Vernetzte Eitelkeiten

Let´s be social (media)!

Und jetzt beginnt der perfide Teil meiner heutigen Kolumne: ich möchte Sie nämlich mit auf die gar nicht so dunkle Seite des digitalen Austausches nehmen und Ihnen zeigen, welche Schätze sich dort auftun können. Vorausgesetzt, man sucht richtig – und ist offen für Neues.

Normalerweise berichte ich an dieser Stelle über die Unterschiede zwischen der deutschen und der österreichischen Apothekenwelt. Heute will ich allerdings Grenzbalken und Landesfarbenwimpel einmal komplett beiseitelassen und Ihnen von meinen meist informativen, manchmal amüsanten, bisweilen horizonterweiternden und ab an auch ein wenig skurrilen Erfahrungen im deutschsprachigen, medizinisch-pharmazeutischen Digitaluniversum berichten.

Dabei sollte ich vorwegschicken, dass ich mich auf drei Plattformen mit drei ganz unterschiedlichen Intentionen herumtreibe:

Facebook-Instagram-LinkedIn

Das gute alte Facebook: immer wieder sagt man mir „Facebook ist tot“ oder nur was „für Ü40“ (was für einen 20jährigen wahrscheinlich gleichbedeutend ist). Taadaa, ich fühle mich ertappt. Tatsächlich Ü40 ist das zuckerbergsche Bilderbuch mittlerweile eher sowas, wie mein virtueller Stammtisch, wo ich sehr selektiv nur Freunden und persönlich Bekannten einen Stuhl anbiete. Aber es ist auch meine Standeszeitung und ein bisschen sowas wie das Apotheken-„News“. Mit großer Begeisterung und ehrlichem Interesse bin ich Mitglied einiger Apotheker-Gruppierungen und es ist wirklich erstaunlich, wie viele gute Tipps man von Kollegenseite mitnehmen kann. Teilweise werden Neuigkeiten hier bereits mit Lösungsvorschlägen diskutiert, ehe noch eine Mitteilung von Seiten der Kammer in die Apotheke geflattert ist.

Und in ebendiesen Gruppen stolpert man dann auch ab und zu über echte Diamanten unseres Berufsstandes, die engagiert sind, kreativ und manchmal auch unbequem. Da versuche ich dann gerne, einen näheren Kontakt zustande zu bringen.

Eine besondere Form der Kontaktaufnahme ereilte mich via LinkedIn. Eigentlich ist das meine „Fortbildungs-Seite“. Ich bin kaum aktiv, weil das so viele andere so viel besser können. Ja, es ist vielleicht der größte Jahrmarkt der Selbstdarsteller von allen, aber es wird hier auch eine ganze Menge Informatives gut recherchiert, durchdacht und argumentiert feilgeboten. Man muss nur jene Perlen finden, die auf das eigene Kropfband passen.

Erwarte das Unerwartete

Nun habe ich nicht nur an der Tara und auf der Referentenbühne eine große Klappe, sondern lasse meiner Mitteilungsbedürftigkeit auch gerne einmal in der Kommentarfunktion freien Lauf. Und genau so eine flapsige Anmerkung auf das Posting eines umtriebigen, mir persönlich aber unbekannten Kollegen zu vorgerückter Stunde im Nachtdienst führte dazu, dass kurz darauf mein Apothekentelefon klingelte (was per se nichts Ungewöhnliches ist) und ebenjener bekommentierte, unbekannte Kollege am Telefon war. Wir plauderten dann fast zwei Stunden über Gott und die Welt (ungestört – was dann schon ungewöhnlich und vielleicht doch irgendwie eine Fügung des Schicksals war) und auch wenn der Kontakt seither wieder ausschließlich in der digitalen Welt weiterlebt, war das bestimmt das coolste Erlebnis meiner bisher über 500 nächtlichen Pillenstubenbewachungen.

Der dritte Kanal – und zugegeben meine Lieblingsspielwiese – ist Instagramm. Bevorzugt zum einen, weil ich gerne selbst eine Mischung aus Beruflichem und Privatem an meine -ok- ziemlich überschaubare Fangemeinde bringe, zum anderen aber, weil sich hier so viele Apotheken mit tollen, kreativen und teilweise wirklich ambitionierten Postings tummeln. Was man hier an Anregungen für die eigene Apotheken(aktions)Gestaltung mitnehmen kann, ist unglaublich.

