Promotion Dulaglutid (Trulicity®) bei Typ-2-Diabetes: GUT – ein Therapiekonzept in Diskussion

BOT vs. GUT

Ob ein Patient mit T2D mehr von einer basalinsulingestützten oralen Therapie (BOT) oder aber von einer GLP-1-RA-unterstützten Therapie (GUT) profitiert, ist individuell verschieden und hängt in hohem Maße auch vom Therapieziel ab. So zeigte beispielsweise die AWARD-2-Studie, dass eine BOT stärker den Nüchternblutzucker senkt, während eine GUT hingegen sowohl den Nüchternblutzucker als auch den prandialen Blutzuckerspiegel positiv beeinflusst.1
Für Patienten mit ausgeprägtem Insulinmangel sollte eher eine BOT in Betracht gezogen werden.2 Bei Patienten mit Adipositas bzw. wenn ein kardiovaskulärer Zusatznutzen gewünscht wird, ist gemäß der aktuellen Datenlage sowie der aktuellen ADA/EASD-Empfehlung2 das GUT-Konzept die Therapie der Wahl.
Bei allen anderen Patienten, die zwischen diesen beiden Gruppen liegen, steht der Patientenwunsch im Vordergrund für eine Therapieentscheidung, wobei Basalinsulin einmal täglich injiziert werden muss, der GLP-1-Rezeptoragonist Dulaglutid hingegen nur einmal pro Woche.3 Darüber hinaus zeigte sich in den Studien AWARD-4 und AWARD-9 sowie in den gepoolten Studiendaten, dass GLP-1-RA, wie Dulaglutid, sehr gut mit Insulin kombinierbar sind.4–6

Kombination von GUT mit Insulin

In AWARD-4 und AWARD-9 wurde Dulaglutid plus prandiales Insulin gegen basales plus prandiales Insulin bzw. Dulaglutid plus Basalinsulin gegen Placebo und Basalinsulin getestet.4, 5 Aus Subgruppenanalysen gepoolter Daten6 beider Studien ging hervor: Dulaglutid 1,5 mg senkt den HbA1c unabhängig von Alter, Diabetesdauer und Ausgangs-HbA1c, wobei die größte HbA1c-Reduktion in der Gruppe der Patienten mit einem Ausgangs-HbA1c > 9 % beobachtet wurde. (nach 6 Wochen: HbA1c < 9 % = –1,3 %; HbA1c > 9 % = –2,5 %; Abb. 1).6 In Kombination mit prandialem Insulin zeigt einmal wöchentlich verabreichtes Dulaglutid eine bessere glykämische Wirkung als Basalinsulin mit prandialem Insulin.4 Dulaglutid erwies sich zudem als eine sichere und effektive Behandlungsoption bei Typ-2-Diabetes.4–6

 

 

GUT bei niereninsuffizienten Patienten

Nahezu jeder zweite Patient mit T2D leidet erkrankungsbedingt unter einer eingeschränkten Nierenfunktion. Dies wirkt sich nicht unerheblich auf die Möglichkeit einer antidiabetischen Therapie aus, und die zur Verfügung stehenden medikamentösen Möglichkeiten werden weiter eingeschränkt.

