Ekzeme

Was versteht man unter einem „Ekzem“?

Grundsätzlich werden unter dem Sam­melbegriff „Ekzeme“ nicht infektiöse, entzündliche Intoleranzreaktionen der Haut zusammengefasst.

Das Erscheinungsbild kann sehr unter­schiedlich ausfallen. Es kommt meist zu einem stadienhaften Verlauf; dieser be­ginnt mit einer

  1. Rötung => dann entstehen
  2. Knötchen und auch Bläschen; diese platzen, dadurch entwickeln sich of­fene Hautstellen, auch tiefe „Risse“ (Rhagaden) => und schließlich kommt es zu
  3. Krusten und Schuppen.

Meist jucken die Entzündungen, bei offenen Stellen können sie auch schmerzen.
Betroffen sind die oberen Hautschichten.

Ekzeme gehören zu den häufigsten Hauterkrankungen und können in je­dem Alter, vom Säugling bis zum Greis, auftreten!

Welche Ekzemformen werden unterschieden?

Das akute Ekzem ist durch hellrote Haut­färbung, Bläschen- und/oder Pustelbil­dung sowie Nässen charakterisiert.
Das chronische Ekzem hingegen zeigt sich zumeist in einer dunkelroten bis bräunlichen Färbung. Zudem kommt es zu einer lederartigen Veränderung der betroffenen Hautareale, auf denen sich Krusten und/oder Schuppen bilden. Wei­ters können aufgrund der verringerten Elastizität dieser Hautbereiche spaltför­mige Einrisse entstehen. Diese heilen narbenlos wieder ab.

 

Trockene Haut: Risikofaktor für Ekzeme

Ekzeme entstehen leichter auf trockener Haut, da bei dieser der Säureschutzmantel gestört ist. Dadurch wird die Haut anfälliger für äußere Einflüsse. Wer sich sehr häufig wäscht oder in Wohnräumen mit trockener Luft aufhält, erkrankt daher leichter an einem Ekzem. Langfristige UV-Strahlung schädigt ebenfalls die Haut und kann so das Risiko für die Entstehung eines Ekzems erhöhen.

 

Wodurch werden Ekzeme ausgelöst?

Grundsätzlich unterscheidet man Ekze­me, die durch äußere Einflüsse ausgelöst werden, von solchen, die durch innere Einflüsse entstehen:
Exogene Ekzeme werden durch äußere Einflüsse hervorgerufen und stellen Kontaktekzeme dar: Sie werden entwe­der durch Allergene (z.B. Metalle wie Nickelsulfat, viele berufsspezifische Substanzen bei Friseurinnen, Maurern usw.) oder Toxine (Putzmittel, Seifen, Duschgele) verursacht und als „allergi­sches oder toxisches Kontaktekzem“ bzw. auch als „irritative Kontaktdermati­tis“ bezeichnet.
Endogene Ekzeme werden durch innere Einflüsse ausgelöst; ihnen liegt eine ge­netische Veranlagung zugrunde. Das häufigste endogene Ekzem ist das atopi­sche Ekzem; dieses wird auch „atopi­sche Dermatitis oder Neurodermitis“ genannt (siehe Seite 28).

Wie kommt es zu einem allergischen Kontaktekzem?

Das allergische Kontaktekzem tritt auf­grund einer Allergie gegen einen Stoff, mit dem die Haut in Berührung kommt (z.B. Nickel, Latex oder Inhaltsstoffe von Parfums, Cremen, Haarfärbemitteln etc.), auf. Dabei kommt es erst bei wie­derholtem Kontakt mit dem Stoff zu ei­ner allergischen Reaktion. Allerdings kann die Hautreaktion erst Stunden bis Tage nach dem Kontakt auftreten, was die Ursachenklärung oftmals erschwert.

Was versteht man unter einem toxischen Kontaktekzem?

Hier liegt keine Allergie vor, sondern das Ekzem tritt auf, weil die Haut über einen längeren Zeitraum hinweg Kon­takt zu schädlichen Stoffen (sogenannte Irritanzien = Substanzen, die leicht zu Hautreizungen führen können) – meist Chemikalien (Säuren, Laugen, Reini­gungsmittel, Lösungsmittel, Waschmit­tel) –, aber auch zu viel und zu langen Kontakt mit Wasser etc. hatte.
Mehr zu Ekzemen, die im beruflichen Umfeld auftreten, lesen Sie ab Seite 25.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Tritt der typische Hautausschlag eines Ekzems auf, sind folgende Fragen zur genaueren Diagnose hilfreich:

  • Wann und unter welchen Bedingungen ist das Ekzem aufgetreten?
  • Kam es bei Ihnen schon öfter zu sol­chen Hauterkrankungen?
  • An welchen Stellen treten die Hauter­scheinungen auf? (siehe Kasten)

Besteht der Verdacht einer Allergie, ist ein Allergietest (je nach Allergietyp ein Prick- oder Epikutantest) angezeigt.

Wie wird behandelt?

Wichtig ist zunächst einmal, die Ursache des Ekzems zu ermitteln. Handelt es sich um eine allergische Reaktion oder ein toxisches Kontaktekzem, muss die betreffende Substanz vermieden werden. Weiters kommen spezielle Salben, Cre­men und Lotionen zum Einsatz, um die irritierte Haut zu beruhigen.

Was ist bei der Hautpflege zu beachten?

