Versicherungen, die sich lohnen

Foto:Shutterstock/Jirsak

Versichert werden kann fast jedes Risiko. Ob das auch im persönlichen Lebensplan und -umfeld Sinn macht, wissen am besten unabhängige Risikoexperten, die das medizinische Berufsfeld sehr genau kennen.

Ein kompetenter Versicherungsberater kann die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Versicherungsangebote transparent machen und beim Vergleich helfen. Ob ein Arzt mit einem Risiko „leben“ will oder den Beitrag für die Abdeckung durch eine Versicherung zahlen möchte, muss er letztendlich immer selbst entscheiden. Michael Sauseng von der Sie&Wir Versicherungsmakler und Beratungsgesellschaft m.b.H., und Mag. Marcel Mittendorfer, Geschäftsführer der VERAG Versicherungsmakler GmbH, geben Einblick in die vielfältigen Angebote.

Welche Versicherungen braucht der Arzt gleich bei der Praxisgründung, was wird später relevant?

Sauseng: Nach dem Ärzte- und Zahnärztegesetz ist zum Start in die Selbstständigkeit auf jeden Fall eine Haftpflichtversicherung grundlegend vorgeschrieben. Ohne diese Versicherung ist ein Arzt nicht berechtigt, freiberuflich seine ärztliche Tätigkeit auszuüben, und kann nicht in die Ärzteliste eingetragen werden.

Weiters wird eine Krankenversicherung – für eine Basisabsicherung – benötigt. Dazu gibt es keine gesetzliche Verpflichtung wie bei anderen Berufsgruppen, aber eine Pflicht zur Versicherung. Die Rücksprache mit dem Steuerberater ist empfehlenswert, denn die Tücken liegen im Detail. So erlaubt zum Beispiel die Versicherung bei der SVS, der neuen Sozialversicherung der Selbstständigen und früheren SVA, keine Kündigung mehr. Private Anbieter haben interessante Lösungen, die jedoch bundesländerweise unterschiedlich sind. Auf Ärzte spezialisierte Versicherungsmakler können hier die optimale Lösung evaluieren.

Mittendorfer: Eine Beratung zum Thema Arzthaftpflicht lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn man noch in einem angestellten Dienstverhältnis ist. Verlassen Sie sich nicht auf den Arbeitgeber, der haftet zwar grundsätzlich nach dem Dienstnehmerhaftpflichtgesetz, aber ob und wie sehr er Sie im Streitfall unterstützt, ist bei den einzelnen Spitalsträgern doch recht unterschiedlich. Die Kosten für eine eigene Haftpflichtversicherung sind äußerst überschaubar, und es ist entspannter, wenn man sich im Streitfall nicht auf den Dienstgeber – den man vielleicht sogar schon gewechselt hat – verlassen muss.

Der zweite Aspekt sind Forderungen aus dem Strafrecht, die können jeden Menschen treffen, der schuldfähig ist. Sei es, dass Sie einen Autounfall haben und jemanden verletzen oder wenn Sie als Arzt mit einer Körperverletzungsanzeige konfrontiert sind. Das trifft immer und auch den angestellten Arzt immer persönlich, diese Absicherung braucht daher jeder ab Berufsbeginn.

Gibt es auch schon Versicherungen, die vor der Gründung wichtig sind?

Sauseng: Ja, eine Ärzte-Rechtsschutzversicherung wäre auf jeden Fall empfehlenswert, denn in dieser Phase werden wichtige Verträge wie zum Beispiel ein Mietvertrag oder ein Dienstvertrag unterschrieben, mitunter werden Großgeräte gekauft oder Ablöseverträge abgeschlossen. Wird der Rechtsschutz erst nach der Eröffnung unterzeichnet, dann sind derartige Verträge nicht inkludiert.

Welche Versicherungen betreffen den Arzt als Person?

