Mikroskop und Laser - der kombinierte Einsatz in der Endodontie

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Zahn Krone 04/10

Mikroskop und Laser - der kombinierte Einsatz in der Endodontie

In der Endodontie liegt das Hauptaugenmerk auf der optimalen Reinigung des gesamten Kanalsystems. Mithilfe des OP-Mikroskops kann eine ideale Zugangskavität zu diesem System geschaffen werden. Verlegte Kanaleingänge oder versteckte Nischen bleiben somit für weitere Desinfektionsmaßnahmen nicht mehr verschlossen. Die Bestrahlung der Wurzelkanäle mittels Laser bewirkt über die herkömmliche Maßnahme hinaus einen weiterführenden antibakteriellen Effekt auch in tieferen Zahnschichten. Der kombinierte Einsatz von OP-Mikroskop und Laser ermöglicht so die Durchführung einer effektiven Infektionskontrolle im Rahmen einer modernen Wurzelkanalbehandlung.

Die Infektionskontrolle stellt einen sehr wichtigen Punkt in der endodontischen Therapie dar. Sie ist ein Hauptfaktor für den langfristigen Erfolg der gesamten Behandlung. Um diese optimal umzusetzen, ist es nach korrekter Diagnostik primär notwendig, einen guten Zugang zum gesamten Kanalsystem zu schaffen. Dies gewährleistet das Auffinden aller Kanaleingänge und den Zugang zu versteckten Nischen in der Pulpenkammer. Danach erfolgt die mechanische Aufbereitung der Kanäle mit den Wurzelkanalinstrumenten. Das mechanische Formen der Wurzelkanäle und eine gute Zugangskavität sind Vorbedingungen für eine wirksame chemische Desinfektion des gesamten Wurzelkanalsystems. Je besser der Hohlraum des Zahnes dargestellt und aufbereitet werden kann, desto besser kann daraus Gewebe entfernt und desto besser kann desinfiziert werden.

OP-Mikroskop und Endodontie

Ein großer Vorteil des OP-Mikroskops im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung liegt in der Herstellung einer optimalen Zugangskavität. Die entscheidenden Eigenschaften des Mikroskops sind hierbei die Möglichkeit einer starken Vergrößerung (bis zu 20-fach) und der optimalen Ausleuchtung des Arbeitsfeldes. Diese wird dadurch ermöglicht, dass die Sehachse und der Strahl der Lichtquelle ident sind. Aber Vergrößerung und gutes Licht sind nicht allein entscheidend. Erst dadurch wird allerdings der Einsatz spezieller, sehr kleiner Instrumente ermöglicht, z.B. sehr kleine Ultraschallspitzen und kleinste Kanalsonden. So wird eine substanzschonende Präparation der Pulpenkammer und Kanaleingänge ermöglicht (Abb. 1). Überhänge werden entfernt und Kanaleingänge freigelegt, ohne zu viel vom Zahn zu zerstören (Abb. 2). Es kann gerade so viel weggenommen werden wie nötig — ein idealer Kompromiss zwischen Herstellung eines optimalen Kanalzugangs und Zahnsubstanzschonung. Die Anwendung des Mikroskops führt erwiesenermaßen zu einer Verbesserung der Eingangspräparation, auch bei ungeübten Behandlern (Rampado et al. 2004). Darüber hinaus können zusätzliche Kanäle besser und schneller aufgefunden werden, beispielsweise der sehr häufig vorhandene vierte Kanal eines oberen Molaren (Abb. 1). Im Vergleich liegt die Wahrscheinlichkeit, diesen Kanal aufzufinden, mit dem freien Auge bei 17,2%, mit Lupenbrillen bei 62,5% und mit dem Mikroskop bei 71,1% (Buhrley et al. 2002). Nur gefundene Kanäle können aufbereitet werden und sind für Desinfektionsmittel wie auch für die Laserbestrahlung zugänglich. Weitere Einsatzgebiete des Mikroskops in der Endodontie liegen in der definitiven Diagnose von Sprüngen und Schmelz- oder Dentinfrakturen (Clark et al. 2003) und der Vermeidung von allseits bekannten Behandlungskomplikationen (Perforationen, Via falsa, Stufen). Komplikationen während der Wurzelkanalbehandlung können allerdings nicht nur erfolgreicher vermieden, sondern auch, falls schon vorhanden, besser beseitigt werden. unter dem OP-Mikroskop ist es möglich, Kanalkrümmungen, -vereinigungen oder -aufteilungen leichter zu entschärfen, fakturierte Instrumente zahnschonend zu entfernen und Perforationen wieder dicht zu verschließen (Abb. 3).
All diese Vorteile ermöglichen eine genauere und sichere Behandlung des betroffenen Zahnes und verbessern auch die Einsatzmöglichkeit der Desinfektionsmittel sowie die Wirksamkeit der Laserbestrahlung.

Laser und Endodontie

Der Laser wird in der Endodontie hauptsächlich zur Desinfektion eingesetzt. Hier bietet er Vorteile gegenüber den herkömmlichen Desinfektionsmaßnahmen. So kann der Laser seine antibakterielle Wirkung auch in tieferen Zahnschichten entfalten als Spüllösungen oder Medikamente (Schoop et al. 2004). Ein weiterer Vorteil besteht in der anscheinend besseren antibakteriellen Wirkung auf resistente Keime.
Eingesetzt werden Laser des Nd:YAG-Typs oder Diodenlaser, wobei die Wirkung der beiden auf die Kanaldesinfektion heutzutage vergleichbar gut ist. Der Vorteil der Diodenlaser liegt allerdings in den kleineren Geräteausmaßen und den günstigeren Anschaffungskosten.
Der Laser wird in der Endodontie unter Zuhilfenahme von Glasfasern angewendet, die in den Wurzelkanal geführt werden und das Laserlicht an die gewünschten Stellen leiten. Die Faser sollte bis kurz vor den Apex gebracht und dann in kreisenden Bewegungen Richtung koronal geführt werden. Um das Optimum der Laserbestrahlung zu erhalten, ist es nötig, zuvor einen idealen geraden Zugang und eine adäquate Kanalpräparation herzustellen. Dennoch lassen sich auch gute Ergebnisse erzielen, wenn die Voraussetzungen einer guten Vorreinigung des Kanals nicht ganz erfüllt werden können, z.B. bei Nichterreichen der vollen Kanallänge oder bei Hindernissen im Kanal (Abb. 4 + 5).

Die Vorteile des OP-Mikroskops

Optisch

  • Vergrößerung
  • Ausleuchtung

Ergonomisch

  • Verbesserte Körperhaltung Therapeutisch
  • Substanzschonende Präparation
  • Kanalsuche
  • Frakturdiagnos
  • Instrumentenentfernung
  • Perforationsverschluss Apexversiegelung

Kombination Mikroskop und Laser

Die Anwendung des OP-Mikroskops in der Endodontie bietet in erster Linie die Schaffung eines optimalen Zugangs zum Kanalsystem sowie eine exaktere Reinigung der Kanäle von Geweberesten und dadurch eine Verbesserung der gesamten Aufbereitung. In weiterer Folge sind der Desinfektionsmitteleinsatz im Kanal sowie die endodontische Laserbestrahlung gezielter ermöglicht. Die Kombination der beiden Methoden entspricht dem Ausschöpfen aller Möglichkeiten zum Erreichen einer optimalen Infektionskontrolle. 

 

 

 

 

Univ.-Ass. Dr. Matthias Holly
Klin. Abt. für Zahnerhaltung, Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik Wien

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