Vom ersten Lebenstag bis zum Schulkind: Warum der Bauch so empfindlich ist

Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter. Während bei Säuglingen oft sogenannte Dreimonatskoliken Eltern und Babys den Alltag erschweren, klagen auch Kindergarten- und Schulkinder immer wieder über Bauchweh. Hinter den Beschwerden stecken meist harmlose Ursachen, dennoch belasten sie die ganze Familie.

Kaum etwas beschäftigt frischgebackene Eltern so sehr wie das Wohlbefinden ihres Babys. Trinkt es genug? Schläft es ausreichend? Und warum schreit es plötzlich stundenlang, obwohl es satt, trocken und gesund wirkt? Gerade in den ersten Lebensmonaten spielen Bauchbeschwerden eine große Rolle, aber auch später gehören sie zu den häufigsten Gründen für schlaflose Nächte oder den Besuch in der Apotheke. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen sind Bauchschmerzen bei Kindern zwar unangenehm, aber harmlos und vorübergehend.

Wenn Babys scheinbar grundlos weinen

Viele Säuglinge erleben in den ersten Lebenswochen Phasen, in denen sie besonders viel schreien. Tritt dieses Weinen regelmäßig auf, meist in den Abendstunden, spricht man umgangssprachlich von den sogenannten Dreimonatskoliken. Typisch ist, dass die Babys die Beinchen anziehen, sich überstrecken oder einen angespannten Bauch haben.
Die genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Lange Zeit wurden vor allem Blähungen dafür verantwortlich gemacht. Heute geht man davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenspielen. Die noch unreife Verdauung, die Entwicklung des Nervensystems, die Anpassung an die neue Umwelt und die Zusammensetzung der Darmflora können gemeinsam dazu beitragen, dass Säuglinge empfindlicher reagieren. Die Beschwerden verschwinden meist von selbst, häufig zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat.

Die Darmflora entwickelt sich erst

Der Darm eines Neugeborenen ist bei der Geburt noch nahezu keimfrei. Erst in den ersten Lebensstunden und -tagen beginnt die Besiedelung mit Milliarden nützlicher Mikroorganismen. In den ersten Lebensjahren verändert sich die Zusammensetzung der Darmflora ständig, bis sie sich allmählich stabilisiert. Heute weiß man, dass das Darmmikrobiom weit mehr Aufgaben erfüllt, als nur die Verdauung zu unterstützen. Es beeinflusst unter anderem die Entwicklung des Immunsystems und steht über die sogenannte Darm-Hirn-Achse mit dem Nervensystem in Verbindung.

Probiotische Kulturen können den Bauch unterstützen

In den vergangenen Jahren hat die Forschung intensiv untersucht, welchen Einfluss bestimmte probiotische Bakterienkulturen auf die Darmflora haben können. Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die – in ausreichender Menge aufgenommen – die Darmflora unterstützen können. Studien zeigen, dass ausgewählte probiotische Kulturen dazu beitragen können, die Darmflora positiv zu beeinflussen und die Dauer von Schrei- und Unruhephasen zu verkürzen.

Bauchschmerzen bei älteren Kindern

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Ursachen von Bauchbeschwerden. Kindergarten- und Schulkinder klagen häufig über wiederkehrende Bauchschmerzen, ohne dass eine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt. Oft spielen Verdauungsprobleme eine Rolle. Zu wenig Ballaststoffe, eine geringe Trinkmenge oder Bewegungsmangel können Verstopfung begünstigen. Auch hastiges Essen, stark zuckerhaltige Getränke oder sehr fettige Mahlzeiten können den empfindlichen Verdauungstrakt belasten. Nicht zu unterschätzen sind außerdem seelische Faktoren. Gerade rund um den Schulstart, Prüfungen oder Veränderungen im Alltag reagieren manche Kinder mit Bauchweh auf Stress oder Unsicherheit.

Rasche und einfache Hilfe

Bei harmlosen Bauchschmerzen helfen oft einfache Maßnahmen. Wärme durch ein Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche wird von vielen Kindern als angenehm empfunden. Auch sanfte Bauchmassagen im Uhrzeigersinn können die Verdauung unterstützen. Babys profitieren häufig davon, nach dem Trinken ausreichend Zeit zum Aufstoßen zu bekommen. Das Tragen in einer aufrechten Position oder leichte Bewegungen können ebenfalls beruhigend wirken.

Bei älteren Kindern lohnt sich ein Blick auf die Ernährungsgewohnheiten. Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und eine ballaststoffreiche Kost fördern eine gesunde Verdauung. Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und ausreichend Bewegung unterstützen den Darm auf natürliche Weise.n