Prof. Dr. Harald Vogelsang behandelte das Thema „Biologikatherapie – wie viel hat es bisher gebracht“?

Nachdem früher vor allem Mesalazin, Kortison und Antibiotika verabreicht wurden, werden seit den 1990er Jahren vor allem Azathioprin und Mercaptopurin als langfristiges Immunsuppressivum eingesetzt. Nach erstmaliger Anwendung von Infliximab 1993 erleben Biologika seit den 2000er Jahren ein großes Wachstum. Die Therapieziele sind die Beschwerdefreiheit der Patienten, die Kortison-freie-Remission, die totale Remission (auch endoskopisch bzw. niedriges Calprotectin) und die Vermeidung von Operationen. Eine personalisierte Therapie wäre wünschenswert, ist aber noch nicht in Sicht. Dennoch konnte z.B. in der CALM-Studie gezeigt werden, dass durch eine angepasste Therapie eine Mukosaheilung in 45% vs. 30% bei Standardtherapie erzielt wurde. Ebenso konnte die Hospitalisierungs- und Operationsrate bei M. Crohn gesenkt werden, hier sind jedoch eine frühe Diagnose der Erkrankung und ein früher Einsatz der immunsuppressiven Therapie notwendig. Vor allem von Patientinnen und Patienten wird immer wieder die Frage nach der Möglichkeit des Absetzens der Biologika-Therapie gestellt. Dies kann nach einer längeren Phase der tiefen Remission überlegt werden, die Rezidiv-Rate beträgt jedoch weiterhin ca. 50%. Die Wiederaufnahme der TNF-Alpha-Blocker-Therapie wird gut toleriert und ist in ca. 88% der Fälle auch effektiv.

Ich denke wir sind froh, heute in der Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eine zunehmend breiter werdende Palette an Therapieformen anbieten zu können. Dauertherapien mit Kortison sollten definitiv der Vergangenheit angehören.