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Spectrum Onkologie 03/10

Translationelle Forschung: Darf ’s ein bisserl mehr sein?

Wenn das Thema „Translationelle Forschung“ diskutiert wird, gibt es so gut wie immer eine klare Übereinstimmung und eine übereinstimmende Unklarheit. So sehr Uneinigkeit über die Frage „Was ist translationelle Forschung?“ besteht, so sehr sind sich die Forscher in der Feststellung einig: Translationelle Forschung ist akzeptiert, spannend und nützlich zugleich. Die Aufgabe von translationeller Onkologie ist es, die Lücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung zu schließen (Stichwort: from bench to bedside). Damit sind wir aber noch nicht am Ende angelangt: dieses Unterfangen ist keine Einbahn. Deshalb wird auch zunehmend der umgekehrte Weg beschritten, wofür Sie in den folgenden Artikeln anregende Beispiele finden werden. Beobachtungen an Patienten werden aus seiner komplexen Natur gelöst und in experimentelle Systeme übertragen, um zum Beispiel Mechanismen der Krebsentstehung und ihre pharmakologische Beeinflussung unter definierten Bedingungen zu erfassen und zu ergründen. Damit wird der auf Hypothesen aufbauenden Forschung ein unmittelbar realitätsbezogener Ansatz hinzugefügt, der von der Entwicklung innovativer Diagnostik (Biomarker) über neue Techniken und experimentelle Werkzeuge bis zur Erforschung neuer therapeutische Ansätze reicht. Die Betonung liegt dabei auf „hinzugefügt“: Gute translationelle Forschung erkennen Sie daran, dass es immer eine fundierte Arbeitshypothese gibt. Ob diese aus dem Labor oder der Klinik stammt, spielt dabei keine Rolle. Dieser realitätsbezogene Ansatz wird die translationelle Forschung bis tief in unser heutiges Gesundheitssys tem hineintragen, was die EU in ihren Ausschreibungen zum 7. Rahmenprogramm bereits verinnerlicht hat. Im realpolitischen Österreich sind dafür die geis tigen Grundlagen in den politischen Köpfen nur zögerlich im Entstehen, ganz zu schweigen von einer Skepsis, die mit wenigen positiven Ausnahmen (immerhin gibt es sie!) bis tief in die Förderinstitutionen hineinreicht.
Daher widerspreche ich meiner eigenen Überschrift gleich selbst: Es DARF nicht nur ein bisserl mehr translationelle Onkologie sein, es MUSS deutlich mehr werden. Und dies RASCH, um nicht wieder einmal den Anschluss an die aktuellen Forschungsströmungen zu verpassen.
Die Beiträge dieser Ausgabe von SPECTRUM Onkologie werden Sie hoffentlich von dieser Notwendigkeit überzeugen, falls Sie dies nicht ohnehin schon längst sind. Gleichzeitig soll das vorliegende Degustationsmenü in 9 Gängen Lust auf mehr machen: Daher soll ab jetzt eine Rubrik zum Thema „Translationelle Forschung“ in jedem Heft erscheinen – es sind noch viele Fragen offen, und diese sind nicht nur spannend, sie sind darüber hinaus auch eines: wirklich und gegenwärtig!

Univ.-Prof. Dr. Robert Mader
Direktor für Translationelle Forschung, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien

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