SP 04|2016

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Vom Überleben zum Leben
    „Wenn du dich einmal verliebt hast, kannst du unterscheiden, was Leben und was Überleben ist. Du weißt, dass Überleben Leben ohne Sinn und Sinnlichkeit bedeutet. Es ist ein schleichender Tod: … du berührst Dinge und spürst sie doch nicht, du ...Weiterlesen ...

Focus: Krankheitskonzepte in der Psychiatrie

  • Was ist „normal“, was ist „krank“? Krankheitsbegriff und Diagnostik in der Psychiatrie

    Eine relevante psychische Erkrankung sollte dann diagnostiziert werden, wenn lebensrelevante Funktionsfähigkeiten beeinträchtigt sind und die betroffene Person darunter leidet oder in ihrer Bewältigung des Alltags beeinträchtigt ist.

    Der Krankheitsstatus einzelner Syndrome und ihrer Verläufe hängt nicht vom Vorhandensein eines organischen Korrelats ab, sondern von der generellen medizinischen Bedeutung des Zustandes und dessen individuell schädlichen Folgen.

    Psychische Erkrankungen sind normal und gehören zum Alltag.

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  • Transkulturelle Krankheitskonzepte in der Psychiatrie

    Aufgrund der großen Migrationsbewegungen muss sich das medizinische Versorgungssystem auf eine große Zahl sehr heterogener Bevölkerungsgruppen vorbereiten.

    Im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen gilt es sprach- und kulturgebundene Barrieren zu überwinden und eine interkulturelle Verständigung herzustellen; deshalb muss die interkulturelle Kompetenz als unverrückbarer Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterqualifizierung aller Berufsgruppen des psychiatrisch-psychotherapeutischen Gesundheitssystems etabliert werden.

    Ziel ist es, die sozialen Lebensumstände von Patienten mit Migrationshintergrund, die individuellen Erklärungsansätze zu Gesundheit und Krankheit sowie die Erwartungen an die Behandlung zu kennen, allfällige Barrieren zu überwinden und dadurch zu einer angemessenen Inanspruchnahme des Gesundheitssystems beizutragen.

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  • Psychosomatische Krankheitskonzepte

    Die moderne Psychosomatik (bzw. Verhaltensmedizin) präsentiert sich heute als ganzheitliche Grundhaltung bzw. Integrationswissenschaft verschiedenster Einzeldisziplinen wie Medizin, Psychologie, Verhaltenswissenschaften, Soziologie, Psychotherapie, Neurobiologie, Anthropologie und andere.

    Ziel der Psychosomatik ist die Erfassung von Wechselwirkungen zwischen biologischen, psychischen und soziokulturellen Aspekten der Entstehung und Aufrechterhaltung von Krankheiten sowie deren Prävention, Behandlung und Rehabilitation.

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  • Behavioristisch-kognitive Krankheitskonzepte

    Behavioristische Konzepte beinhalten behaviorale, kognitive und emotionsbasierte Konzepte; diese können als Grundlage für das Verständnis und die Therapie psychischer Störungen dienen.

    In der Verhaltenstherapie wurden für die meisten psychischen Erkrankungen störungsspezifische Krankheitsmodelle und daraus abgeleitet störungsspezifische Therapiemanuale entwickelt. Diese Modelle und Anleitungen können allerdings nur als allgemeine Hilfestellung angesehen werden, die im Einzelfall modifiziert und angepasst werden müssen.

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  • Anthropologische Krankheitskonzepte

    Jede Psychiatrie ist notwendigerweise auch anthropologische Psychiatrie, da es ihr um den Menschen geht.

    Das Bestimmende ist, Krankheit nicht nur negativ, sondern positiv als eine Möglichkeit menschlicher Existenz aufzufassen, die auch Heilungscharakter hat.

    Ihren intensivsten Ausdruck findet anthropologisch-psychiatrisches Denken in einer Psychopathologie der Freiheit.

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  • Psychoanalytische Krankheitskonzepte

    Wie alle Psychotherapien ist auch die Psychoanalyse primär mit psychischen Störungen und Krankheitsbildern befasst, die auf eine psychogene Kausalität verweisen. Dies bedeutet weiters, dass sie größtenteils als umweltbedingt zu betrachten sind und auf lebens-, erfahrungs- und lerngeschichtliche Zusammenhänge zurückgeführt werden können.

    In Erweiterung zu anderen diesbezüglichen Auffassungen ist der psychoanalytische Ansatz dadurch gekennzeichnet, dass er die Bedeutung unbewusster Faktoren für die Genese dieser Störungen in besonderer Weise berücksichtigt, und dass er durch die Überführung chronisch gewordener psychopathologischer Phänomene in erlebnisnahe Re-Aktualisierungen der ihnen zugrunde liegenden Triebfixierungen und Objektbeziehungen (Übertragungs-analyse) Normalisierungen im Sinne von Sublimierungen ermöglicht.

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Panorama

  • Ätiologische Faktoren bei Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis – ein innovatives bio-psycho-soziales Erklärungsmodell

    Herkömmliche bio-psycho-soziale Erklärungsmodelle für Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis berücksichtigen biologische, psychische und soziale Faktoren oft nicht gleicher­maßen.

    Daher wird ein umfassendes evidenzbasiertes Modell erstellt, das genetische Anteile, prä- und perinatale Faktoren, Gehirnentwicklung und Gehirnstoffwechsel, Umweltfaktoren, negative Erlebnisse in der Kindheit, kognitive Vulnerabilitätsfaktoren, Persönlichkeitsfaktoren sowie Faktoren im frühen Erwachsenenalter miteinbezieht.

    Das Modell ist grafisch darstellbar und kann in der Patientenbehandlung (Psycho­-edukation) sowie für die Ableitung weiterer Interventionen verwendet werden.

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  • Stationäre Therapie von Patienten mit Traumafolgestörungen

    Das Therapiekonzept des „Psychosomatisches Zentrum Waldviertel“ versteht sich als methodenintegrativ, multimodal, ganzheitlich, ressourcen- und handlungsorientiert und als schonende Traumatherapie; als Basis dienen die Richtlinien deutschsprachiger und europäischer Fachgesellschaften auf dem Gebiet der Traumatologie. Das Team ist psychotraumatherapeutisch ausgebildet und interdisziplinär.

    Das Behandlungsangebot umfasst traumaspezifische Psychotherapie und Spezialtherapien im Einzel- und Gruppensetting, medizinische Behandlungen, Pflegegespräche und Sozialarbeit.

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