Fehlzeitenreport: Psychische Erkrankungen steigen 

Präsentierten Report: v.l.: Rolf Gleißner (WKÖ), Christine Mayrhuber (WIFO), Claudia Neumayer-Stickler (DVSV), Wolfgang Panhoelzl (Arbeiterkammer) © Enzo Holey

Die Krankenstandstage in Österreich gehen leicht zurück, Kurzkrankenstände nehmen jedoch weiter zu. Der aktuelle Fehlzeitenreport zeigt außerdem deutliche Verschiebungen bei den häufigsten Ursachen für Krankenstände. 

Laut dem aktuelle Fehlzeitenreport des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) entfielen 2025 bereits 11,8 Prozent aller Krankenstandsfälle auf psychische Diagnosen. 1994 lag ihr Anteil noch bei 2,6 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil von Muskel- und Skeletterkrankungen im selben Zeitraum von 22,4 auf 19,1 Prozent zurück. „Die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert schont den Körper, fordert aber den Geist. Auf diese Entwicklung muss es Antworten geben“, sagte Studienautorin Christine Mayrhuber vom Wifo.

Muskel- und Skeletterkrankungen verursachen zwar weniger Krankenstandsfälle als früher, führen aber weiterhin zu überdurchschnittlich langen Ausfallzeiten. Auffällig ist, dass sich mehr als 94 Prozent der Betroffenen zunächst an Allgemeinmediziner:innen wenden, während Therapieberufe (12,2 Prozent) und die physikalische Medizin (8,9 Prozent) vergleichsweise selten in Anspruch genommen werden.

Insgesamt sank die Zahl der Krankenstandstage gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent auf durchschnittlich 14,7 Kalendertage pro Arbeitnehmer:in. Gleichzeitig nahm der Anteil der Kurzkrankenstände mit einer Dauer von weniger als vier Tagen von 43,2 auf 44,7 Prozent zu. Trotz des leichten Rückgangs liegen die Krankenstandszahlen noch immer höher als vor der Covid-Pandemie. Auch Atemwegserkrankungen haben seither zugenommen. Weiters auffällig: Frauen weisen durchschnittlich mehr Krankenstandstage auf – nämlich 15,5 gegenüber 14,1 bei Männern. Das habe mit der steigenden Frauenerwerbsquote, körperlich und psychisch belastenderen Arbeitsverhältnissen, aber auch der Doppelbelastung von Frauen zu tun, so die Wifo-Expertin.

Vor dem Hintergrund der langen Ausfallzeiten bei Muskel- und Skeletterkrankungen erneuerte der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) seine Forderung, durch schweres Heben und Tragen verursachte Bandscheibenerkrankungen in die Liste der Berufskrankheiten aufzunehmen. Beschäftigte im Gesundheitswesen, in der Langzeitpflege und in der Behindertenbetreuung seien besonders betroffen. Mit der Anerkennung als Berufskrankheit wären Leistungen der Unfallversicherung wie umfassendere medizinische Versorgung, Rehabilitation oder eine monatliche Rente bei starken Einschränkungen verbunden. „Es ist nicht akzeptabel, dass Beschäftigte mit schweren Rücken- und Bandscheibenproblemen zu oft allein gelassen werden. Die Krankheit muss anerkannt und entsprechend durch die Unfallversicherung abgesichert werden“, sagt ÖGB-Gesundheitsexpertin Julia Stroj. Der ÖGB fordert auch, Betriebe zu wirksamer Prävention und gesunden Arbeitsbedingungen zu verpflichten. (APA/tab)