Weg mit den Vor-Ort-Apotheken?!

Ich schicke vorweg – und übe mich damit durchaus in Selbstkritik –, dass der folgende Artikel etwas ketzerisch anmuten könnte. Und vielleicht ist er das sogar. Auch der Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ mag nicht ganz unberechtigt erfolgen. Und doch … machen Sie sich einfach selbst ein Bild.

Die Großverdiener

Ich stelle nämlich die Behauptung auf: Irgendjemand in einflussreicher (Regierungs)Position arbeitet seit einiger Zeit daran, den deutschen Apotheken und Apothekern das Leben schwer zu machen. Das Einhalten der Rabattverträge ist eine Qual (und die mit der Nichteinhaltung schwuppdiwupp erfolgte Nullretaxation), die Dokumentationspflicht bei magistralen Rezepturen ein Zeitfresser sondergleichen, aber was sich in den letzten 10 Monaten so auftat, ist schon zum Verzweifeln. Begonnen hat es mit der Spahnschen Idee der Gratismaskenverteilung durch die Apotheken. An sich eine nette Sache – hätte man uns mehr als 3 Tage Vorbereitungszeit für das Projekt gegönnt. Erwartungsgemäß ging die Presse- und Kundenschelte sofort los. Zuerst wurden wir angemotzt, weil wir keine Ware hatten (war halt nicht möglich, in der kurzen Zeit so viel zu organisieren – das musste nämlich jede Apotheke selbst machen), dann kam der öffentliche Unmut, dass uns pro Maske die exorbitante Summe von 6 Euro erstattet wurde (was beim damaligen Marktpreis durchaus fein, aber weit weg von goldenen Eiern war). Quasi über Nacht wurde dann die Vergütung vom Gesundheitsminister auf 3,50 gesenkt. Das hat die Presse dann natürlich nicht mehr berichtet.

Und noch mehr Geld für die Apotheken

Sehr wohl erwähnenswert war dafür das „lukrative“ Testen. Immerhin 35 Euro gab’s fürs Nasenbohren von Berechtigungsschein-Besitzern (wie Lehrer oder Erzieher). Auch dieser Goldesel wieherte aber nur kurz. Dann durfte zwar jede Bundesnase zum gratis Abstrich erscheinen, der Stäbchenführer aber wurde fortan nur noch mit 18 Euro (brutto, inkl. Materialkosten) entschädigt. Immer noch ein Wahnsinn, wenn es nach der Presse ging. Die vermischte nur leider die wesentlich aufwändigere Arbeit in der Apotheke mit irgendwelchen angelernten Hilfspoplern in Tankstellenparkplatzzelten (Sie erinnern sich an meinen Bericht?) und machte dann in der Bevölkerung wieder schlechte Stimmung gegen Tester im Allgemeinen, weil von etlichen Stellen noch dazu falsche Zahlen abgerechnet wurden. Daraufhin stellten einige Apotheken (so auch wir) das Testen ein – und wieder bekamen wir die rote Karte von der Bevölkerung! Wie könne man sie den plötzlich dermaßen im Stich lassen …?

Und wieder ein Zusatzverdienst in der Krise

Nächstes Kapitel im Apo-Bashing: Wir dürfen Impfpässe digitalisieren. Für 18 Euro pro Code-Erstellung! Was für ein Wucher! Keiner erwähnte, dass das nur für die Erstimpfung galt. Für den zweiten Code bekamen wir nur 6 Euro – wieder inkl. USt. und inkl. Hilfestellung für die großteils Ü70-Kunden beim Downloaden der App und beim Einscannen der QR-Codes. Aber das machen wir doch alles gerne – würde nicht der liebe Spahn abermals über Nacht die Honorare für die Apotheken von 18 Euro auf generell 6 Euro senken. Das wurde von der Presse wiederum ignoriert. Dafür hat ein lustiger Journalist das Ausstellungsportal gehackt und in der Folge für eine Woche lahmgelegt. Und wer bekam es ab? Jup, wir in der Apo. Weil man ohne diesen blöden Code nicht in Urlaub fahren könne. Impfpass mitnehmen? Nein, das will man nicht. Wieso man das nicht bei uns bekomme, wo es doch in allen Medien heißen würde, dass das die Apotheken ausstellen … Subtext: Sie sind eine miese Apotheke, ich schau’ woanders hin.

Und jetzt kam unlängst der neueste Spaß: ein „Hashcode“, der für alle Zubereitungen mit Cannabis generiert werden muss. Wie das geht, weiß auch nach Wochen immer noch keiner so wirklich. Aber solange kein „Haschcode“ am Rezept vermerkt ist, kann dieses nicht abgerechnet werden. Ist ja auch nicht wirklich wichtig, wenn das Monatsende (und somit die Abrechnung der nicht ganz billigen Cannabis-Rezepturen) unmittelbar bevorsteht.

Zufall oder Kalkül?

Sie meinen, das sind alles unglückliche Zufälle? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls gab es in den letzten Monaten für meinen Geschmack viel zu viele Zufälle, die uns nicht nur das Arbeiten in der Apotheke schwerer machten, sondern uns vor allem bei unseren Kunden (nicht zuletzt dank wenig erfreulicher Berichterstattung) in ein zweifelhaftes Licht stellten: Da sind wir nicht nur die überbezahlten Krisengewinner, sondern auch schlecht organisiert und inkompetent. Und wenn man dann noch Spitzenpolitiker mit Masken sieht, auf denen groß das Logo einer Online-Apotheke prangt …

Ich finde diese Entwicklung wirklich ärgerlich. Denn auch wenn wir das Glück hatten, in der schwierigen Zeit nicht schließen zu müssen wie andere Branchen, haben wir des Öfteren nahe – oder auch jenseits – der Belastungsgrenze gearbeitet und uns stets bemüht, für unsere Kunden die Versorgung zu gewährleisten. Aber wie heißt es so schön: Wenn der letzte Apotheker kaputtgespart wurde und wenn die letzte Apothekerin angesichts der Auflagen das Handtuch geworfen hat, werdet ihr erkennen, dass eine Online-Apotheke kein Nahversorger ist … Oder so ähnlich …