© Gabriele Rohde – stock.adobe.com Über eine neue Cochrane-Studie zu Alzheimer-Wirkstoffen ist eine Debatte entbrannt. Die Stoffe wirken kaum, heißt es darin. Doch das wird kritisiert.
17 klinische Studien von Pharma-Herstellern mit Daten von mehr als 20.000 Menschen mit Alzheimer-Demenz analysierte ein Forscherteam der britischen Organisation Cochrane. Dies mit dem Ergebnis, dass die zwei neuen Alzheimer-Wirkstoffe Lecanemab und Donanemab„wenig bis keinen Effekt“ auf die Demenzsymptome hätten. Noch dazu habe sich gezeigt, dass die Patient:innen, die an leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder leichter Demenz litten, während 18 Monaten Behandlung mit den Wirkstoffen häufiger Hirnschwellungen und Hirnblutunten hatten, als diejenigen, die ein Placebo erhielten, heißt es in der Studie. Die Forscher:innen raten deswegen dazu, sich bei der Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten auf andere Wirkmechanismen zu konzentrieren.
Das empfindet die Präsidentin der Österreichischen Alzheimergesellschaft und Leiterin der Ambulanz für Gedächtnisstörungen und Demenzerkrankungen am AKH Wien, Elisabeth Stögmann als „besonders kritisch, deutlich überzogen und nicht durch die Daten gedeckt“. Sie sei aber von der Studie generell „überrascht“, da die Forscher:innen Daten aus frühen, negativen Studien mit Ergebnissen zu den Wirkstoffen Lecanemab und Donanemab kombiniert hätten, die inzwischen in den USA von der Food and Drug Administration (FDA) und von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen wurden. Stögmann: „Das ist aus meiner Sicht methodisch nicht vertretbar.“
Nicht vertretbar sei auch, Medikamente und Placebo bezüglich Nebenwirkungen gleichzusetzen. Außerdem sei problematisch, dass die Studie Kostenträgern Argumente liefere, zugelassene Therapien nicht zu erstatten, und Patient:innen verunsichere, die derzeit mit den Wirkstoffen behandelt werden. Auch im European Alzheimer´s Disease Consortium (EADC) ist Stögmann zufolge bereits intensiv über die Studie und die Folgen debattiert worden, eine Einordnung aus dem EADC werde noch folgen. (sst/APA)