Symbolbild © Ecpomedia Die weltweite Adipositas-Welle hat auch eine soziale Dimension. Sozial schwache Menschen sind deutlich häufiger betroffen. Das zeigt eine britische Studie mit österreichischer Beteiligung.
„Adipositas zählt zu den größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit im 21. Jahrhundert. Erkenntnisse darüber, wie sich (soziale) Ungleichheiten auf die Belastung durch Adipositas auswirken, sind rar, insbesondere seit der Covid-19-Pandemie”, schrieben Robert Fletcher von der British Heart Foundation und seine Co-Autor:innen, unter ihnen Patrick Rockenschaub vom Institut für Klinische Epidemiologie der MedUni Innsbruck.
Die Forschenden analysierten die Lebensverlaufsdaten der gesamten Bevölkerung Englands im Alter von 18 bis 99 Jahren, die in den Registern des staatlichen National Health Service (NHS) gespeichert sind. Für den Zeitraum von November 2019 bis Ende April 2025 untersuchten sie die Entwicklung nach Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status, ethnischer Zugehörigkeit und Wohnort.
Insgesamt wurde eine neue Adipositas-Diagnose (BMI von 30 oder mehr) bei 4,13 Millionen Personen gestellt. 55,1 Prozent waren Frauen und 44,9 Prozent Männer. Im Mittel erfolgte die Diagnose mit 43 Jahren. Die Häufigkeit stieg im Beobachtungszeitraum von 26,3 auf 30,3 Prozent. Besonders stark nahm sie bei jüngeren Erwachsenen zu: Bei den 20- bis 29-Jährigen betrug der Anstieg 16 Prozent, bei den 30- bis und 39-Jährigen 19 Prozent.
Besonders deutlich zeigte sich der Einfluss sozialer Umstände. Die Adipositas-Häufigkeit war im sozioökonomisch am stärksten benachteiligten Fünftel der Bevölkerung um 35 Prozent höher als im am wenigsten benachteiligten Fünftel“, so die Forschenden. Auch die geografischen Unterschiede waren groß: Je nach Region Englands schwankte der Anteil der Adipösen zwischen 8,5 Prozent und 48,1 Prozent – also um das Sechsfache. Wiederum waren die ärmsten Regionen am stärksten betroffen.
Das Fazit der Epidemiologen: Fast jede:r dritte Erwachsene in England ist adipös, wobei benachteiligte Gruppen überproportional stark betroffen sind und sich die Ungleichheiten seit der Covid-19-Pandemie verschärft haben. Steigende Raten bei Frauen im gebärfähigen Alter bergen das Risiko, gesundheitliche Ungleichheiten generationenübergreifend zu verfestigen. „Das Zusammenspiel sozioökonomischer Faktoren unterstreicht, dass Adipositas vermeidbar ist und dass Ungleichheiten in Präventionsmaßnahmen berücksichtigt werden müssen,” so die Analyse. (APA/tab)
Service: Publikation