Eine konsequente Hautpflege bildet die Basis der Behandlung. Dabei sollte alles vermieden werden, was die Haut zusätz­lich austrocknet. Daher sollten Betroffene milde Reinigungsmittel mit einem neutralen oder leicht sauren pH-Wert verwenden und den direkten Kontakt mit Putzmitteln vermeiden. Auch heiße Bä­der über 35 ºC sowie intensive Sonnen­bäder trocknen die Haut aus und sind daher nicht empfehlenswert.
Bei einem akut nässenden Ekzem sind zudem wasserreiche Cremen, Lotionen oder Gele nach dem Prinzip „feucht auf feucht“ zu empfehlen.
Bei einem chronisch trockenen Ekzem sollte man zu fettreichen Salben greifen. Auch Ölbäder (Badeöle ohne Duftstoffe und Emulgatoren verwenden!) tun tro­ckener Haut gut.
Zudem gilt: Je akuter der Zustand des Ekzems, umso wichtiger ist eine entzün­dungshemmende Wirkung der Präparate.

 

Wichtiger Hinweis: Die Verwendung von duftstoff- und konservierungsmit­telfreien Präparaten mit einer geringen Anzahl an Inhaltsstoffen verringert das Risiko einer Allergieentwicklung auf Kosmetika!

Welche Wirkstoffe kommen zur Entzündungshemmung zum Einsatz?

Hier haben sich vor allem topische (d.h. äußerlich aufgetragene) Kortikoide be­währt.
Kortison ist ein körpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird und im Blutkreislauf als Kortisol (auch Hydrocortison genannt) vorliegt. Als Kortikoid wird künstlich hergestell­tes Kortison bezeichnet, das in Medika­menten zum Einsatz kommt. Diese Kor­tikoide wirken stark antientzündlich. So werden die typischen Symptome eines Ekzems, wie Rötung, Schwellung, Juck­reiz, Schmerz und Hitzegefühl, rasch gelindert. Zudem wirken Kortikoide an­tiallergisch, da ihre immunmodulierende Wirkung die überschießende Abwehrre­aktion des Körpers verringert.

Je nach Wirkstärke werden Kortikoide in 4 Klassen eingeteilt:

  • Klasse 1: schwache Kortikoide wie Hydrocortisonacetat, Prednisolon
  • Klasse 2: mittelstarke Kortikoide wie Clobetasonbutyrat, Fluprednidenace­tat, Triamcinolonacetonid
  • Klasse 3: starke Kortikoide wie Beta­methasondipropionat, Diflucortolonva­lerat, Mometasonfuroat, Methylpred­nisolonaceponat
  • Klasse 4: sehr starke Kortikoide wie Clobetasolpropionat

 

Wichtiger Hinweis: Rund um Kortison ranken sich viele Gerüchte und Vorurtei­le. Doch sind die meisten Ängste bei richtiger Anwendung unbegründet. Zum einen gibt es einen wesentlichen Unter­schied, ob Kortikoide äußerlich oder in­nerlich (als Medikamente zum Schlu­cken) eingesetzt werden. Und zum zweiten haben sich gerade moderne Kortikoide wie Methylprednisolonace­ponat und Mometasonfuroat als beson­ders nebenwirkungsarm erwiesen.
Zu beachten ist allerdings, dass Kortiko­ide der Wirkstoffstärke 3 und 4 nicht (längerfristig) im Gesicht oder im Geni­talbereich angewendet werden sollten.
Ihr Hautarzt wird die entsprechende Therapie mit Ihnen besprechen!

Wie erfolgt die Dosierung?

Normalerweise wird die Therapie mit ei­nem stärkeren Kortikoid begonnen und nach wenigen Tagen auf die nächst­schwächere Wirkstoffklasse umgestellt. Nach weiteren wenigen Tagen folgt das „Ausschleichen“, d.h. beispielsweise an einem Tag Auftragen einer Salbe mit Kortikoid, am nächsten Tag Auftragen einer Salbe ohne Kortikoid.

Wie lange sollte die Behandlung durchgeführt werden?

Grundsätzlich sollte der Einsatz to­pisch (= äußerlich) aufgetragener Kor­tikoide so lange erfolgen, bis die Be­schwerden der Haut völlig abgeklungen sind. Auf diese Akuttherapie (tägliches Auftragen des Kortikoids) folgt an­schließend eine mehrwöchige Erhal­tungstherapie (selteneres Auftragen sowie niedrigere Dosierung). Befürch­tungen hinsichtlich „Hautverdünnung“ und „unspezifischen Langzeitauswir­kungen“ durch Kortikoide sind nicht unbegründet, können aber bei Einhal­tung des ärztlich vorgeschriebenen Therapieplans immer vermieden wer­den! Bei zu kurzer Therapiedauer hei­len die Ekzeme hingegen nicht ausrei­chend ab bzw. kommt es schnell zu einem erneuten Auftreten der Entzün­dungsreaktion.

 

Wichtiger Hinweis: Es ist wichtig, dass Sie Kortikoide so lange und so oft, wie vom Arzt verordnet, anwenden!

Welche Inhaltsstoffe sind sonst noch sinnvoll?

Gerade bei chronischen trockenen Ekze­men haben sich Hautpflegeprodukte auf Wasser-in-Öl-Basis (enthalten mehr Öl/ Fette als Wasser) bewährt. Wasserfreie Salben oder mit Lipiden (Fetten) ange­reicherte Wasser-in-Öl-Emulsionen soll­ten nur an sehr trockenen Hautarealen angewendet werden.
Salben mit wasserbindenden Inhaltsstof­fen wie Harnstoff (Urea), Glyzerin oder Milchsäure sind aufgrund ihres befeuch­tenden Effekts empfehlenswert. Liegen Hauteinrisse vor, sollten Präparate mit Harnstoff allerdings besser vermieden werden, da diese zu Brennen auf der Haut führen könnten.