Wer nicht will …

Lassen Sie mich heute auf das global brisante Thema COVID-19-Impfen zu sprechen kommen.

In den letzten Monaten haben wir ja gelernt, dass die Welt bisweilen doch recht schwarz-weiß ist. Nix mit „fifty shades of grey“.

Es gibt die Maskenverweigerer und jene, die brav erst ein Stofftüchlein, dann eine OP-Maske und zuletzt ein mehrlagiges, lichtundurchlässiges (so der Prüftipp diverser Fernsehsender) Mulltuch vor Mund und Nase spannen. Es gibt die Alleine-in-der-Sonne-Spazierengeher und die Nur-in-der-Gruppe-sind-wir-stark-Herumhänger. Es gibt die Supermarktabstandhalter und diejenigen, die immer noch denken, es dauert länger, wenn sie das Kassenband nicht schon gleichzeitig mit ihrem Vordermann (oder ihrer Vorderfrau) belegen.

Und es gibt die Impfbefürworter und die Impfverweigerer. Kein Polarisationsthema, das dermaßen extreme Positionen hervorbringt, wie letzteres. Während die einen sich mit Händen und Füßen gegen die Ummodelung ihres Erbguts, lebenslange Taubheit der Fortpflanzungsorgane oder Beeinträchtigung der Hirnleistung durch Vaccine wehren (wobei keiner der angesprochenen Effekte ein nennenswertes Problem bei den meisten Vertretern dieser Gesinnung darstellen würde), können es die anderen gar nicht erwarten, möglichst schnell den Pieks in den Oberarm zu bekommen.

 

Her damit!

Ich bekenne, ich gehöre zu Zweiteren. Deshalb hat es mich gerade in den letzten Wochen durchaus gereut, nicht bereits wieder die Rückkehr in die Heimat angetreten zu haben. Laufend poppten Meldungen in meinem Lieblingsinformationsmedium Facebook auf, dass bereits zahlreiche Impfungen in rot-weiß-roten Kollegenkreisen stattgefunden hatten oder zumindest die Anmeldung freigegeben war.

In Deutschland hingegen war noch lange keine Impfung für die – für die kritische Infrastruktur ja so unbedeutenden – Pillenabgeber in Sicht. Prioritätsgruppe 3! Ein Online-Impfterminrechner hat mir freundlich den Zeitraum Oktober 2021 bis April 2022 zugestanden. Jippie.

 

Impftermin über Nacht

Und dann kam plötzlich sehr schnell alles ganz anders … zugegeben nicht ungewöhnlich in diesen Zeiten. An einem Dienstag im Februar wurde verkündet, dass sich ab dem folgenden Montag alle Erzieher und Lehrer gratis in den Apotheken testen lassen könnten. Zu dem Zeitpunkt gab es in unserem Landkreis (ca. 500.000 Einwohner) gerade einmal eine Handvoll Apotheken, die das zertifizierte Nasebohren überhaupt anboten. Deshalb wurde am Mittwoch (also am Tag nach der Verkündung) von der Apothekerkammer ein Info-Webinar veranstaltet, am Samstag erfolgte die hauseigene Kolleginnenschulung von mir (ich war die Einzige in unserem Apothekenverbund, die bereits eine Zertifizierung hatte), und am Dienstag – Montag war dann doch zu kurzfristig – hatten wir die ersten Testwilligen nach Dienstschluss in der Apotheke sitzen.

Mittwoch (falls Sie den Überblick verloren haben: genau eine Woche nach der ersten Information) dann die überraschende Nachricht, dass alle Apothekenmitarbeiter, die sich an den Testungen beteiligen, in die Impf-Prioritätsgruppe 2 vorgezogen werden und sich ab sofort um einen Impftermin bemühen können.

 

Lehrer zuerst … oder doch nicht

Jetzt war allerdings bereits zwei Tage vorher verkündet worden, dass auch Erzieher und Lehrer vorgereiht werden. Ich weiß nicht, wie viele Personen da also zwei Tage vor mir an die Impfportale gelassen worden waren, aber ich stürzte mich mit wenig Hoffnung in die Impftermin-Schlacht.

Raten Sie einmal, wie lange ich auf meine erste Injektion warten musste? 3 Wochen! Der schnellste Kollege (natürlich der Chef) wurde bereits in derselben Woche Freitag geimpft (musste dafür zugegeben aber auch 30 km zu einem anderen Kreisimpfzentrum fahren)! 2 Tage nach Anmeldung!

So sehr mich der Umstand für mich und meine allesamt impfwilligen Kollegen freut, so traurig ist das aber doch für unsere Gesellschaft. Früher hatten wir in Österreich 8 Mio. Fußball-Teamchefs, jetzt sind es 8 Mio. Impfexperten. Und wer muss heute noch Fachleuten vertrauen, wo man die besten Informationen doch über soziale Medien und die Kommentarfunktion diverser Nachrichtenportale erhält, nicht wahr?