Psoriasis

Wie äußert sich Schuppenflechte?

Bei Psoriasis kommt es zu scharf be­grenzten, rötlichen Krankheitsherden auf der Haut, die von silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind. Diese Herde können klein und punktförmig sein, häu­fig bestehen aber mehrere handtellergro­ße Hautbezirke (Plaques). Die Schuppen lassen sich an der Oberfläche leicht ab­kratzen, die darunter liegenden sind hin­gegen fester. Werden sie dennoch abge­kratzt, können kleine Hautblutungen auftreten.

Ist Psoriasis angeboren?

Schuppenflechte ist keine angeborene Erkrankung, allerdings gibt es eine soge­nannte genetische Disposition („Veran­lagung“). So steigt beispielsweise das Erkrankungsrisiko eines Kindes, wenn ein Elternteil an Psoriasis leidet. Das Immunsystem dürfte bei der Entstehung der Erkrankung eine entscheidende Rol­le spielen.

Durch auslösende Faktoren („Trigger“; diese können innerer oder äußerer Ursa­che sein) kann ein Krankheitsschub her­vorgerufen werden und es kommt zur Ausbildung der oben genannten Symp­tome.

Häufige Trigger für Psoriasis-Schübe:

  • Physikalische Faktoren (mechanische Reizung, Verbrühung, Verbrennung, Verletzung, Druckstellen, Operationsnarben, Kratzen, Sonnenbrand etc.)
  • Chemische Faktoren (Verätzung, lokal reizende Lokaltherapeutika etc.)
  • Andere entzündliche Hauterkrankungen (viral bedingte Hautausschläge, Hautpilzinfektionen, positive Hauttestreaktionen etc.)
  • Infektionskrankheiten (Streptokokken-Infekte, HIV-Infektion etc.)
  • Menstruation
  • Schwangerschaft und Entbindung
  • Chronisch-entzündliche Erkrankungen von Darm, Leber, Gallenblase, Harnwegen oder Prostata sowie Entzündungen an Zahnwurzeln, Nasennebenhöhlen und Mittelohr
  • Alkohol
  • Manche Arzneimittel (Betablocker, Anti-Malaria-Präparate, Lithiumsalze, ACE-Hemmer, Interferone etc.)
  • Psychische Belastung und Stress

Gibt es verschiedene Formen von Psoriasis?

Ja. In rund 85–90% der Fälle handelt es sich um eine chronische Plaque-Psoria­sis (Psoriasis vulgaris). Hier zeigen sich die silbrig-weißen, schuppenden Hautbe­reiche vor allem an den Außenseiten der Ellbogen und Kniegelenke sowie im Be­reich des Kopfes und der Nägel.

Bei den Sonderformen der Psoriasis fin­det man die Hautveränderungen hinge­gen an anderen Stellen. So unterscheidet man folgende Formen der Psoriasis:

  • Psoriasis inversa: Nabel-, Leisten- und Achselhöhlenbereich, Gesäßfalte und Intimbereich
  • Palmoplantare Psoriasis: Handflächen und Fußsohlen
  • Nagel-Psoriasis: stecknadelkopfgroße Eindellungen, gelblich-bräunliche Ver­färbungen an den Nägeln, weiße Fle­cken kleine Einblutungen, Verdickung der Nagelplatte, als Maximalvariante die völlige Zerstörung des Nagels
  • Erythrodermatische Psoriasis: Die ge­samte Haut ist gerötet bei geringer Schuppenbildung.
  • Psoriasis pustulosa: kleine, sterile Pus­teln auf der Haut, meist lokalisiert an Hand- und Fußflächen
  • Psoriasis-Arthropathie: Neben der Haut sind auch die Gelenke betroffen, v.a. aber auch Sehnenansätze wie die Achillessehne.

Was passiert bei einem Psoriasis- Schub?

Aufgabe unseres Immunsystems ist der Schutz vor Krankheiten und daher die Abwehr körperfremder Stoffe, wie z.B. Bakterien und Viren. Bei Autoimmuner­krankungen kommt es zu einer Fehlsteue­rung des Immunsystems: Aus bislang ungeklärter Ursache greifen die Abwehr­zellen des Immunsystems Bereiche des eigenen Körpers an. So wandern bei ei­nem Psoriasis-Schub Abwehrzellen in die äußeren Hautschichten und schütten dort Entzündungsfaktoren (Zytokine) aus. Dies führt dazu, dass die Hautzellen auf einmal um bis zu acht- bis zehnmal so schnell wachsen. So entstehen immer di­ckere Hautschichten, die von den er­wähnten silbrig-weißen, schuppenden Hautbereichen überzogen sind. Die darunter liegende Haut ist aufgrund der Ent­zündungsreaktion gerötet, was zu Juck­reiz und Brennen führen kann.

