PHARMAustria: Wie beurteilen Sie die derzeitigen Aktivitäten der EU zur Stärkung des Pharmasektors? Und was bedeuten diese aus Ihrer Sicht für Österreich?
Mag. Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG: „Während Innovationen und Patentanmeldungen etwa in China massiv ansteigen, erschwert die EU mit so manchen regulatorischen Rahmenbedingungen den notwendigen Fortschritt. Die Folge: Europa importiert viele Innovationen und bringt verhältnismäßig wenig eigene hervor. Das ist auf Dauer nicht tragfähig, nicht zuletzt, weil die nächsten Jahre aufgrund diverser, auch geopolitischer Faktoren Krisenjahre werden. Ohne substanzielle Investitionen in Forschung, Technologie und attraktive Standortbedingungen wird die EU im globalen Wettbewerb weiter an Boden verlieren. Derzeit sehe ich jedoch keine klare Trendwende. Im Gegenteil: Die Debatte um den Unterlagenschutz hat gezeigt, wie rasch zentrale Innovationsanreize infrage gestellt werden. Eine Verkürzung von acht auf sechs Jahre hätte ein fatales Signal ausgesendet. Dass es bei acht Jahren bleibt, ist wichtig. Langfristig muss Europa jedoch prüfen, wie geistiges Eigentum als Treiber pharmazeutischer Innovation noch stärker abgesichert werden kann, um Investitionen gezielt anzuziehen.
Ob die europäische Life-Sciences-Strategie mit ausreichend konkreten Maßnahmen hinterlegt wird, bleibt abzuwarten. Während andere Länder mit klaren Pharmastrategien Investitionen anziehen, darf Österreich hier nicht zurückfallen. Daher appelliere ich an die Bundesregierung, eine eigene Pharma- und Life-Sciences-Strategie zu entwickeln und umzusetzen.“
Mag.a Ute Van Goethem, Präsidentin des FOPI: „Die Life-Science-Strategie der EU ist ein wichtiger Schritt, um Innovationen voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen Gesundheitssektor zu stärken. Bislang ist sie allerdings ,nur‘ eine politische Absichtserklärung mit sehr guten Elementen. Auch die Reform der EU-Pharmagesetzgebung hat die Absicht, Forschung als Zukunftschance zu sehen und als Europa wettbewerbsfähig zu bleiben. Positiv ist beispielsweise, dass im Zuge der neuen EU-Pharmagesetzgebung der Unterlagenschutz im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Medikamente weiterhin acht Jahre betragen soll. Doch viele andere Regeln, auf die man sich geeinigt hat, könnten es erschweren, die Entwicklungen der pharmazeutischen Forschung zu den Menschen zu bringen. Europa hat im Bereich Gesundheit und medizinische Innovation eine Wahl zu treffen und muss rasch konkrete Schritte setzen, wie es wieder vorne mit dabei sein kann. Denn wenn wir uns in der Welt umsehen, verfolgen gerade die USA derzeit eine sehr aktive Standortpolitik. Es wäre wünschenswert, wenn wir in Europa und auch in Österreich genauso aktiv vorgehen würden. Denn Österreichs Pharmaindustrie und Forschungscommunity sind untrennbar mit dem europäischen Life-Science-Sektor verbunden. Folglich müssen wir österreichische Interessen aktiv in die Diskussionen und Gesetzgebungen auf EU-Ebene einbringen.“