Willkommen im Personal-Pull

Wünschen Sie sich manchmal, Sie hätten irgendwo einen Personal-Pool, aus dem Sie bei Bedarf – also zum Beispiel bei Urlauben oder Krankenständen – einfach, schnell und unkompliziert eine Fachkraft als Ersatz anfordern können? Hier in Deutschland gibt es sowas. Zumindest in vielen Apotheken. Es nennt sich: Filiale!

Freier Personalverkehr

In Germanien darf ein Apotheker ja bis zu vier Filialen besitzen. Er selbst residiert dabei meist im größten Betrieb, der Mutterzelle des Gemenges, die anderen drei Schwesterchen bekommen eine Filialleitung. Beim restlichen Personal ist die Trennung oft nicht so strikt. Zwar hat man in der Regel eine Hauptwirkungsstätte, kann aber durchaus auch fix den einen oder anderen Tag der Woche in einer Filiale verbringen. Der flexible Arbeitseinsatz wird normalerweise auch explizit im Dienstvertrag festgehalten.

Richtig super ist dieser freie Personenverkehr, wenn – wie oben erwähnt – einmal kurzfristig Not am Mann oder meist eher an der Frau ist. Wenn einen morgens der freudvolle Anruf erreicht, dass der liebe Kollege leider unpässlich sei, muss man sich nicht zwingend von der Mittagspause und dem lange geplanten Nachmittagstermin verabschieden, sondern wirft einen Blick in den Filialdienstplan und bittet dann bei entsprechend besserer Personalsituation um geschwisterlichen Beistand.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Wenn Sie jetzt meinen, dass dies ein gar wunderbarer Zustand ist, so kann ich Ihnen leider nur bedingt recht geben. Denn die Türe schwingt natürlich auch in die andere Richtung. In meinem konkreten Fall kann ich mich an einer sehr robusten Konstitution meiner Mitarbeiter erfreuen, während das Personal unserer großen Apothekenschwester eher häufiger kränkelt. Jetzt ist die mir unterstellte Filiale nicht nur von der Kundenfrequenz her überschaubar, sondern auch, was den Personalbestand angeht. Bittet die Filiale daher um eine Aushilfe, bedeutet dies bei uns meist den Anbruch eher stressiger Zeiten.

Nun gut, das lässt sich im Sinne der Kollegialität schon mal aushalten. Richtig problematisch wird die Personalverwebung aber, wenn Mitarbeiter gehen und neue nachfolgen. Dies passiert in der Regel nie mit identem Dienstausmaß und schon gar nicht mit identer Verfügbarkeit. War der mit 35 Stunden scheidenden Mitarbeiterin der freie Montag heilig, besteht ihre 30-Stunden-Nachfolgerin auf mindestens 3 freien Nachmittagen und maximal einem Samstag pro Monat. Und jetzt geht der Spaß so richtig los: Denn nun müssen sich alle Dienstplanverantwortlichen aus sämtlichen Filialen zusammensetzen und begrübeln, wie man die neue Situation am besten in das bestehende Gefüge integriert. Urplötzlich wir der praktische Personal-Pool zum nervtötenden Personal-Pull. Denn natürlich mag jeder für seine Filiale die bestmögliche Lösung erwirken.

Der Dienstplank(r)ampf

Wir sind zwar gerade einmal ein Verbund aus 2 Filialen, aber die jüngste Personalrochade, bei der zur selben Zeit eine Vollzeit-PTA ging, eine Vollzeit-PKA für 6 Monate eine krankheitsbedingte Auszeit begann, eine 30-Stunden-PTA aus der Karenz zurückkam und eine 20-Stunden-PKA ihr Dienstmaß um 10 Stunden aufstocken musste, um den mittelfristigen Krankheitsausfall zu kompensieren, verbrachten meine Dienstplankollegin aus der Filiale und ich geschlagene drei Tage in intensivstem Telefonaustausch, bis wir einen einigermaßen gangbaren neuen Arbeitsplan konstruiert hatten.

Der freie Personalverkehr innerhalb des Filialverbundes ist also wahrlich eine Medaille mit 2 Seiten.