Neues Jahr – Neues Glück….? Ein kleiner Blick in die etwas eingetrübte Kristallkugel

Gleich vorweg muss ich festhalten, dass ich unglaublich schlecht mit Prognosen bin. Hätte ich mich für die Karriere als Berufsprophet entschieden, gäbe es im Wartezimmer des lokalen AMS vermutlich einen Sessel mit meinem Namen darauf.

Beim Auftreten von COVID19 dachte ich „das ist im Sommer vorbei“….also im Sommer 2020 wohlgemerkt. Und im Sommer 2021 war ich mir dann noch sicherer, dass wir die Pandemie überstanden hätten. Deshalb halte ich mich jetzt an die prognostizierbaren Fakten – falls es sowas überhaupt gibt.

Digitales Entwicklungsland Deutschland

Denn während Österreich es ratzfatz geschafft hat, auf ein digitales Rezept umzustellen, eiert Deutschland seit mittlerweile einem Jahr mit der Einführung des E-Rezepts herum. Eine Verschiebung folgt der nächsten und so wurde mittlerweile auch der „Fixstart Jänner 2022“ verschoben. Diesmal gleich auf unbestimmte Zeit. Ist wohl sicherer. Dabei sind es gar nicht die Apotheken, welche für diesen Heckmeck verantwortlich sind (bei uns ist die notwendige „Telematik-Infrastruktur“ seit vielen Monaten installiert), sondern die liebe Ärzteschaft bekommt es irgendwie nicht auf die Reihe. Allerdings sehen das die Apotheken hierzulande nicht ohne Wohlwollen, ist doch in Germanien der Onlineversand von rezeptpflichtigen Medikamenten gestattet und somit der Wechsel des schnöden Papierzettels in die digitale Welt ein realistisches Bedrohungs-Szenario für die Apotheke vor Ort.

Apotheken impfen?

Das war´s aber schon mit den positiven Prognosen für 2022. Das Anfang Dezember noch groß gefeierte Thema „COVID-Impfung in der Apotheke“ ist plötzlich kaum noch wahrnehmbar. Vielleicht liegt es an dem Jahresendstress oder an der Weihnachtsruhe, aber irgendwie ist diesbezüglich nix mehr zu hören oder zu lesen. Angeblich wird ab Jänner geimpft, aber zumindest von Seiten der Kammer ist da fortbildungstechnisch nicht viel spürbar – ganz im Gegensatz zur Österreichischen Apothekerkammer, wie ich jüngst feststellte. Unglaublich, wie groß das Fortbildungsangebot in Österreich ist, obwohl dort Impfen in den Apotheken ja derzeit nur ein frommer Wunsch ist.

Aber wenn wir uns wirklich alle 3 Monate das Booster-Spritzerl in den Arm jagen lassen müssen, wird wohl an der Apotheke kein Weg vorbeiführen.

Wieder „richtiger“ Apotheker sein

Doch trotz gegenteiliger Erfahrung lebt in mir die Hoffnung, dass diesmal meine Prognose „im Herbst wird es wieder normal“ stimmt. Nach 2 Jahren gefühlt monatlichen Neuerungen, Umstrukturierungen und Teamtrennungen, arbeiten hinter der Scheibe mit mehrlagigem Mull vor der Nase und Kundenschlangen vor der Türe sehne ich mich nach einem „normalen“ Apothekenleben. Ein Leben, bei dem die Freiwahl wieder eine Daseinsberechtigung erhält, man wieder öfter ein Rezept statt einem Teststäbchen oder einem Impfpass in der Hand hält und unsere Kunden wieder mehr Zeit und Interesse an einer guten Beratung haben. Und ein Leben, wo man wieder mit gutem Gewissen bei einer Fortbildung mit Kollegen zusammenstehen kann, man Mitarbeiter zum Geburtstag wieder umarmen darf und sich gegenseitig wieder ein Lächeln schenken kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Guten Start ins Neue Jahr – und dass meine Prophetenkarriere einfach einen schlachten Start hatte, aber ab jetzt….