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„Vegane Ernährung führt immer zu Mangelerscheinungen“ – dieser Mythos begegnet Ärzt:innen im Patient:innengespräch besonders häufig. Gleichzeitig gewinnt die vegane Ernährungsweise im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung, sei es aus gesundheitlichen, ethischen oder ökologischen Gründen. Für Jungärzt:innen stellt sich daher die Frage: Wie ist die vegane Ernährung aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zu bewerten – und worauf sollte in der Beratung besonders geachtet werden?
Gut geplant ist entscheidend
Eine gut geplante vegane Ernährungsform kann eine bedarfsgerechte Versorgung mit den meisten Nährstoffen ermöglichen. Entscheidend ist dabei die bewusste Auswahl und Kombination pflanzlicher Lebensmittel sowie eine regelmäßige Kontrolle kritischer Nährstoffe. Ein zentraler Punkt: Die Supplementierung von Vitamin B12 ist bei veganer Ernährung langfristig notwendig und medizinisch sinnvoll, da Vitamin B12 in relevanten Mengen ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt.
Bewertung durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bewertet die vegane Ernährung in ihrer aktuellen Stellungnahme als klimafreundlich und sieht bei guter Planung auch gesundheitliche Vorteile. Gleichzeitig weist sie ausdrücklich darauf hin, dass bestimmte Nährstoffe als potenziell kritisch gelten und regelmäßig überwacht werden sollten. Dazu zählen insbesondere:
Eine ärztliche Begleitung mit gezielter Laborkontrolle und individueller Supplementierung ist daher ein zentraler Bestandteil einer sicheren veganen Ernährungsweise.
Besondere Personengruppen
Für bestimmte Bevölkerungsgruppen liegt derzeit keine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine vegane Ernährung vor. Dazu zählen:
In diesen Lebensphasen ist der Nährstoffbedarf erhöht oder verändert. Eine vegane Ernährung kann hier nur unter enger medizinischer und ernährungsfachlicher Begleitung empfohlen werden. Für Jungärzt:innen ist es besonders wichtig, diese Differenzierung im Patient:innengespräch klar zu kommunizieren.
Gesundheitliche Effekte veganer Ernährung
Aktuelle wissenschaftliche Daten zeigen einen Zusammenhang zwischen veganer Ernährung und positiven gesundheitlichen Effekten. Dazu zählen unter anderem:
Diese Effekte werden vor allem auf den hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen sowie den geringeren Konsum stark verarbeiteter tierischer Produkte zurückgeführt.
Fazit für den ärztlichen Alltag
Eine vegane Ernährung führt nicht zwangsläufig zu Mangelerscheinungen, erfordert jedoch eine bewusste Planung, regelmäßige Kontrolle kritischer Nährstoffe und eine verlässliche Supplementierung – insbesondere von Vitamin B12. Eine vielfältige Auswahl an wenig verarbeiteten, pflanzenbasierten Lebensmitteln kann einen klaren gesundheitlichen Nutzen bringen, wenn potenzielle Risiken frühzeitig erkannt und adressiert werden.
Für Jungärzt:innen bedeutet das: Eine evidenzbasierte, differenzierte Beratung statt pauschaler Ablehnung oder unkritischer Empfehlung. Genau hier setzt das Format „Ernährung: Mythen & Fakten“ auf nextdoc an.