für ein funktionierendes Zusammenspiel von Spitälern und extramuralem Bereich notwendig wäre.
  • Die medizinischen Innovationen und deren Finanzierung werden nur durch die Spitäler getragen.
  • Das Budget des Wiener Krankenanstaltenverbundes stieg zwischen 2004 und 2009 jährlich um 5,7%, während das Bruttoinlandsprodukt um durchschnittlich 2,1% wuchs.
  • Die KAV-Spitäler haben eine sehr alte Bausubstanz; ihre Erhaltung ist extrem teuer. Wie lauten nun die Strategien, die dem entgegenwirken? Die wichtigsten Schlagwörter des Spitalskonzepts 2030 sind „Standortkonzentration“, „Kostenanstieg dämpfen“ und „Effizienz steigern“. Das Konzept setzt dabei auf 8 Eckpunkte:

1. Mehr Qualität. Weniger Häuser.
Schrittweise werden medizinische Abteilungen verlegt. 2030 soll es in Wien sieben zentrale Spitalsorganisationen geben: das Krankenhaus Hietzing, das Kaiser-Franz-Josef-Spital, das gemeinsam geführte Wilhelminenspital und Otto- Wagner-Spital, die Rudolfstiftung, das Krankenhaus Nord, das Donauspital und das AKH Wien. Das Kaiserin-Elisabeth-Spital wird bis 2015/2016 zu einem modernen Pflegewohnhaus mit sozialmedizinischer Betreuung, die Angebote des Hauses sowie jene des SMZ Sophienspital werden übersiedeln.

2. Mehr Investitionen. Weniger Betriebskosten.
Die Konzentration auf sieben Spitalsorganisationen mit den notwendigen Um- und Zubauten für Zentralbauten garantiert, dass ein vernünftiges Maß an Mitteln in bauliche Maßnahmen fließt, der Löwenanteil jedoch in die PatientInnenversorgung. Alleine durch die Übersiedlung der Standorte SMZ Sophienspital und Kaiserin-Elisabeth-Spital werden jährliche Betriebskosten von 28 Millionen Euro für bauliche Investitionen im Rahmen des Wiener Spitalskonzepts 2030 frei.

3. Mehr Eigenständigkeit. Weniger Bürokratie.
Der Krankenanstaltenverbund bekommt bei 100-prozentiger Eigentümerschaft durch die Stadt Wien eine neue Struktur, die mehr Handlungsfähigkeit bringt. Der KAV wurde am 1. Jänner 1993 gegründet – auf Basis des Wiener Gesundheits- und Krankenanstaltenplans 1990. Das Anliegen war schon damals, der KAV möge „wie ein Unternehmen weit gehende Selbstständigkeit“ besitzen.

4. Mehr Transparenz.
Transparenz in Sachen Qualität bietet für die Patienten und deren Angehörige eine wesentliche Orientierungsgrundlage. Der KAV hat ein Indikatorenset zur Messung von Ergebnisqualität erarbeitet, anhand dessen seit heuer die medizinische und pflegerische Ergebnisqualität dargestellt werden kann.

5. Mehr Kostenkontrolle.
Der Anteil des KAV an den Gesamtausgaben Wiens ist von rund 10% im Jahr 2002 auf 14,45% im Budget 2011 gestiegen. Damit die Kosten besser kontrolliert werden können, sei eine längerfristige Budgetperspektive das Ziel. „Alle Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung müssen realisiert werden“, so Wehsely.

6. Mehr Mitarbeiterzufriedenheit.
Wenn es um Mitarbeiterzufriedenheit geht, sind vor allem die Führungskräfte gefordert. Besonderes Augenmerk müsse dabei auf Arbeitszeiten, gegenseitige Wertschätzung und die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter gelegt werden. Ein wichtiger Aspekt ist aber auch, Kompetenzen richtig einzusetzen. Derzeit läuft an zwei Standorten das Projekt „Skills and Grade Mix“, im Rahmen dessen überprüft wird, ob und wie die Kompetenzen der Mitarbeiter im Pflegebereich optimal eingesetzt werden.

7. Mehr Angebot. Weniger Überkapazität.
Mit der Verlegung von Bettenkapazitäten in den bevölkerungsreichen Norden und Osten der Stadt könne die Versorgung der Wiener Bevölkerung treffsicherer werden. Die Schaffung von Tages- und Wochenkliniken und die Verkürzung der Verweildauer von Patienten im stationären Bereich ermöglichen die Reduktion von stationären Betten. Zusätzlich wurde ein neues OP-Anmeldesystem eingeführt, das kürzere Wartezeiten auf Operationstermine gewährleistet. All das führe zu einem besseren Angebot – bei weniger Überkapazität.

8. Mehr Patientenorientierung.
Nicht für jede Erkrankung ist ein Spital der richtige Behandlungsort. Wenn der niedergelassene Bereich den Bedürfnissen der Patienten bei den Öffnungszeiten entgegenkommt, dann könnten sich die Ambulanzen der Spitäler auf die Hilfe für Notfälle konzentrieren. Ohne Unterstützung durch den Bund, die Sozialversicherung und die Ärztekammer wird hier eine Verbesserung aber nicht möglich sein, so die Gesundheitsstadträtin.

Lust, beim nächsten Frauenforum dabei zu sein?
Dieses findet am 13. September 2011 statt. Wer über den eigenen Tellerrand blicken und sich einen kurzen, präzisen Gedankenstoß oder Motivationsschub für sich selbst oder für den Beruf holen will, ist herzlich willkommen!

Autorin: Mag. Sonja Prückler

Info & Kontakt

MEDahead – Gesellschaft für medizinische Information m.b.H.
Seidengasse 9/Top 1.1, 1070 Wien
Tel.: 01/607 02 33-68
g.drechsler(at)medahead.at

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