Wie erfolgt die Diagnose?

Dermatologen treffen die Diagnose auf­grund der typischen Haut- bzw. Nagel­veränderungen. Ist die Diagnose nicht eindeutig, können eine Hautprobe und die anschließende mikroskopische Unter­suchung des Gewebes Aufschluss geben.

Welche Therapien stehen zur Verfügung?

Es stehen – je nach Schweregrad – ver­schiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die der behandelnde Hautarzt mit Ihnen besprechen wird.

Lokaltherapie: Wichtigste Basis ist die richtige Hautpflege. Empfohlen werden rückfettende Ölbäder, Duschöle, Fettsal­ben oder -cremen, da diese die körperei­gene Schutzfunktion der Haut verbes­sern. Zudem werden Salben/Cremen/ Lotionen mit unterschiedlichen Wirk­stoffen eingesetzt. Damit diese in die Haut eindringen können, müssen die be­troffenen Stellen zunächst „entschuppt“ werden. Dies gelingt mit Wirkstoffen wie Salicylsäure, Harnstoff und Milch­säure.
Anschließend kommen Salben mit ent­zündungs- und zellteilungshemmenden Wirkstoffen zum Einsatz, darunter u.a. die folgenden: Calcineurin-Antagonis­ten verringern die Entzündungsreakti­on. Dithranol reduziert die überaktive Zellteilung. Vitamin-D3-Analoga ver­ringern die Bildung von Hautschuppen und wirken entzündungshemmend. Kortison (Kortikosteroid) kommt in Salbenform – alleine oder gemeinsam mit anderen Wirkstoffen, wie z.B. Vita­min-D3-Analoga – vor allem zur Ein­dämmung entzündlicher Schübe zum Einsatz. Im Gesicht und im Genitalbe­reich sollten kortisonhaltige Salben nur mit Vorsicht angewendet werden, die Kopfhaut verträgt Kortison jedoch gut. Für die Behandlung der Kopfhaut ste­hen zudem medizinische Shampoos zur Verfügung.

Phototherapie (UV-Lichttherapie): Reicht diese spezielle Hautpflege nicht aus, um die Haut im Gleichgewicht zu halten, kann die sogenannte UV-Licht­therapie angewandt werden. Deren Ziel ist es, das Wachstum der Hautzellen zu verlangsamen und die Entzündung in der Haut zu unterdrücken. Die UV-Be­strahlungen erfolgen mittels spezieller medizinischer Fluoreszenz-Leuchtstoff­röhren oder Halogenstrahler. Die Mehr­heit der Psoriasis-Betroffenen spricht gut auf die Lichttherapie an. Allerdings ist diese relativ aufwendig und bringt nur vorübergehend eine Besserung.

Medikamentöse Therapie: Bei schwe­ren Psoriasis-Verlaufsformen, bei Ge­lenkbeteiligung und/oder wenn die Lo­kal- sowie die Phototherapie nicht zum gewünschten Ergebnis führen, stehen medikamentöse Therapien zur Verfü­gung. Dabei werden dem Patienten ver­schiedene Wirkstoffe in Form von Tab­letten, Injektionen oder Infusionen verabreicht, darunter z.B.:

Retinoide: wirken auf die Hautzellen und regulieren deren Wachstum
Methotrexat: unterdrückt das Immun­system und wird deshalb bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt
Ciclosporin: unterdrückt ebenfalls die körpereigene Abwehr
Apremilast: wirkt entzündungshemmend
Biologika (Adalimumab, Brodalumab, Etanercept, Guselkumab, Infliximab, Ixekizumab, Secukinumab und Usteki­numab): biotechnologisch hergestellte Medikamente, die das immunologische Geschehen im Körper gezielt beeinflus­sen und so Entzündungsreaktionen ver­ringern

Was können Betroffene sonst noch tun?

Ausgewogene Ernährung, Vermeiden von Alkohol, Nikotin und Übergewicht sowie eine geregelte Lebensweise haben zumeist einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf. Dieser ist individuell sehr unterschiedlich: Bei manchen Men­schen treten im Laufe ihres Lebens im­mer wieder Krankheitsschübe auf, deren Ausprägung zu- oder abnehmen kann; bei anderen kommt es zu längeren Ruhe­phasen der Erkrankung oder sie tritt gar nicht mehr auf.
Die sogenannte Klimatherapie – die Kombination aus Baden im Meer (hy­pertone Salzlösung) und Sonnenbestrah­lung (Heliotherapie) – führt bei vielen Betroffenen zu einer deutlichen Besse­rung, zumindest für eine gewisse Zeit.