Seien Sie aktiv!

Sollten Sie also noch nicht so SozialMedia-affin sein: trauen Sie sich und tauchen Sie ein in die Welt der Eitelkeiten und schönen Fassaden, aber auch der vielfältigen Informationen und engagierten ApothekerInnen. Und seien Sie nicht nur ein stiller Beobachter, sondern gehen Sie ruhig einen Schritt über die Grundzüge der „Netikette“ hinaus: Liken Sie Beiträge Ihre Kolleg*innen. Schenken Sie kreativen Apothekenseiten ein Herzchen. Kommentieren Sie fleißig. Gehen Sie in die interaktive Diskussion. Schreiben Sie Protagonisten, die Sie großartig finden, direkt an und sagen Sie ihnen das. Und – warum nicht – rufen Sie auch mal einen besonders coolen Kollegen oder eine besonders innovative Kollegin an oder schauen Sie im Urlaub einfach mal in einer Apotheke vorbei, wenn Ihnen deren Auftritt besonders gut gefällt.

So sind schon wunderbare Bekanntschaften und kreative Zusammenarbeiten bis hin zu neuen Arbeitsverhältnissen zustande gekommen.

Und als kleinen Bonus möchte ich Ihnen noch ein paar meiner SocialMedia-Perlen vorstellen:

„Alles schläft, einer Wacht – ApothekerInnen im Nachtdienst“: Facebook-Gruppe, die schneller, besser und aufgeklärter informiert als jede Standesvertretungsseite. Danke Viktor Hafner und allen Beitragstellern, diese Seite ist meine österreichische Apotheken-Aorta.

Esther Passl: eine Kollegin, der ich zugegeben (leider) noch nicht begegnet bin und die es trotzdem in meinen FB-Sesselskreis geschafft hat…oder ich vielmehr in ihren. Denn das Engagement der multibetitelten ehemaligen Krankenhaus- und jetzt Offizin-Apothekerin für Apotheker ohne Grenzen verdient meinen tiefsten Respekt. Das Mindeste, was man hier an Unterstützung tun kann, ist ein freundlicher Daumen! Das Mindeste wie gesagt…..

Diana Apotheke Güssing: Hier geben die Chefs wahrlich ihr Herzblut und formen eine Symbiose mit ihrem unglaublichen Team, die frisch, frech, kreativ und voll von „Attitude“ ist. Wäre Güssing nicht so ganz aus meinem Aktionsradius, hätten die Stipsits bestimmt schon eine Bewerbung von mir in ihrem Briefkasten. Der Instagram-Auftritt der Apotheke hat nicht nur künstlerischen Anspruch, sondern erfüllt diesen auch. Ganz bestimmt eine meiner Lieblingsapothekenseiten (die anderen mögen es mir bitte verzeihen).

Dr. Stephan Barth: der Arzt, dem ich auf LinkedIn vertraue. Ja, mal kein Apotheker, aber immerhin Mitarbeiter einer Pharmafirma. Ist aber egal, denn das, was der liebe Herr Doktor von sich gibt, ist der letzte wissenschaftliche Stand, erfrischend geschrieben, gut verständlich und inhaltlich immer wieder für neue Synapsenbildung gut. Ich hänge noch nicht so lange an seinem Kittel, aber im festen Klammergriff.

Und zum Ende Jan Reuter: Ein Leuchtturm-Apotheker aus Germanien mit kreativer Strahlkraft und mutigen Ideen. Den finden sie auf praktisch jeder Plattform –  und darüber hinaus, betreibt er doch auch einen eigenen Youtube-Kanal sowie einen Podcast (meine Lieblingsfolge: Dr. KI vom 21.2.2022! Die Omega3-Folge dürfen Sie dafür auslassen und lieber meinem Webinar zu dem Thema lauschen). Jan war übrigens auch mein Nachtdienst-Überraschungsanrufer. Wenn Sie, liebe Kolleginnen, den Podcast (und die Stimme) hören, verstehen Sie, warum der Anruf so besonders war…

Und neben diesen makellosen Südsee-Perlen darf ich noch auf das kleine knubbelige Süßwasserperlmutprodukt hinweisen, das diese Zeilen mit großer Leidenschaft in den Laptop getippt hat und sich unter astrid_janovsky auf Instagram über Ihre geschätzte Aufmerksamkeit und Kontaktaufnahme freut.