Zugelassen und seit 1. April in Ö verfügbar

Selpercatinib bei fortgeschrittenen Tumoren mit RET-Alterationen

Mit der EU-Zulassung des oralen RET-Inhibitors Selpercatinib (Retsevmo®) bietet sich Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) und fortgeschrittenem Schilddrüsenkarzinom, deren Tumoren spezifische Veränderungen am RET-Gen aufweisen, erstmals eine zielgerichtete Behandlungsoption.1, * Selpercatinib ist indiziert zur Behandlung

  • erwachsener Patienten mit fortgeschrittenem RET-Fusions-positivem NSCLC, die eine systemische Therapie nach Platin-basierter Chemotherapie und/oder einer Behandlung mit Immuntherapie benötigen;1
  • erwachsener Patienten mit fortgeschrittenem RET-Fusions-positivem Schilddrüsenkarzinom, die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Sorafenib und/oder Lenvatinib benötigen;1
  • Erwachsener und Jugendlicher ab 12 Jahren mit fortgeschrittenem RET-mutiertem medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC), die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Cabozantinib und/oder Vandetanib benötigen.1

LIBRETTO-001

Hohe Ansprechraten in drei Indikationen: Die drei Indikationen von Selpercatinib beruhen auf den Ergebnissen der multizentrischen, offenen, einarmigen Phase-I/II-Studie LIBRETTO-001, in der die Wirksamkeit und Verträglichkeit in diesen Indikationen belegt wurde.1‒3 Relevant für die Zulassung beim fortgeschrittenen RET-fusionspositiven NSCLC waren die Ergebnisse von 105 Studienteilnehmern, die zuvor neben einer Platin-basierten Chemotherapie oft auch Checkpoint-Inhibitoren und/oder Multikinase-Inhibitoren (MKI) erhielten. Die Behandlung mit zweimal täglich 160 mg Selpercatinib ermöglichte im primären Endpunkt eine hohe objektive Ansprechrate (ORR) von 64 %, die unabhängig von der Zahl der Vortherapien oder der Art des RET-Fusionspartners war. Zudem erwies sich Selpercatinib auch bei Hirnmetastasen als wirksam.1, 2 Basis der Zulassung beim fortgeschrittenen RET-fusionspositiven Schilddrüsenkarzinom waren 19 Patienten, die bereits Vortherapien, wie eine Radiojod-Therapie und MKI, insbesondere Sorafenib und/oder Lenvatinib, erhalten haben. Auch hier konnte Selpercatinib eine hohe ORR von 79 % zeigen. 1, 4, a Die Zulassung beim fortgeschrittenen RET-mutierten MTC beruhte auf 55 Patienten ab 12 Jahren, die zuvor Cabozantinib und/oder Vandetanib erhalten hatten. Selpercatinib bewirkte eine hohe ORR von 69 %, unabhängig von der Art der RET-Punktmutationen.1, 3, b

Verträglichkeit: Selpercatinib zeigte in LIBRETTO-001 ein günstiges Nebenwirkungsprofil. Häufigste therapieassoziierte unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 oder höher waren Hypertension sowie erhöhte Werte der Alanin- und der Aspartat-Aminotransferase, die durch Dosismodifikationen meist reversibel waren. 2 % der Teilnehmer brachen die Studie aufgrund therapieassoziierter Nebenwirkungen ab.1‒3

RET-Testung als Voraussetzung für Behandlung

Um eine Behandlung mit Selpercatinib initiieren zu können, ist immer eine molekularbiologische Abklärung des RET-Status erforderlich. Hierbei sollte das Vorhandensein einer RET-Mutation (MTC) oder einer RET-Genfusion (nicht medulläres Schilddrüsenkarzinom, NSCLC) durch einen validierten Test bestätigt werden. Neue Richtlinien der ESMO empfehlen hierfür den frühzeitigen Einsatz von erweiterten Marker-Panels für das Next-Generation-Sequencing (NGS).5

Weitere Informationen: www.LillyOncology.com

* Bedingte Zulassung: Dieses Arzneimittel wurde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet werden.
a Die Zulassung umfasst Patienten, die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Sorafenib und/oder Lenvatinib benötigen.
b Die Zulassung umfasst Patienten, die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Cabozantinib und/oder Vandetanib benötigen.
1 Fachinformation Retsevmo® 40 [80] mg Hartkapseln. Austria Codex. Stand der Information: Februar 2021
2 Drilon A et al., N Engl J Med 2020; 383:813-24
3 Wirth LL et al., N Engl J Med 2020; 383:825-35
4 Drilon A et al., Nat Rev Clin Oncol 2018; 15(3):150
5 Belli C et al., Ann Oncol 2021; 32:337-50