1A Jungmediziner-Tipp: Der Weg eines Rezeptes

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Etwa 60 Millionen Rezepte1 wandern pro Jahr in Österreich vom Arzt über den Patienten und die Apotheken hin zur jeweiligen Sozialversicherung.

Den Anfang nimmt jedes Rezept in einer Druckerei, wo es von den jeweiligen Krankenkassen beauftragt und anschließend an die Arztordinationen verteilt wird. Jedes Rezept ist mit einer laufenden Nummer versehen, sodass auch die Rückverfolgbarkeit und eindeutige Zuordnung gegeben ist.
Kommt ein Patient in die Ordination, wird die e-card gesteckt. Sollte er sie vergessen haben, verwendet der Arzt die sogenannte „Adminkarte“, um den Patienten im Ordinationssystem freizuschalten. Danach erfolgt das Patientengespräch, ein Medikament wird empfohlen und verordnet oder eine bestehende Medikation wird weiter verordnet. Jedes Ordinationssystem ist mit einer Verordnungssoftware (z.b. Austria Codex, Diagnosia) ausgestattet, welche alle in Österreich zugelassenen Arzneispezialitäten enthält und über ein Log-in von in Gesundheitsberufen tätigen Fachpersonen verwendet werden kann.

Medikamente auswählen
Die Arzneispezialitäten können direkt via Eingabe oder indirekt via Auswahlliste nach Handelsnamen, Darreichungsform, Zulassungsnummer, Hersteller, Vertriebsunternehmen, Indikation (human/veterinär), anatomisch-therapeutisch-chemischem (ATC) Code (human), Wirkstoffen und Hilfsstoffen gefunden werden. Ebenso sind eine Freitextsuche in den Kurztexten der Austria-Codex Schnellhilfe sowie ein Auffinden über die Baumstrukturen der Indikationsgruppen und ATC-Codes möglich. Eine Interaktionsprüfung erlaubt mögliche Wechselwirkungen nach Substanzgruppe oder Spezialität darzustellen. Für jede beschriebene Wechselwirkung gibt es detaillierte Angaben, wie zum Beispiel zur klinischen Bedeutung, möglicher Maßnahmen oder weiterführenden Literaturangaben. Ärzte können alle in Österreich zugelassenen Medikamente verordnen. Wichtig für die Kostenübernahme der Medikamente durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) ist, dass die Medikamente im Erstattungskodex aufgelistet sind oder eine Bewilligung durch den Medizinischen Dienst vorliegt. Der Erstattungskodex (EKO) wird einmal pro Jahr als Buch herausgegeben, eine Online-Version wird monatlich aktualisiert. Unter www.eko2go.at ist der EKO auch als APP verfügbar.

Einlösen der Rezepte
In der Apotheke erhält der Patient bei verschreibungspflichtigen Arzneispezialitäten das passende Medikament. Die Rezeptgebühr – aktuell sind das 6,30 Euro2 – ist ein Selbstbehalt des Patienten, der für jede Medikamentenpackung, die auf Kosten der Krankenkasse bezogen wird, bezahlt werden muss. Die Apotheken heben diesen Betrag für die Krankenkassen ein und leiten ihn ohne Abzug an diese weiter. Bestimmte Personengruppen, speziell Menschen mit hohem Medikamentenbedarf und geringem Einkommen, sind von der Rezeptgebühr befreit. Im Dezember 2019 wurde die Hälfte der auf Kosten der Krankenkassen abgegebenen Packungen von gebührenbefreiten Personen bezogen3.
Für jeden Versicherten führt die Sozialversicherung ein Konto der bezahlten Rezeptgebühren. Wenn in einem Kalenderjahr die bezahlten Rezeptgebühren 2 % des Nettoeinkommens erreichen, so tritt für das restliche Kalenderjahr automatisch eine Befreiung von der Rezeptgebühr ein2. Der Arzt vermerkt diese Befreiung auf dem Rezept.
Wenn Wahlärzte ein Privatrezept ausstellen, so kann der Patient das Rezept vom Hausarzt in ein Kassenrezept umschreiben lassen oder die Kosten des verordneten Medikamentes selbst übernehmen. Manche Apotheken bieten auch den Service an, die Rezepte bei den Krankenkassen umschreiben zu lassen.

e-Rezept bewährt sich
Gerade in Zeiten von Corona wird vermehrt die Möglichkeit des sogenannten e-Rezeptes genutzt. Mithilfe der Arztsoftware wird das Rezept elektronisch in ELGA, der elektronischen Gesundheitsakte, erstellt und gespeichert. In der Endausbaustufe erhalten Patienten einen Code auf ihr Handy oder auf Wunsch einen Ausdruck des e-Rezeptes mit diesem Code. In der Apotheke wird dieser Code gescannt und das e-Rezept aus dem e-card System abgerufen. Durch Stecken der e-card in der Apotheke kann das e-Rezept auch ohne Code abgerufen werden.
Derzeit können, für die Dauer der Pandemie, Rezepte bereits über die e-Medikation elektronisch an die Apotheke geschickt werden. Bei Opt-Out des Patienten müssen sie allerdings noch per Email oder Fax übermittelt werden -> e-Rezept-Light.
Nach Erhalt des Rezeptes speichert der Apotheker die Einlösung des Rezeptes im e-card-System und rechnet die e-Rezepte elektronisch mit der Sozialversicherung ab.

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Entgeltliche Einschaltung