Sauseng: Für den Fall einer längeren Erkrankung oder eines Unfalls bzw. Elementarschadens gibt es eine sogenannte Betriebsunterbrechungsversicherung. Die Versicherungssummen sollen sich immer am Deckungsbeitrag orientieren. Vergleichen Sie hier mehrere Angebote, denn die Unterschiede sind sehr groß. Achten Sie speziell auf besondere Bedingungen wie zum Beispiel einen Kündigungsverzicht, auf Entfall von Haftungszeitlimitierungen oder verlängerte Leistungen. Manche Versicherungen erbringen auch bei Rehabilitation- und Kuraufenthalte ihre Leistung.

Besondere Spezialprodukte gibt es auf dem Sektor der Berufsunfähigkeitsversicherung, also im Falle, dass der Arzt seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Im Bereich der Unfallversicherung für eine mögliche bleibende Invalidität ist auf die Ärztegliedertaxe zu achten. Viele Versicherungen haben Standardverträge nur für Chirurgen, bei uns werden alle Ärzte mit einer Ärztetgliedertaxe versichert. Wer Kredite laufen hat und sich um Familienvorsorge Gedanken macht, wird um eine Ablebensversicherung nicht herumkommen.

Welche Sachversicherungen braucht es als Ordinationsinhaber?

Mittendorfer: Wer angestellt ist, muss sich meist um medizinische Geräte oder Computer keine Gedanken machen. Anders und plötzlich sehr umfangreich stellt sich die Frage, wenn die eigene Ordination eröffnet wird. Medizintechnik muss angekauft werden und sollte entsprechend versichert sein. Gibt es Finanzierungen über Leasing oder Kredit, werden die Geldgeber ohnehin entsprechende Geräteversicherungen fordern. Insgesamt gilt: Je geräteintensiver die Ordination, desto mehr ist abzusichern. Für sämtliche beweglichen Güter in der Ordination empfehlen wir eine Ordinationsinventarversicherung. Eigene Technikversicherungen für die medizinischen Geräte sind besonders bei Radiologen oder Zahnärzten relevant, treffen aber alle Ärzte, die mit teureren und sensibleren medizinischen Geräten arbeiten. Schon kleine Stromschwankungen können dazu führen, dass Geräte kaputt werden, ein Feuer kann ausbrechen, ein Wasserrohrbruch kann großen Schaden anrichten.

Eine moderne Form der „Feuerversicherung“ ist die Cyberversicherung. Hier steht die Absicherung besonders sensibler Daten im Vordergrund. Ärzte sind oft besonders davon betroffen, weil ihre Netzwerke meist nicht gut nach außen abgesichert sind.

Die Palette an zu versichernden Risiken ist breit, gleichzeitig bei Ordinationsgründung das Budget naturgemäß knapp. Was braucht der Arzt nun wirklich?

Mittendorfer: Auf jeden Fall benötigt ein Gründer Beratung. So wie man einen Steuerberater und einen Anwalt benötigt, so sollte man auch einen Risikoberater an Bord holen, also jemanden, der sich mit der Versicherung von Risiken im medizinischen Setting auskennt. Eine Ordination ist in vielen Punkten nicht mit einem Klein- und Mittelbetrieb anderer Branchen vergleichbar. Dazu kommt noch die persönliche Risikosicht. Ein guter Risikoberater kann Tipps geben, welche Risiken wie häufig eintreffen und welche davon die Existenz zerstören, gefährden oder mitunter nur wenig beeinträchtigen. Knapp 70 % der Österreicher versichern existenzneutrale Risiken, wie den Inhalt der Tiefkühltruhe. Aber nur 3 % haben für eine mögliche Berufsunfähigkeit vorgesorgt! Ein Berater unterstützt hier, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und jene Entscheidung zu treffen, die für die individuelle Situation am besten passt.

Wie häufig soll eine „Vorsorgeuntersuchung“ beim Versicherungsexperten stattfinden?

Mittendorfer: Zu Beginn wird es wohl so sein, dass man sich sehr häufig abstimmen muss. In der Gründungsphase ist keine Zeit für „trial and error“ – gehen Sie gleich zum Experten und lassen Sie sich beraten! Wenn die Ordination läuft, wird ein Termin zum Check-up einmal jährlich und im Übrigen Abstimmungen bei irgendeiner Erledigung zumeist ausreichen.

Redaktion: Renate Haiden