Stell dir vor, es wird geimpft – und keinen interessiert’s

Jetzt ist es also tatsächlich so weit: Alle deutschen Apotheker dürfen impfen! Alle? Naja, nicht ganz. Aber eigentlich ist das auch egal, weil es ohnehin gerade keinen interessiert.

Welcher Jubel, welche Freude herrschte zum Ausklang des letzten Jahres in der deutschen Apothekerschaft! Die Regierung gab die Erlaubnis zum COVID-Impfen in den Vor-Ort-Apotheken. Wie an dieser Stelle berichtet, wurde es dann aber sehr schnell wieder sehr ruhig auf allen apothekerlichen Kanälen, und keiner wusste so recht, wann und wie das Projekt starten sollte.

Impfstart: Februar

Anfang des Jahres dann ein wenig Erhellung: Die Ausbildung für interessierte Apotheker bestehe aus einem Online-Eigenstudium, einem Präsenzseminar und einem verpflichtenden Erste-Hilfe-Kurs. Schildbürgerstreich Nr. 1: Auch wer einen in den letzten beiden Jahren absolvierten Ersthelferkurs (in jedem Betrieb zumindest bei einer Person gefordert) vorweisen kann (also ich zum Beispiel), muss das gebührenpflichtige Modul absolvieren. Schildbürgerstreich Nr. 2: All jene Apotheker, die bereits die Ausbildung zur Grippeschutzimpfung absolvierten (also ich zum Beispiel), dürfen nicht gegen COVID impfen, denn es gibt auch noch keinen Plan, welche Aufschulung für diese ja bereits grundausgebildete Gruppe notwendig ist. Dabei wurde ich nach Bekanntwerden des Apotheken-impfen-gegen-COVID-Plans mehrmals von der Standesvertretung angeschrieben, ob ich auch bereit wäre, gegen Corona zu sticheln, weil das doch ganz super wäre, da die bereits Grippeimpfenden ja besonders schnell zur Kanüle greifen könnten. Kann ich jetzt nicht – will ich aber auch nicht.

Impfflaute

Warum? Weil Coronaimpfungen gerade kaum noch jemanden interessieren. Von unseren in Summe 11 Impfstoff beziehenden Ärzten gaben in den letzten beiden Wochen gerade noch 2 eine mehr als überschaubare Bestellung ab.

Da frage ich mich: Wenn gerade nicht einmal die Ärzte impfen, die über sämtliche räumliche und logistische Voraussetzungen verfügen, warum soll ich, die das Impfen in der Apotheke nur mit großem organisatorischem Aufwand bewerkstelligen kann, mich dafür großartig ins Feld werfen? Ja klar: Wenn man schon mal die Chance hat, soll man diese auch nutzen. Da bin ich schon bei Ihnen. Aber das habe ich im Herbst im Zuge der Grippeschutzimpfung getan. Und da fand ich es auch sinnvoll, eine Entlastung bzw. schnelle Alternative zum Arztgang anzubieten. Jetzt würde ich es eher begrüßen, wenn wir zum Beispiel FSME-Vakzine verabreichen könnten. Das wäre auch von der Logistik her einfacher, weil ich mir keine Sorgen um kurze Haltbarkeiten und um die Vorbereitung von Impfdosen aus Mehrdosenvials machen muss.

Gleichwertig mit Ärzten

Ein kleines Positivum möchte ich aber erwähnen: die Abgeltung. Während den Apotheken für die Grippeimpfung so etwas wie ein Anerkennungsbeitrag ausbezahlt wurde, ist die Vergütung für COVID tatsächlich – Trommelwirbel – gleichgestellt den Ärztehonoraren! Aber wo kein Impfinteressent, da auch kein Geldfluss.

Doch ganz grundsätzlich ist es natürlich eine tolle Sache, dass den Apotheken die Türen zum Impfen geöffnet wurden. Und es wird die Zeit kommen, wo wir als niederschwellige Gesundheitsinstanz auch sinnvoll ins Impfgeschehen eingreifen werden können. Bis dahin haben wir aber 2 Hausaufgaben zu erfüllen: die Ausbildung zu absolvieren und die Apothekenräumlichkeiten entsprechend zu adaptieren. Und das bitte möglichst alle.

I have a dream …