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Spectrum Osteoporose 01/08

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die Osteoporose ist eine chronische metabolische Erkrankung, welche durch ein knöchernes Skelett minderer Qualität charakterisiert ist. Die Relevanz dieser zunächst unbemerkt verlaufenden Erkrankung besteht in dem mit fortschreitender Krankheit zunehmenden Risiko, selbst bei geringer Gewalteinwirkung Frakturen zu erleiden. Ähnlich wie bei anderen chronischen Erkrankungen ist aufgrund der Zunahme der Lebenserwartung auch hinsichtlich der Osteoporose weltweit eine dramatische Zunahme der Prävalenz bzw. Inzidenz osteoporotischer Frakturen für die nächsten 4 Jahrzehnte zu erwarten.

Die Signifikanz einer osteoporotischen Fraktur liegt abhängig von der jeweiligen Frakturart einerseits in deren unmittelbaren Folgen wie Schmerz, Größenverlust und Mobilitätsverlust, und andererseits in deren mittelbaren oder längerfristigen Folgen wie chronische Schmerzen, Verlust sozialer Integration, dem Risiko einer deutlich erhöhten Mortalität, sowie ganz besonders dem Risiko eines vielfach gesteigerten Risikos für weitere Frakturen. So ist beispielsweise nach einer erstmals eingetretenen Wirbelkörperfraktur das Risiko für eine weitere um mehr als das 4-Fache, nach einer erstmals eingetreten Hüftfraktur das Risiko für eine weitere um mehr als das Doppelte erhöht.

Der zumeist symptomlose Weg vom Beginn dieser metabolischen Erkrankung bis zum Auftreten der ersten Fraktur umfasst in der Regel viele Jahre oder Jahrzehnte. Neben einer genetischen Prädisposition, welche als bestimmend für die Knochenmasse bzw. Knochenqualität von Einzelpersonen angenommen werden kann, spielen hormonelle Veränderungen wie sie typischerweise in den Wechseljahren der Frau auftreten, zweifelsohne die Hauptrolle an der Entstehung einer Osteoporose. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Faktoren, welche einzeln oder in Kombination vorliegend die Entstehung der Osteoporose begünstigen oder den Verlauf beschleunigen können.

Vom reinen T-Score-Pragmatismus hin zum individuellen Case-Finding: Was auch immer die Entwicklung einer Osteoporose verursacht oder begünstigt, die lange „Latenzperiode" bis zum Auftreten der ersten Fraktur scheint die Osteoporose für den frühzeitigen Einsatz sogenannter Screening-Methoden geradezu zu prädisponieren. Als eines der ältesten probaten Werkzeuge zur Früherkennung ist zweifelsohne die Osteodensitometrie zu nennen, deren Goldstandard-Technologie nach wie vor durch die Zwei-Spektren-Röntgen-Absorptiometrie (DXA-Methode) repräsentiert wird. Adäquate epidemiologische Untersuchungen lassen allerdings erkennen, dass nicht einmal die Hälfte aller Personen, welche bereits eine osteoporotische Fraktur erlitten haben, osteodensitome-trisch auch tatsächlich eine Osteoporose aufweist. Mit anderen Worten: das individuelle Knochenbruchrisiko einer Einzelperson kann mittels Osteodensitometrie nur sehr eingeschränkt beurteilt werden. Eine Reihe von Risikofaktoren hat sich jedoch hinsichtlich Fraktur-Vorhersagekraft als der Osteodensitometrie ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen erwiesen: das Alter, das Geschlecht, eine systemische Glukokortikoidtherapie, die chronische Polyarthritis, vorangegangene Frakturen, eine Hüftfraktur Verwandter ersten Grades sowie übermäßiger Alkohol- bzw. Nikotinkonsum. Diese leicht erhebbaren Faktoren führen gemeinsam mit den Messergebnissen der Osteodensitometrie zu einer dramatischen Verbesserung der Vorhersagegenauigkeit des individuellen Frakturrisikos. Eine auf den genannten Parametern beruhende elektronische und WHO-konforme Online-Version zur Berechnung des absoluten 10-Jahres-Frakturrisikos einer Person steht nun allen Interessierten seit Frühjahr 2008 unter der Bezeichnung FRAXTM zur Verfügung (http://www.shef.ac.uk/FRAX).

Ein umfassendes Medium, welches der gesamten Komplexität der Entität Osteoporose - mit seiner Vielzahl an involvierten medizinischen Fachdisziplinen -gerecht wird, stand bislang in Österreich allerdings nicht zur Verfügung. Umso erfreulicher ist es, dass mit der nun vorliegenden Erstausgabe von SPECTRUM OSTEOPOROSE erstmals ein Medium angeboten werden kann, welches ausschließlich allen Aspekten rund um das Thema Osteoporose gewidmet ist. SPECTRUM OSTEOPOROSE richtet sich an Ärztinnen und Ärzte aller Fachdisziplinen, sowie an alle interessierten Leserinnen und Leser. Entsprechend der Zielsetzung, einzelne Ausgaben dieses Periodikums mit Schwerpunktthemen zu versehen, finden sich in der vorliegenden Ausgabe Beiträge namhafter Expertinnen und Experten zur medikamentösen, chirurgischen und rehabilitativen Behandlung der postmenopausalen Osteoporose.

In der Hoffnung, die Bedürfnisse und Erwartungen einer derart breiten und am Thema Osteoporose interessierten Leserschaft erfüllen zu können, darf ich Ihnen abschließend viel Freude mit der Lektüre dieses neuen Mediums wünschen.

Univ.-Prof. Dr. Hans Peter Dimai
Universitätsklinik für Innere Medizin, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Nuklearmedizin, Medizinische Universität Graz
hans.dimai@meduni-graz.at

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