AWARD-7 untersuchte die Sicherheit und Wirksamkeit von Dulaglutid innerhalb einer großen Kohorte niereninsuffizienter T2D-Patienten.7 In die Studie wurden insgesamt 577 Patienten mit bestätigtem T2D sowie einer mäßigen bis schweren CKD (Stadium 3–4, eGFR 15–59 ml/min/1,73 m²) eingeschlossen. Alle Patienten waren zudem mit Insulin ± OAD vorbehandelt; diese wurde jedoch vor Studienbeginn abgesetzt. Patienten erhielten randomisiert Dulaglutid (1,5-mg- bzw. 0,75-mg-Dosierung) oder Insulin glargin jeweils zu prandialem Insulin lispro.7
Hinsichtlich des primären Studien-Endpunktes, der HbA1c-Änderung nach 26 Wochen, war Dulaglutid dem Vergleichsarm mit Insulin glargin nicht unterlegen. Der Anteil der Patienten, welche den HbA1c-Zielbereich < 7 bzw. < 8 % erreichten, war in allen Behandlungsgruppen vergleichbar.7
Anders als Insulin zeigte Dulaglutid einen zusätzlichen positiven Effekt auf das Fortschreiten einer Niereninsuffizienz. Über 52 Wochen führte Dulaglutid (0,75-mg- oder 1,5-mg-Dosierung) zu einer signifikant geringeren Abnahme der glomerulären eGFR (Cystatin C) als Insulin glargin (–0,7 ml/min/1,73m2 [Dulaglutid 1,5 mg oder 0,75mg] und –3,3 ml/min/1,73m2 [Insulin glargin], Abb. 2). Besonders deutlich­ profitierten dabei Patienten mit Makroalbuminurie.7 Darüber hinaus wurde ein weiterer positiver Einfluss von Dulaglutid auf die renale Funktion dokumentiert: Bei Patienten mit vorbestehender Makroalbuminurie erreichte Dulaglutid 1,5 mg im Vergleich zu Insulin eine stärkere Verminderung der Albuminurie, die eines der frühesten Symptome einer renalen Einschränkung darstellt (Albumin-zu-Kreatinin-Quotient [UACR]: –43,1 % vs. –14,3 %).

 

 

Dulaglutid senkte zudem das Körpergewicht der Patienten um bis zu 2,8 kg.7 Im Vergleich zu Insulin traten darüber hinaus weniger Hypoglykämien auf (Dulaglutid 1,5 mg: 2 % vs. Insulin Glargin: 8 %; p = 0,002). Insgesamt wurde Dulaglutid gut vertragen und zeigte das bekannte Sicherheitsprofil.7

Fazit

  • Die Therapiekonzepte GUT und BOT sind in der Therapieintensivierung beim Typ-2-Diabetes in Bezug auf die Blutzuckerkontrolle als gleichwertig wählbare Optionen zu betrachten; die Wahl erfolgt individuell.
  • Patienten mit Adipositas und Insulinresistenz können besonders von einer Therapie mit Dulaglutid profitieren: Neben der antidiabetischen Wirkung wurde bei klinischen Studien eine Gewichtsabnahme von bis zu 3 kg beobachtet.
  • Dulaglutid kann bei Patienten mit Niereninsuffizienz bis zu einer eGFR von ≥ 15 ml/min/1,73 m2 ohne Dosisreduktion eingesetzt werden und kann die Progression einer CKD verzögern; Dulaglutid stellt damit eine wertvolle Therapieoption in dieser großen und wichtigen Subgruppe von Patienten mit T2D dar.

 

Fachkurzinformation

PP-DG-AT-0103, Stand Februar 2019

Entgeltliche Einschaltung

 

Quelle: Satellitensymposium „Typ-2-Diabetes: GUT* – ein Therapiekonzept in Diskussion“, ÖDG Jahrestagung 2018, Salzburg
1 Giorgino F et al., Diabetes Care 2015; 38: 2241–9
2 Davies MJ et al., Diabetes Care 2018; dci180033
3 Fachinformation Trulicity®; Stand Juli 2018
4 Blonde L et al., Lancet 2015; 385(9982): 2057–66
5 Pozzilli P et al., Diabetes Obes Metab 2017; 19(7): 1024–31
6 Pantalone KM et al., Diabetes Obes Metab 2018; 20: 1461–9
7 Tuttle KR et al., Lancet Diabetes Endocrinol 2018; DOI: 10.1016/S2213-8587(18)30104-9
PP-DG-AT-0103, Stand Februar 2019

AutorIn: Dr. rer. nat. Marcus Mau

DF 01|2019

Herausgeber: Österreichische Diabetes Gesellschaft, Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner
Publikationsdatum: 2019-02-22