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„Süßstoffe helfen beim Abnehmen“ – dieser Mythos hält sich hartnäckig, sowohl im Alltag als auch in sozialen Medien. Viele Patient:innen greifen gezielt zu Light-Produkten oder zuckerfreien Alternativen in der Annahme, damit automatisch Gewicht zu reduzieren. Aus aktueller wissenschaftlicher Sicht lässt sich diese Annahme jedoch nicht bestätigen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in ihrer aktuellen Leitlinie (2023), Süßstoffe nicht als Maßnahme zur Gewichtsreduktion einzusetzen. Studien zeigen, dass der langfristige Effekt auf das Körpergewicht unklar ist und keine nachhaltigen Vorteile gegenüber einer ausgewogenen Ernährungsweise bestehen.
Für den ärztlichen Alltag bedeutet das: Der Einsatz von Süßstoffen ist keine evidenzbasierte Strategie zur Gewichtsabnahme.
Süßstoffe sind Nahrungszusatzstoffe, die eine hohe Süßkraft bei gleichzeitig sehr geringem oder keinem Kaloriengehalt aufweisen. Die meisten sind synthetisch hergestellt, einige – wie Stevioglykoside – werden aus pflanzlichen Quellen gewonnen.
In der Europäischen Union sind derzeit folgende Süßstoffe zugelassen:
Acesulfam K, Advantam, Aspartam, Aspartam-Acesulfamsalz, Cyclamat, Neohesperidin DC, Neotam, Saccharin, Stevioglykoside, Sucralose und Thaumatin.
Für alle zugelassenen Süßstoffe gilt ein sogenannter Acceptable Daily Intake (ADI) – eine Menge, die lebenslang täglich aufgenommen werden kann, ohne gesundheitliche Risiken zu erwarten. Dieser Grenzwert wird in Relation zum Körpergewicht festgelegt.
Besonders relevant für die Praxis:
Kinder und Säuglinge können diesen Grenzwert schneller erreichen, weshalb eine regelmäßige Exposition vermieden werden sollte.
Ein wichtiger Aspekt im Umgang mit Süßstoffen betrifft die Verwendung von Sucralose. Diese darf nicht stark erhitzt werden, da bei Temperaturen über 120 °C potenziell gesundheitsschädliche, chlorierte Verbindungen entstehen können. Laut Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR, 2019) stehen diese im Verdacht, krebserregend zu sein.
Für die Praxis bedeutet das:
Produkte mit Sucralose, die häufig im Kontext von Diäten beworben werden, sind nicht zum Backen oder Kochen geeignet.
Süßstoffe sind kein „Shortcut“ zur Gewichtsreduktion. Entscheidend für eine nachhaltige Gewichtsentwicklung bleibt eine ausgewogene, langfristig umsetzbare Ernährungsweise.
Für Jungärzt:innen ist es daher wichtig, Patient:innen evidenzbasiert aufzuklären: Zuckerersatzstoffe können situativ eingesetzt werden, ersetzen jedoch keine grundlegende Ernährungsumstellung und sind nicht automatisch mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden.
Eine differenzierte Beratung hilft, verbreitete Mythen zu relativieren und realistische Erwartungen zu schaffen.