Biotech-Riesen im Umbruch

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Hohe Verluste bei den deutschen Biotechfirmen Evotec und Biontec. Die Folge sind kräftige Einschnitte bei beiden Unternehmen. Die Biontech-Gründer:innen gehen von Bord.

Die Gründer von Biontech, Ugur Sahin und Özlem Türeci, wollen sich aus der Führung der deutschen Biotechfirma zurückziehen und ein neues Unternehmen gründen. Der Managementwechsel solle bis Ende 2026 erfolgen, teilte das durch seinen Covid-19-Impfstoff bekannt gewordene Unternehmen mit Sitz in Mainz am Dienstag mit. Das Unternehmen gab für 2025 auch einen Milliardenverlust bekannt: demnach hat Biontech ein Minus von 1,12 Milliarden Euro verzeichnet. Das war deutlich mehr als im vorangegangenen Geschäftsjahr mit minus 665,3 Millionen Euro. Der Umsatz der Mainzer kletterte 2025 laut Angaben vom Dienstag von 2,76 auf 2,87 Milliarden Euro. Als Grund hierfür nannte Biontech Erlöse aus der Kooperation mit dem US-Pharmakonzern Bristol Myers Squibb. Für das laufende Jahr 2026 erwartet das Unternehmen Erlöse zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro. Diese sollten die geplanten Forschungs- und Entwicklungskosten von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro ausgleichen, hieß es. Der Aktienkurs des Unternehmens brach am Dienstag um 20 Prozent ein.

Die neue Firma von Ugur Sahin und Özlem Türeci soll sich auf die Erforschung und Entwicklung von mRNA-Innovationen der nächsten Generation konzentrieren. Biontech selbst will sich künftig stärker auf seine wachsende Pipeline an Produktkandidaten in der späten klinischen Entwicklung fokussieren. Der Aufsichtsrat hat mit der Suche nach Nachfolgern für die Positionen des Vorstandschefs und der Medizinchefin begonnen. Biontech plant, Rechte und mRNA-Technologien in die neue Firma einzubringen. Im Gegenzug soll Biontech eine Minderheitsbeteiligung sowie künftige Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren erhalten.

Das deutsche Biotechunternehmen Evotec wiederum streicht im Zuge eines Umbaus bis zu 800 Stellen und schließt vier weitere Standorte. Das neue Strategieprogramm „Horizon“ sieht vor, die Zahl der Standorte weltweit auf zehn zu reduzieren. Ziel sei es, die Organisation zu vereinfachen, teilte Evotec am Dienstag mit. Bis Ende 2027 sollen dadurch die Kosten um rund 75 Millionen Euro pro Jahr sinken. Evotec hatte bereits in den vergangenen zwei Jahren die Zahl seiner Standorte von 19 auf 14 reduziert, den Vorstand verkleinert und Stellen abgebaut. An der Börse reagierten die Anleger:innen mit Verkäufen auf den Sparkurs. Die Aktie brach um mehr als 15 Prozent ein. Nach vorläufigen Zahlen für 2025 erwirtschaftete Evotec noch einen Umsatz von rund 788 Millionen Euro und ein bereinigtes Ergebnis von etwa 41 Millionen. Zum 30. September beschäftigte das Unternehmen weltweit knapp 4.800 Mitarbeiter:innen. Den Geschäftsbericht für das vergangene Jahr will Evotec am 8. April veröffentlichen. (red/APA)