Kleine Stelle, großer Schmerz

Ein ungewohnter Tagesrhythmus, erste Schularbeiten und ein neues soziales Umfeld – der Schulstart bringt für viele Kinder oft große Aufregung mit sich. Sogar die Mundschleimhaut kann empfindlich auf all diese Veränderungen reagieren.

Wenn im Mund plötzlich eine winzige Stelle Schmerzen verursacht, kann es sich um sogenannte Aphthen handeln. Obwohl sie klein sind, können sie erstaunlich wehtun. Typisch ist ein rundes oder ovales, leicht eingesunkenes Schleimhautgeschwür mit weißlich-gelbem Belag und gerötetem Rand. Es sitzt häufig an der Innenseite von Lippen oder Wangen, manchmal an der Zunge, am Zahnfleisch oder am weichen Gaumen. Die gute Nachricht: Kleine Aphthen sind meist harmlos, nicht ansteckend und heilen in der Regel innerhalb von ein bis zwei ­Wochen von selbst ab.

Ursachen nicht völlig geklärt

Stress gilt nicht als eindeutig bewiesene alleinige Ursache, kann aber bei dafür empfänglichen und empfindlichen Kindern einen Schub begünstigen. Warum manche Kinder immer wieder Aphthen bekommen und andere nie, ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich wirken mehrere Faktoren zusammen: eine familiäre Veranlagung, Reaktionen des Immunsystems, kleine Verletzungen der Mundschleimhaut sowie möglicherweise Eisen- oder Vitamin-B-Mangel.
Häufig sind mechanische Reizungen beteiligt. Eine neue Zahnspange kann zum Beispiel anfangs an der Wangeninnenseite reiben und dort durch Draht- oder Bracketkanten, versehentliches Wangenbeißen sowie zu kräftiges Putzen die empfindliche Schleimhaut verletzen. Daraus entsteht nicht zwangsläufig eine Aphthe, doch bei anfälligen Kindern kann eine solche Miniwunde schon den Ausschlag geben.

Erste Hinweise ernst nehmen

Oft kündigt sich eine Aphthe mit Kribbeln, Brennen oder einem rauen Gefühl an. Innerhalb von ein bis drei Tagen entwickelt sich die typische schmerzhafte Stelle. Die oberste Schutzschicht der Schleimhaut ist unterbrochen, sodass jede Berührung reizt. Säure aus Orangensaft, scharfe Gewürze, salzige Snacks oder harte Brotkrusten können die Beschwerden rasch verschlimmern. Daher sind weiche, eher kühle Speisen wie Naturjoghurt, Kartoffelbrei, weiche Nudeln oder abgekühlte Suppe häufig angenehmer als Knuspermüsli, Chips oder Zitrusfrüchte. Getränke sollten nicht sehr heiß sein; stilles Wasser oder milder Tee werden oft gut vertragen. Ein Trinkhalm kann Flüssigkeit an der wunden Stelle vorbeileiten.
Auch die Zahnpflege darf weitergehen, nur soll sie besonders sanft durchgeführt werden. Eine weiche Zahnbürste, wenig Druck und vorsichtiges Putzen sind sinnvoller, als auf das Zähneputzen zu verzichten, denn Beläge können die Mundschleimhaut zusätzlich belasten.

Rasch Linderung schaffen

Zur örtlichen Linderung stehen je nach Alter verschiedene Gele, Lösungen, Sprays oder Mundspülungen zur Verfügung. Sie können einen Schutzfilm bilden, die gereizte Schleimhaut beruhigen oder Schmerzen vorübergehend dämpfen. Nicht jedes Präparat ist für jedes Kindesalter geeignet und jüngere Kinder können noch nicht sicher gurgeln oder ausspucken. Eltern sollten sich deshalb in der Apotheke beraten lassen und die Anwendungshinweise beachten. Auch bei Schmerzmitteln müssen Dosierung und Wirkstoff zu Alter und Körpergewicht passen. Alkohol, unverdünnte ätherische Öle oder ätzende Substanzen sind für die empfindliche Kinderschleimhaut ungeeignet. Selbst eine Salzspülung kommt nur für Kinder infrage, die zuverlässig ausspucken können.

Unterstützung der Mundpflege bei Aphthen

Bei wiederkehrenden Aphthen lohnt sich ein kleines Mund-Tagebuch. Darin können Eltern notieren, wann die Beschwerden auftreten, wie viele Stellen sichtbar sind, ob gerade eine Klassenarbeit, wenig Schlaf, ein Infekt oder ein Termin für die Zahnspange anstand und welche Lebensmittel besonders brannten. Das beweist nichts, macht Muster aber leichter erkennbar. Ebenso wichtig ist ein Blick auf den Alltag, denn ausreichend Schlaf, verlässliche Pausen, ein ruhiges Frühstück und Zeit zum Ankommen senken die allgemeine Anspannung und helfen dem Kind, mit Schmerzen gelassener umzugehen.
Einfache Unterstützung bieten auch Lutschtabletten, die wirksame Bakterienstämme wie zum Beispiel Limosilactobacillus reuteri direkt in den Mundraum bringen. Limosilactobacillus reuteri ist wissenschaftlich auch im Zusammenhang mit wiederkehrenden Aphthen untersucht. Erste Studien mit Lutschtabletten und anderen lokalen Anwendungsformen weisen darauf hin, dass Milchsäurebakterien möglicherweise zur Linderung aphthenbedingter Schmerzen beitragen können. Durch das langsame Auflösen können die Inhaltsstoffe über längere Zeit mit dem Speichel und der Mundschleimhaut in Kontakt bleiben und bieten so eine einfache und wirksame Ergänzung zur Mundhygiene.

Aphthen brauchen jedenfalls sanfte Pflege. Die wunde Stelle darf nicht aufgekrazt, ausgedrückt oder kräftig abgebürstet werden. Trotzdem sollte die tägliche Zahnpflege nicht ausfallen. Mit einer weichen Bürste und wenig Druck vorsichtig um die Aphthe herumputzen. Nach dem Essen kann der Mund mit Wasser ausgespült werden. Alkoholhaltige Mundspülungen und unverdünnte ätherische Öle sind für Kinder ungeeignet. Bei starken Beschwerden berät die Apotheke zu altersgerechten Schutzgelen oder Spüllösungen.n