Ich. Hasse. Coupons.

Ok, ich geb’s zu: das ist jetzt keine Knallerüberschrift. Aber die Wahrheit!

Rabattcoupons sind für mich die Zigaretten des Apothekers: sie sorgen für Bluthochdruck, die Bildung freier Radikale, vorzeitige Alterung und wahrscheinlich sogar schlechten Atem (wegen der aufsteigenden Galle).

Grundsätzlich finde ich jede verkaufsfördernde Unterstützung von Industrieseite super und Aktionen, die mich nichts kosten, sind mir natürlich herzlich willkommen. In diesem Fall kostet es mich aber zumindest Nerven – und relativ viel Arbeitszeit.

Rabbatmarkerl-Flaute

Dabei spreche ich nicht von den kleinen Schnipseln, die sich vornehmlich in Gratiszeitungen dem Leser zum Ausschneiden aufdrängen. Die mag ich sogar sehr gerne, bringen sie doch den Kunden von der Couch in die Apotheke. Leider ist diese Fraktion hier in Deutschland nur sehr beschränkt vertreten.

Ich rede bzw. schreibe hier von Rabattcoupon-Blöcken, die uns per Kuvert ins Haus flattern und dann an die potenzielle Kundenschaft ausgegeben bzw. zur entsprechenden Angebotsware ausgelegt werden sollen. Das klingt für Sie jetzt vermutlich ziemlich unspektakulär und wahrscheinlich fragen Sie sich gerade, warum ich mich da so echauffiere.

Coupon-Tsunami

Nun, ich erkläre es Ihnen gerne: wir sprechen hier nicht von EINER Aktion mit EINEM Produkt, sondern von einer Flut an Rabatten, die man 1.) präsentieren und 2.) abrechnen muss.

Schon bei 1.) gibt es ein Problem: nicht alle Rabattprodukte sind bei uns so positioniert, dass ich das Couponblöckchen gut dazu stellen kann. Mal stört es meine Regalästhetik, mal befindet sich der Artikel gar nicht in der Frei- oder Sichtwahl. Dann liegen die Rabattscheine also irgendwo bei der Tara in der frommen Hoffnung, dass ich mich im entsprechenden Moment auch daran erinnere.

Ich habe eine Kollegin, die ist unsere Coupon-Queen: sie kennt nicht nur jede Aktion, die gerade läuft, sondern verkauft die dann auch aktiv. Das Resultat landet auf meinem Schreibtisch – was uns zu Problem 2.) führt: zur Abrechnung müssen Kassenbon und Coupon gemeinsam per Post (!) eingereicht werden. Das heißt für mich: massig Papier sammeln. Und ich hasse Papiersammeln. Unnötige Kassenbons hasse ich sowieso. Und ich hasse es, dass ich mich dann nach 2-3 Monaten daran erinnern muss, dass jetzt der Stichtag zum Absenden der Papiermasse gekommen ist. Mittlerweile hilft mir da der Google-Kalender. Aber mühsam ist es trotzdem.

Papier-Flut-Alternative?

Warum geht das nicht mit Abverkaufszahlen aus der Warenwirtschaft? Und ohne blöden Papiercoupons sondern mit einem entsprechenden Hinweis am Regal? Oder einem Kleber auf der Packung?

Dabei ist keine Besserung in Sicht. Ganz im Gegenteil. Der Coupon-Wahn artet immer mehr aus. Für eine abgelaufene Aktion flattern 2 neue ins Haus.

Ich bin mir auch nicht so sicher, ob diese Aktionen wirklich den Abverkauf fördern – gerade bei Produkten, die kaum vergleichbare Konkurrenz haben. Und den Konsumenten zum Kauf einer Großpackung zu motivieren, wenn er vermutlich auch mit einer kleinen gut bedient ist, widerstrebt ein wenig meiner Apothekerehre.

Billiganbieter-Gegenwind

Aber zumindest freut sich der Kunde, wenn er seine Salbe um 2€ billiger bekommt. Und ein glücklicher Kunde ist ein wiederkehrender Kunde. Also haben Sie vermutlich recht, wenn Sie denken, dass ich doch meine kleinen Animositäten runterschlucken und gefälligst die tollen Angebote der Industrie unterstützen soll.

Wahrscheinlich bin ich nur 1.) unflexibel und 2.) faul. Ziemlich sicher bin ich auch noch 3.) kein Freund davon, dass wir die Offizin mit Rabatten zupflastern und damit zu einer Stelle werden, die ihre Ware über den Preis verkauft. Denn wenn wir uns auf dieses Spiel einlassen, sind wir recht wahrscheinlich die Verlierer. Da gibt es Marktplätze, die nicht nur billiger sind, sondern noch dazu auch einfacher zu erreichen.