Acne inversa

Was ist der Unterschied zwischen Acne vulgaris und Acne inversa?

Acne vulgaris und Acne inversa sind zwei verschiedene Krankheiten mit un­terschiedlichen Ursachen und abwei­chendem Erscheinungsbild. Acne vulga­ris tritt typischerweise während der Pubertät auf; die Hormonumstellung in dieser Lebensphase dürfte bei der Ent­stehung eine Rolle spielen.
Bei Acne inversa (AI, auch Hidradenitis suppurativa genannt) entgleist das Im­munsystem und es kommt zu einer Ent­zündung der Schweißdrüsen und Haar­follikel. Schmerzhafte, entzündliche (eitrige) Abszesse können dann die Fol­ge sein. Erste Anzeichen einer Acne in­versa zeigen sich zumeist erstmals im jungen Erwachsenenalter (ab Anfang 20), also erst nach der Pubertät. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Män­ner.

 

 

Wie äußert sich die Erkrankung?

Bei Acne inversa bilden sich immer wie­der eitrige Knoten und Abszesse. Diese entstehen vor allem dort, wo Hautstellen aneinander reiben und es viele Schweiß drüsen gibt, also z.B. unter der Achsel, auf/unter der Brust, in der Leistenge­gend, im Intimbereich oder an der Innen­seite der Oberschenkel. Die entzündeten Hautstellen sind schmerzhaft und kön­nen einen unangenehmen Geruch ver­breiten. Acne inversa tritt in Schüben mit unterschiedlichen Schweregraden auf.

Was sind die Ursachen?

Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Eine überschießende Reaktion des Im­munsystems dürfte ursächlich an der Entstehung der Acne inversa beteiligt sein. In experimentellen Untersuchun­gen wurde eine übermäßige Verhornung der Haarfollikel nachgewiesen. Wie es dazu kommt, ist noch nicht eindeutig ge­klärt. Da die Erkrankung familiär ge­häuft auftritt, dürfte eine genetische Ver­anlagung bestehen. Zudem weiß man, dass bestimmte Faktoren, wie z.B. Rau­chen und Übergewicht, bei Acne inversa eine wichtige Rolle spielen.

Wichtiger Hinweis: Mangelnde Körper­pflege ist kein Auslöser der Erkrankung!

Wie erfolgt die Diagnose?

Bei wiederkehrenden bzw. schmerzhaf­ten Knoten und Eiterbeulen im Bereich der Achselhöhlen oder in der Leistenge­gend sollten Sie einen Hautarzt aufsu­chen. Dieser wird abklären, ob es sich um Acne inversa handelt oder ob andere Ursachen vorliegen.
Da Acne inversa familiär gehäuft auftreten kann, wird der Arzt die Krankengeschichte des Patienten inklusive Familienanamnese erheben. Zudem wird er mögliche Begleiterkrankungen sowie das Rauchverhalten und das Körpergewicht erfragen. An­schließend erfolgt eine Inspektion der be­troffenen Hautareale. Zur Überprüfung, ob eine bakterielle Besiedelung vorliegt, und um andere Differenzialdiagnosen auszu­schließen, wird ein Wundabstrich aus ei­ner betroffenen Hautstelle entnommen. Bei Acne inversa liegt zumeist keine bak­terielle Besiedelung vor.

Wichtiger Hinweis: Aus Schamgefühl zögern viele Betroffene, einen Arzt auf­zusuchen. Doch Acne inversa ist behan­delbar! Je früher ärztliche Hilfe in An­spruch genommen wird, desto besser.

Wie wird Acne inversa behandelt?

Acne inversa kann zwar noch nicht ge­heilt, aber behandelt werden. Die Thera­pie wird individuell auf die Beschwer­den und Bedürfnisse des Betroffenen abgestimmt. Dabei kommen topische Behandlungen (= äußerliche Therapie, „Salbenbehandlung“) und systemische Therapien (= Medikamente in Form von Tabletten bzw. Spritzen) zum Einsatz.
Erste Behandlungsmaßnahmen sind oft­mals auf die Haut aufgetragene desinfi­zierende Seifen sowie antibiotische Cre­men oder Tinkturen. Da bakterielle Infektionen den Krankheitsverlauf ver­schlimmern können, werden auch syste­mische Antibiotika zur oralen Einnahme oder als Infusion verabreicht. Die Anti­biotika kommen bei Acne inversa nicht nur wegen ihrer antibakteriellen Wir­kung, sondern auch (und mehr) auf­grund ihres antientzündlichen Effekts zum Einsatz. So lindern sie die Be­schwerden und verringern bzw. verhin­dern Infektionen.
Weiters können bei Acne inversa soge­nannte Biologika verordnet werden. Diese biotechnologisch hergestellten Medikamente können das immunologi­sche Geschehen im Körper gezielt be­einflussen. Daher können Biologika die Entzündungsprozesse im Körper brem­sen, dadurch die schmerzhaften Haut­veränderungen verbessern und das neu­erliche Auftreten von Knoten und Abszessen signifikant verhindern.
Eine der wirksamsten Maßnahmen sind Operationen. Im Stadium II und III (sie­he Kasten) ist die Entfernung der gesam­ten betroffenen Haut von Vorteil.
Verschiedene Möglichkeiten der an­schließenden Defektheilung sind be­schrieben und müssen individuell ange­passt werden. Die Operationen sollten von mit dem Krankheitsbild vertrauten Chirurgen durchgeführt werden.

Wichtiger Hinweis: Bei Acne inversa sind regelmäßige ärztliche Kontrollun­tersuchungen erforderlich!

Was können Betroffene selbst tun?

  • Übergewicht reduzieren
  • enge Kleidung vermeiden, da mechani­scher Druck/mechanische Reizung die Entstehung neuer Läsionen fördert
  • nicht rauchen
  • betroffene Körperareale nicht rasieren
  • starkes Schwitzen vermeiden
  • auf ausgewogene Ernährung und aus­reichend Bewegung achten
  • evtl. psychologische Unterstützung suchen

 

Stadien der Acne inversa (nach Hurley)

  • Stadium I: Auftreten von Riesenkome­donen (= sehr große „Mitesser“) sowie einzelnen Abszessen ohne Vernarbungen oder Fistelbildung; derbe, tastbare Knoten in der Haut
  • Stadium II: wiederkehrende Abszesse, die einzeln oder zu mehreren an ver­schiedenen Stellen auftreten; bei Druck sondern die Abszesse Talg, Eiter und übel riechendes Sekret ab.
  • Stadium III: flächiger Befall mit mehre­ren Abszessen, die Fisteln bilden; zudem entstehen vernarbte Areale abgeklunge­ner Entzündungsherde.