© AdobeStock/shishiga ine Studie der MedUni Wien zeigt, dass das Alongshan-Virus in heimischen Zecken zirkuliert. Die Forschenden empfehlen, es künftig in Überwachungsprogramme und die Diagnostik nach Zeckenstichen einzubeziehen.
Für ihre aktuell publizierte Studie analysierten Forschende des Zentrums für Virologie der MedUni Wien rund 3.000 im Jahr 2024 in Österreich gesammelte Zecken, 2.000 archivierte Zeckenproben aus den Jahren 2005 bis 2018 sowie rund 2.000 Blutproben von Patient:innen mithilfe molekularbiologischer und serologischer Methoden. Die Ergebnisse zeigen, dass das Alongshan-Virus (ALSV) in Österreich bereits seit mindestens zwei Jahrzehnten vorkommt.
„Die Ergebnisse belegen eine weite geografische Verbreitung des ALSV in Österreich, mit Nachweisen in Wien, Oberösterreich, Niederösterreich, der Steiermark und Vorarlberg“, erklärt Judith Aberle, Professorin für Virusimmunologie am Zentrum für Virologie der MedUni Wien und Leiterin der Studie. Zwar konnte das Virus in keiner der untersuchten Proben von Patient:innen nachgewiesen werden, jedoch wurden bei zwei Personen hohe ALSV-spezifische Antikörperspiegel festgestellt. „Das zeigt, dass es bereits zu Infektionen gekommen ist, auch wenn diese offenbar selten sind“, so Aberle.
Von Zecken übertragene Viruserkrankungen nehmen weltweit zu und stellen ein wachsendes Gesundheitsrisiko dar. Bekannte Erreger wie das FSME-Virus oder das Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber-Virus führen jährlich zu mehreren Zehntausend Infektionen weltweit. In den vergangenen Jahren wurden zudem mehrere neue Zeckenviren identifiziert, darunter das Alongshan-Virus, das 2017 erstmals in China bei Patient:innen mit fieberhaften Erkrankungen entdeckt wurde. Hinweise auf sein Vorkommen gibt es inzwischen in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, Finnland, Frankreich und die Schweiz – und jetzt auch Österreich.
Während die ursprünglich in China beschriebene Variante mit Fieber und FSME-ähnlichen Symptomen in Zusammenhang gebracht wird, ist bisher unklar, ob die in Europa zirkulierenden Varianten beim Menschen überhaupt Erkrankungen auslösen, so Aberle. WeitereStudien seien nötig, um die gesundheitliche Relevanz und die Verbreitung des ALSV zu klären. Angesichts der anhaltenden Zirkulation in heimischen Zeckenpopulationen sollte das Alongshan- Virus in Überwachungsprogramme für von Zecken übertragene Erreger und in die diagnostische Abklärung von Erkrankungen nach Zeckenstich einbezogen werden, so die Forscherin. (APA/tab)
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