Wie Darmmikrobiom und Stress zusammenhängen

© Bernhard Jandl

Eine Studie der Universität Wien zeigt erstmals, dass die Vielfalt der Darmbakterien mit der akuten Stressreaktion zusammenhängt. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise auf die Rolle des Mikrobioms bei der Stressregulation. 

Die Ergebnisse der Wissenschafter:innen Thomas Karner, Isabella Wagner, David Berry und Paul Forbes von der Fakultät für Psychologie sowie dem Zentrum für Mikrobiologie und Umwelt Systemwissenschaften (CeMESS) der Universität Wien zeigen: Das Darmmikrobiom hängt mit der Art zusammen, wie unser Körper auf Stress reagiert. Damit rücken auch Faktoren wie Ernährung und Lebensstil stärker in den Fokus. Langfristig könnte die gezielte Modulation der Darmbakterien und ihrer Stoffwechselprodukte, insbesondere kurzkettiger Fettsäuren, neue Ansätze im Umgang mit akuten Stressreaktionen und stressassoziierten Krankheiten liefern.  

Für die Studie wurden gesunde Teilnehmer:innen entweder einem standardisierten Stresstest unterzogen oder führten eine vergleichbare, stressfreie Aufgabe durch. Dabei erfassten die Forschenden Stresshormone wie Cortisol im Speichel sowie das subjektive Stressempfinden. Zusätzlich analysierten sie das Darmmikrobiom anhand von Stuhlproben, sowohl hinsichtlich Zusammensetzung als auch hinsichtlich seines Potenzials zur Produktion kurzkettiger Fettsäuren.  

Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere mikrobielle Vielfalt mit einer höheren hormonellen und subjektiven Stressreaktivität einhergeht. „Eine stärkere akute Stressreaktion ist nicht unbedingt nachteilig. Eine angemessene Aktivierung des Stresssystems ermöglicht eine flexible Anpassung an Herausforderungen und Bedrohungen. Eine höhere Vielfalt der Darmbakterien sowie bestimmte Stoffwechselprodukte könnten hierbei eine unterstützende Rolle spielen“, erklärt der Studienleiter und Psychologe Thomas Karner. 

Zudem zeigte sich, dass die Stressreaktion auch mit der Kapazität der Darmbakterien, bestimmte Stoffwechselprodukte herzustellen, zusammenhängt. Eine höhere Kapazität zur Produktion von Butyrat war mit einer stärkeren Stressreaktivitätverbunden, während eine höhere Propionat-Produktion mit einer geringeren Reaktivität einherging. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Zusammenhang zwischen mikrobiellen Stoffwechselprodukten und Stressreaktion komplex ist und nicht auf eine einheitliche Richtung reduziert werden kann. (tab) 

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